Bremgarten

Rüge vom Bezirksgerichtspräsident an Kriminelle: «Wir gehen davon aus, dass Sie uns alle angelogen haben»

Bezirksgericht Bremgarten

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Der Bremgarter Bezirksgerichtspräsident Lukas Trost las zwei albanischen Kriminaltouristen die Leviten.

«Die Art und Weise, wie Sie Menschen physisch und psychisch geschädigt haben, ist das Hinterletzte. Und Ihr Auftritt vor Gericht war eine einzige Enttäuschung. Wir gehen davon aus, dass Sie Polizei, Staatsanwaltschaft und auch uns angelogen haben.» – Bezirksgerichtspräsident Lukas Trost sprach in der Urteilsbegründung in Bremgarten Klartext. Wie viel, respektive wie wenig, er von den beiden angeklagten albanischen Kriminaltouristen hielt, war ihm zuvor schon in der Verhandlung gut anzumerken gewesen.

Erwischt hat die Aargauer Kantonspolizei die 31- und 32-jährigen Männer am 31. Januar 2020 in Oberentfelden, nachdem zuvor ein Einbruch in Suhr gemeldet worden war. Auf seiner Flucht trug das Duo Latexhandschuhe und hatte Socken über die Schuhe gestreift. Für die Polizei ein klares Indiz, dass sie zwei Einbrecher gefasst hatte. Obwohl die beiden auch noch vor Gericht beteuerten, sie hätten beides wegen der Kälte getragen.

Schliesslich gaben sie dann doch zu, in Suhr zwei Einbrüche verübt zu haben. Wohl kaum aus Einsicht und Reue, sondern deshalb, weil wegen dem bei ihnen gefundenen Diebesgut Ausflüchte zwecklos gewesen wären. Im Laufe der weiteren Ermittlungen gab das Duo schliesslich zwei weitere Einbrüche zu, die es zeitnah in unmittelbarer Nähe der beiden ersten Tatorte in Suhr verübt hatte.

Zwei Einbrüche in Dottikon vehement bestritten

Hartnäckig bestritten der 31- und der 32-Jährige hingegen, bereits am Vorabend in Dottikon in zwei Häuser eingestiegen zu sein. Das, obwohl dort einerseits die Abdrücke von Schuhen gefunden wurden, die einer der beiden Albaner bei seiner Festnahme in Oberentfelden trug, und sie zweitens eine solche Bauchtasche bei sich hatten, wie sie damals im Freiamt abhandengekommen ist.

Beim Schuhabdruck und der Bauchtasche setzten schliesslich auch die beiden Verteidiger an. Die Beweislage für die Einbrüche in Dottikon sei zu dünn, um ihren Klienten angelastet zu werden, erklärten die Anwälte unisono. Zudem stellten sie die Bandenmässigkeit der Taten in Frage, was eine Strafmilderung zur Folge gehabt hätte. Wenn das Bezirksgericht ihren Anträgen gefolgt wäre.

Das tat es nicht. In den Dottiker Fällen musste das Freiämter Richtergremium aber knurrend nachgeben: «Wir sprechen Sie bezüglich dieser beiden Einbrüche frei. Aber nicht, weil wir davon überzeugt sind, dass Sie sie nicht begangen haben. Sondern, weil wir Sie streng nach der geltenden Strafprozessordnung nicht verurteilen können», erklärte Gerichtspräsident Trost. 30 Monate Gefängnis unbedingt und 10 Jahre Landesverweis für den vorbestraften 32-jährigen Täter sowie 18 Monate bedingt und 7 Jahre Landesverweis für den jüngeren des Duos, der erstmals bei einer Straftat erwischt worden ist, lautete schliesslich das Verdikt des Bremgarter Bezirksgerichts. Lukas Trost drohte den Kriminellen abschliessend: «Sollten wir Sie noch einmal erwischen, dann werden Ihnen die dann verhängten Strafen richtig wehtun.»

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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