Sins/Widen/Boswil
Rau oder mitreissend: Jugendorchester orientiert sich an Philharmoniker

Die neue Dirigentin Anne-Cécile Gross bringt Schwung und Leidenschaft ins Jugendorchester Freiamt. Für das traditionelle Herbst-Konzert hat sie sich an den Wiener Philharmoniker orientiert. Entstanden ist eine stimmige und begeisternde Darbietung.

Susanna Vanek
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Die neue Leiterin Anne-Cécile Gross fordert und fördert das Jugendorchester auf sehr mitreissende Art. sv

Die neue Leiterin Anne-Cécile Gross fordert und fördert das Jugendorchester auf sehr mitreissende Art. sv

Raue Rhythmen, melancholische Passagen und mitreissende Melodien: Das Konzertprogramm des Jugendorchesters Freiamt war anspruchsvoll. Dank viel Liebe zur Musik gelang die Darbietung vorzüglich.

Für die diesjährige Herbst-Konzertreihe des Jugendorchesters Freiamt hatte die Leiterin Anne-Cécile Gross sich am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker orientiert, allerdings hatte sie eine persönliche Variante gewählt.

«Mir ist wichtig, eine Kombination für das Konzertprogramm zu finden, das die Mitglieder des Jugendorchesters zwar fordert, das aber alle zu bewältigen vermögen», erläuterte sie.

Keine einfache Aufgabenstellung, ist doch die Bandbreite des Könnens der Jungmusiker allein schon altersbedingt sehr unterschiedlich, zudem haben sie verschiedene Lehrpersonen, die sie musikalisch fördern.

Aber Gross hat ein Rezept: Sie wählt Stücke, die ihren Musikantinnen und Musikanten Spass bereiten, so auch für die Aufführungen vom letzten Wochenende. Dreimal trug das Jugendorchester Freiamt sein Konzert vor: in Sins, Widen und Boswil.

Riesige Spielfreude

Um es vorwegzunehmen: Dem Jugendorchester Freiamt gelang eine abgerundete, in sich stimmige und begeisternde Darbietung. Was Profimusiker den Freiämtern in Sachen Technik und Praxis voraushaben, machten die Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren mit ihrer Begeisterung für die Musik und einer riesigen Spielfreude wett.

Man merkte es, dass das Ensemble zusammenhält, eine Einheit bildet. Das zeigte sich etwa daran, dass sich niemand davon beeindrucken liess, dass einer Geigerin beim Einstimmen der Instrumente eine Saite riss. Vielmehr wurde dem Mädchen sogleich geholfen.

Nicht aus der Ruhe bringen liess sich das Jugendorchester auch durch den Umstand, dass die Solistin Viviane Chassot krankheitsbedingt dem Konzert in Sins fernbleiben musste.

«Wir spielen eben mega gerne zusammen», formulieren es die beiden Konzertmeister Nadine und Patrick Ackermann. Und Ralf Birrer, Stimmführer Cello, lobt die Zusammenarbeit mit der «super Dirigentin».

Tanja Hasse, Stimmführerin zweite Geige, meint zudem, es sei wunderbar, mit anderen Jugendlichen zusammenspielen zu können, die alle wie sie die Musik lieben.

Rau oder mitreissend

Zwei Extreme umspannten das Konzertprogramm. Mit zehn leichten Stücken für Streichorchester von Béla Bartók begann die Darbietung mit rauen, farbigen und teilweise melancholischen Melodien.

Dann wäre eigentlich die Reihe an Haydn gewesen. Gross hatte für das Konzert für Cembalo und Fortepiano eine selten gespielte Variante mit einem Akkordeon gewählt, allerdings musste dieser Teil wegen der Erkrankung der Solistin weggelassen werden.

So ging es gleich weiter mit dem Kaiser Walzer op. 437 von Johann Strauss II. Ein Highlight war die Pizzicato-Polka von Johann Srauss II. und Joseph Strauss, bei der das Streichorchester die Bogen weglegte und die Saiten mit den Fingern der rechten Hand zupfte. Der Applaus am Schluss des Stückes war wohlverdient.

Nach «An der schönen, blauen Donau op. 314» von Johann Strauss II. beendete das Jugendorchester Freiamt sein Konzert wie die Wiener Philharmoniker mit dem «Radetzkymarsch op. 228» von Johann Strauss I. Und wie in Wien klatschte das Publikum nach Anweisung der Dirigentin teilweise den Takt.

«Eine tolle Gelegenheit»

Gross war nach dem Konzert voll des Lobes über ihre Schützlinge. «Weil alle mit so viel Liebe zur Musik bei der Sache sind, ist es eine grossartige Gelegenheit für eine Dirigentin, mit ihnen zu arbeiten», hielt sie begeistert fest.

Sehr angetan vom Konzert war auch Michael Schneider, Geschäftsführer des Künstlerhauses Boswil, der in Sins im Publikum sass. Er verriet, dass das Jugendorchester Freiamt eines seiner liebsten Projekte ist.

In der Tat ist das Jugendorchester Freiamt das zentrale regionale Musikprojekt des Künstlerhauses Boswil. Geprobt wird einmal wöchentlich, zweimal jährlich gibt es eine Konzertreihe.

Seit diesem Jahr ist Gross, die schon die Berliner Sinfonietta, die Staatsphilharmonie Plovdiv, das CMU Philharmonische Orchester und das Orchester der Musikakademie Sofia in einem vom Radio ausgestrahlten Konzert dirigierte, die neue Leiterin.

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