Villmergen

Schnitzelbänke: Seit 40 Jahren sorgt die «Chrähe» an der Fasnacht für Lacher

André Keusch blickt mit seinem Kostüm in der Hand auf 40 Jahre als Schnitzelbänkler «Chrähe» zurück.

André Keusch blickt mit seinem Kostüm in der Hand auf 40 Jahre als Schnitzelbänkler «Chrähe» zurück.

André Keusch, auch bekannt als «Chrähe», bringt mit seinen pointierten Versen in der Fasnachtszeit nicht nur die Villmerger zum Lachen.

Er ist ein Fastnächtler durch und durch. Verschmitzt lachend blättert André Keusch in einem Ordner mit vielen Versen und einigen Fotos. Hier und da hält er inne, zitiert einen Spruch wie:

«Dolly heisst das kloonte Schof,
wo vo Amerika her tued iiwandere,
s gohd nömm lang gliicht au bi eus,
ei Schofseckel im andere!»

Der Schnitzelbänkler schmunzelt. «Das geklonte Schaf war 1998 ein Thema», erinnert er sich. Keusch, der während der Fasnacht als «Chrähe» das allgemeine Geschehen in Villmergen und der Welt kommentiert, kann auf viele Jahre Schnitzelbank zurückblicken.

1977 sei er als «De Spinner» aufgetreten. «Passend dazu mit Spinnen auf dem Anzug.» Danach sei er, bis auf die zwei Jahre beim Militär, jedes Jahr mit seinen Versli aufgetreten. Nicht nur als «De Spinner», es folgten «Wohrsäger» und «Rysnagel».

André Keusch führt aus: «Die ‹Chrähe› gibt es seit 1983. Wieso es genau eine Krähe wurde, das weiss ich gar nicht mehr. Aber die Krähen gelten ja als sehr gescheite Vögel.» Seitdem ist er jedenfalls mit gelber Federmaske und schwarzem Gewand unterwegs.

Alles begann im Altersheim – und kehrt dorthin zurück

Demnächst wird «Chrähe» seine 40 Jahre als Schnitzelbänkler Revue passieren lassen. «Das wird am 13. Februar, also eine Woche vor dem Schmutzigen Donnerstag sein», teilt er mit, «im Seniorenzentrum Obere Mühle in Villmergen um 19.30 Uhr.»

Dabei gebe es einen interessanten Zufall. «Es ist natürlich amüsant, dass ich mit einem Bezug zu einem Altersheim gestartet bin und nun, nach 40 Jahren, wieder in einem auftrete. Obwohl es heute ja Seniorenzentrum heisst», lacht Keusch.

Dieser erste Vers aus dem Jahr 1977 ist in Keuschs Ordner unter der Überschrift «So fing alles an» dokumentiert. Es gehe dabei um die Bahn zwischen Wohlen und Meisterschwanden (WM), deren Stilllegung damals diskutiert wurde:

«WM adee s isch ned zum Lache,
Wa sellid dä d’ Kondiktöre mache?
Die chönntid doch statt Löchli drücke,
is Altersheim go Weggli bache!»

Seit der Kindheit ein begeisterter Fasnächtler

Für die Fasnacht konnte sich André Keusch schon als Kind begeistern. «Ich bin in Hilfikon aufgewachsen. Dort gab es den Brauch, am Schmutzigen Donnerstag verkleidet von Haus zu Haus zu gehen und Gedichte aufzusagen.»

Besonders gut in Erinnerung sei ihm das Gasthaus Elefant geblieben: «Dort gab es immer gratis Sirup. Das war toll.» Ausserdem habe er mit einem Tonband-Gerät die Schnitzelbänke der Basler Fasnacht aufgenommen. Irgendwann habe er dann selbst angefangen, Verse zu schmieden, bis er dann erstmals als «De Spinner» auftrat.

Auf die Frage, ob und wie sich in den 40 Jahren die Fasnacht verändert habe, antwortet er: «Es gibt mittlerweile viel weniger Beizen, das ist schwierig in der Fasnacht.» Gut sei, dass es in Villmergen die Jahrgänger und die Heid-Heid gebe. «Die machen einen guten Job», betont der Villmerger.

«Bis heute ist es so: Sobald Neujahr vorbei ist, beginne ich, Themen zu sammeln», berichtet Keusch. Da er in Villmergen, Wohlen und Sarmenstorf auftrete, müsse er sein Programm jeweils je nach Dorf etwas anpassen.

«Die Leute müssen schon wissen, worum es geht. Aktuell sollten die Themen auch sein, manchmal lohnt es sich, während des Jahres einige Notizen zu machen.» Verse über Trump gingen immer gut, sein Besuch beim Weltwirtschaftsforum gebe sicher wieder etwas her. «Ansonsten sind Sprüche über Beamte und Behörden sehr beliebt», stellt der Schnitzelbänkler fest. Da wäre beispielsweise das Versli:

«Wenns ned schlofid spielids Beamtenmikado: wer sich bewegt, hed verlore!»

Bei aller Lustigkeit, ein Anliegen hat André Keusch allerdings auch: «Ganz wichtig ist, es darf niemand persönlich beleidigt werden.» Deswegen seien Scherze über einzelne Personen oft schwierig. «Meine Frau sagt hin und wieder: ‹Das kannst du aber nicht bringen›», schmunzelt Keusch.

Fasnacht, Bilder, Naturschutz und Enkel

Natürlich hat André Keusch noch weitere Interessen neben der Fasnacht. Der pensionierte Primarlehrer malt leidenschaftlich gern Acryl-Bilder, besonders Tiere. «Im Sommer werden einige Bilder im Café Maier in Aarau ausgestellt.» Dazu engagiert er sich im Naturschutzverein.

«Und eine grosse Freude sind unsere drei Enkelkinder», erzählt er stolz. Demnächst gehe es zusammen in die Ferien. Danach stehe schon die Fasnacht im Kalender. «In diesem Jahr habe ich mir etwas Besonderes überlegt, sozusagen eine Überraschung. Aber mehr verrate ich nicht», sagt die «Chrähe» und lächelt wieder verschmitzt.

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