Wohlen

Schmuck am «Schlössli»: Güldene Lettern als Hinweis auf die Vergangenheit

Yves Luchsinger vergoldet den Schriftzug «Schlössli» in Handarbeit. Andrea Weibel

Yves Luchsinger vergoldet den Schriftzug «Schlössli» in Handarbeit. Andrea Weibel

Passend zu seinen adligen Erbauern erhält das «Schlössli» ein neu gestaltetes Wappen und einen vergoldeten Schriftzug.

Es gab sie wirklich, die Edlen, die Ritter oder schlicht die Herren von Wolen. Zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert sind sie bezeugt. Der Berühmteste unter ihnen war Wernher II. (1290– 1348), der von den Habsburgern höchstselbst den Ritterschlag erhalten hat. Er blieb aber nicht in Wohlen, sondern war Schultheiss von Brugg und später Vogt des Amtes Baden.

Als dann die Habsburger gen Österreich abwanderten, übernahm er gar deren Stammsitz, die Habsburg. Das Schlössli, sein eigenes Stammhaus, wurde höchstwahrscheinlich an die Familie des Siegrists verpachtet. Es ist zwar bei weitem nicht so berühmt wie die schmucke Burg auf dem Wülpelsberg.

Doch schmuck ist heute auch das Wohler Schlössli wieder, das älteste Steinhaus der Gemeinde und eben Stammhaus der Herren von Wolen (siehe Artikel oben).

Es handelt sich zwar nur um ein niederes Adelsgeschlecht, sogenannten Dienstadel, der für die Habsburger das Gebiet verwaltete. Aber Adel bleibt Adel, und das darf man auch zeigen, sagten sich die Verantwortlichen des Vereins Schlössli Wohlen.

Wappen und goldene Schrift

Gestern Montag wurden die neun Lettern, die schon Ende Woche das Schlössli schmücken sollen, mit echtem Blattgold vergoldet. Vorgenommen hat dies der Werbetechniker und ausgebildete Schriftenmaler Yves Luchsinger vom Wohler Schriftenatelier Wagner.

Frühmorgens hat er die Buchstaben mit einem speziellen Öl grundiert, um rund drei Stunden später das Gold aufzutragen. Er musste genau in der Zeit sein, denn «legt man das Gold zu früh auf das Öl, verschmiert es, und zu spät haftet es nicht mehr».

Das verwendete Blattgold ist so hauchdünn, dass für alle Buchstaben zusammen lediglich etwa ein Gramm Gold benötigt wird. «Es ist nur etwa ein 4500stel Millimeter dick», bestätigt Luchsinger.

Dennoch soll die Vergoldung, wenn sie nicht mechanisch beschädigt wird, quasi ewig halten, und das, obwohl sie an der Wetterseite des Schlössli angebracht wird. Die Schriftart heisst übrigens «Avenir» und symbolisiert die Zukunft, die das Schlössli dank der Sanierung nun vor sich hat.

Neues altes Wappenschild

Doch natürlich soll auch auf die Vergangenheit hingewiesen werden. So erhält das Schlössli zudem das Wappen der Herren von Wolen. Schlössli-Präsident und Historiker Fabian Furter erklärt: «Wir haben das Familienwappen aus verschiedenen alten Quellen leicht modifiziert.»

Beim Wappen, aus dem auch das Wohler Gemeindewappen entstanden sei, handle es sich um eine reine Schildteilung ohne symbolische Bedeutung. Die Schrift samt Vergoldung, das Wappen und die Montage haben rund 5000 Franken gekostet.

Auf zwei Bannern unter dem neuen Wappen stehen die Jahreszahlen 1546 und 2018. «1546 wurde das Schlössli in seiner heutigen Aussenform erbaut.»

Und 2018 wurde ihm ein neues Leben geschenkt, denn ohne das Wirken des Schlösslivereins wäre das alte Gemäuer unterdessen eingestürzt oder zumindest nach wie vor unbewohnbar.

Meistgesehen

Artboard 1