Niederwil

Reusspark und Recyclingpark verbindet jetzt eine Fernwärmeleitung

Die Abwärme der Biogas-Stromgeneratoren wird über eine Fernwärmeleitung dem Reusspark zugeführt. Werner Humbel von der Recycling Energie AG präsentiert das Kühlsystem im Motorenraum.ROB

Die Abwärme der Biogas-Stromgeneratoren wird über eine Fernwärmeleitung dem Reusspark zugeführt. Werner Humbel von der Recycling Energie AG präsentiert das Kühlsystem im Motorenraum.ROB

Zwischen Recyclinganlage und Reusspark wurde eine 2,5 km lange Leitung gelegt. Ab dem 25.Juni wird die Abwärme der Biogas-Generatoren ins Gnadenthal transportiert und versorgt dort das Pflegezentrum mit Heizenergie.

Das Pflegezentrum Reusspark und die Biogasanlage des Recyclingparks sind seit wenigen Tagen durch eine Fernwärmeleitung verbunden.

Dank dem raffinierten Projekt, das aus Sicht der beiden Institutionen eine Optimallösung darstellt, liefert der Recyclingpark dem Reusspark in Zukunft jährlich zirka drei Millionen Kilowattstunden Energie. Die Vertragslaufzeit beträgt 20 Jahre.

Die Fernwärmeleitung war vor allem für den Recyclingpark eine Grossinvestition. «Wir haben rund eine Million in dieses Projekt investiert», sagt Inhaber Werner Humbel. Doch er lässt durchblicken, dass sich die Investition für ihn lohnt, trotz «sehr interessanter Lieferkonditionen für den Reusspark».

Kühlen, Heizen, Kühlen, Heizen

Seit kurzem sind die Fernwärmeleitungen unter der Tägerigerstrasse fertig verlegt, am 25. Juni werden sie in Betrieb genommen. Die Distanz zwischen der Biogasanlage des Recyclingparks und dem Pflegezentrum beträgt 1,2 Kilometer.

Insgesamt mussten 2,5 Kilometer Leitungsrohre verlegt werden. Allein die Isolation der Rohre beträgt mehr als die Hälfte ihres Durchmessers. Ansonsten ginge beim langen Transport zu viel Wärmeenergie verloren.

Die Details: Kühlflüssigkeit der Fernwärmeleitung verlässt Nesselnbach bei 90 ° Celsius und erreicht den Reusspark bei zirka 87 °. Nach dem Wärmetausch mit der Reussparkheizung kehrt die jetzt 67-grädige Flüssigkeit nach einer Stunde zurück und kann wiederum die Motoren kühlen.

Ein zweites teures Element stellen die Wärmetauscher dar, die den Übergang zwischen den Systemen Biogasanlage, Fernwärmeleitung und Reussparkheizung sicherstellen.

Ein grosser Holzkunde weniger

Während die Holzschnitzelheizung im Reusspark bereits abgeschaltet ist, wird auch die interne Ölheizung ausser Betrieb gesetzt, sobald der Energieaustausch mittels Fernwärme anläuft.

Im Anschluss wird die Holzschnitzelheizung komplett ausgebaut, die Ölheizung bleibt für Notfälle bestehen und springt automatisch an, falls mit der Energielieferung aus Nesselnbach etwas schief laufen sollte.

Der Forstbetrieb Reusstal verliert damit einen der besten Kunden. Jährlich hatte der Reusspark bis Ende 2012 bis zu 3300 Kubikmeter Holz bei der Forstbewirtschaftungsgemeinschaft bezogen.

«Wir haben diesen Vertrag sehr schweren Herzens gekündigt», sagt Thomas Peterhans, Direktor des Reussparks, «aber es war auf jeden Fall vernünftig, auf Fernwärme zu wechseln.»

Zusammenarbeit leuchtet ein

Peterhans spricht damit die finanzielle Realität an: Laut eigenen Angaben hätte die Holzschnitzelheizung des Reussparks mit einem Elektrofilter ergänzt werden müssen, um der Luftschutzverordnung weiterhin zu genügen.

Dies hätte nur mit einem grösseren Umbau der Anlage bewerkstelligt werden können, was Kosten in der Höhe von 800 000 Franken nach sich gezogen hätte. Andernfalls hätte Peterhans gerne weiterhin auf Holzschnitzel gesetzt, war er doch als Gemeinderat massgeblich an der Anschaffung der Heizung beteiligt.

Am anderen Ende der Tägerigerstrasse hat Werner Humbel fieberhaft nach einem Verwendungszweck für die Abwärme seiner Biogas-Generatoren gesucht, einer Zusammenarbeit der Institutionen stand somit nichts mehr im Wege.

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