Wohlen
Schöftländer spielt mit in preisgekröntem Dok-Film über psychisch Kranke

Mit dem Film «Gleich und Anders» geben Betroffene Einblick in die Welt von psychisch Kranken. Am 30. April dürfen ihnen im Kino Rex Fragen dazu gestellt werden.

Rahel Plüss und Andrea Weibel
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Hans Schmied: «Wenn ich draussen unterwegs war, hatte ich das Gefühl, es stehe ‹depressiv› auf meiner Stirn.» Rahel Plüss

Hans Schmied: «Wenn ich draussen unterwegs war, hatte ich das Gefühl, es stehe ‹depressiv› auf meiner Stirn.» Rahel Plüss

Rahel Plüss

Im preisgekrönten Dokumentarfilm «Gleich und anders – wenn die Psyche uns fordert» von Jürg Neuenschwander spielt Hans Schmied aus Schöftland sich selber. Er ist einer von elf Betroffenen mit psychischen Krankheiten, die nicht mehr abgestempelt werden wollen, sondern anderen helfen möchten. Hans Schmied hat den Verein «Gleich und anders Schweiz» gegründet, der zum Ziel hat, Neuenschwanders Film in der Schweiz zu zeigen und dem Publikum Gelegenheit zu geben, sich mit den Protagonisten auszutauschen. So auch im Kino Rex in Wohlen.

Es kann jeden treffen

Mit seiner Frau führte Schmied zehn Jahre lang ein Hotel. Er war Gastgeber mit Leib und Seele. Auch in der Gemeinde war er aktiv, für die FDP sass er neun Jahre lang im Einwohnerrat. Im Militär hatte er einen Führungsposten mit 120 Leuten unter sich. Das war vor dem 1. Juli 2003, der sein Leben auf den Kopf stellte.

Hans Schmied (57) will reden. Nicht über den Unfall. Das fällt ihm auch nach 14 Jahren noch schwer. Sondern über die Folgen: Eine Erkrankung, die einem keiner ansieht, die das Leben aber dennoch massiv beeinträchtigt. «Posttraumatische Belastungsstörung» nennt es die Wissenschaft. Betroffene werden häufig abgestempelt, gar als Nichtsnutze abgetan. Dabei kann es jedem passieren. Jede Minute. Unverhofft. Schmied hatte einen Autounfall in einem Tunnel. Zwei Schläge in den Nacken. Das ist das, was er unmittelbar spürte.

Eine Klinik-Odyssee

Schleudertrauma. Das die nüchterne Diagnose im Spital. Erst später wurde klar, dass ihm viel mehr fehlte. Es folgten Panikattacken, Depressionen. Hans Schmied zog sich immer mehr zurück. Sein Leben fand zwischen Bett, wo er sich die Decke über den Kopf zog, und Wohnzimmer statt. Elf Psychiatrieaufenthalte folgten. Bis zu jener Behandlung: Er bekam einen «Peer», einen Psychiatriemitarbeiter, der selber ähnliches erlebt hat. «Ich konnte mit jemandem psychisch auf Augenhöhe reden.» Schmied fühlte sich verstanden. Er beschloss, selber «Peer» zu werden.

Seither gehts aufwärts. In seinem Leben aber ist nichts mehr, wie es war. Wieder normal zu arbeiten: unvorstellbar. Das Hotel haben die Schmieds verkauft. Der Unfall hat das Leben der ganzen Familie verändert, auch das ihres damals 9-jährigen Sohnes. «Zum Glück hatte er einen aufmerksamen Lehrer.» Der habe die feinen Verhaltensänderungen bemerkt und eine Therapie angeregt. «Die Kinder leiden mit, das geht oft vergessen.» Auch darauf will Schmied aufmerksam machen.

Film «Gleich und anders – wenn die Psyche uns fordert», Sonntag, 30. April, 11 Uhr, Kino Rex, Wohlen. Eintritt frei. Anschliessend Dialog mit Protagonisten.

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