Fischbach-Göslikon

Schule verschickt Elternbrief ohne Polizei zu informieren

Ein Elternbrief sorgt für Aufregung (Symbolbild)

Ein Elternbrief sorgt für Aufregung (Symbolbild)

Eine Elterninformation der Schule Niederwil mit Hinweis auf einen unbekannten Mann, der Kinder anspricht, macht die Runde. Doch die Polizei wusste nichts von diesem Brief, bekannt war ein Vorfall in Fischbach-Göslikon.

Ein Brief an die Eltern von Schülern und Schülerinnen der Schule Niederwil machte letzte Woche die Runde. Darin ist die Rede, dass in der Region Niederwil, Fischbach-Göslikon und Bremgarten «in letzter Zeit» Kinder von einem unbekannten Mann angesprochen worden seien. Und «die Polizei hat Kenntnis von diesen Vorfällen und nimmt die Angelegenheit ernst.» Zudem gibt die Schulleitung Tipps ab wie: Den Schulweg immer in Gruppen gehen, zu niemandem ins Auto steigen und keine Geschenke von Fremden annehmen.

Doch: «Die Regionalpolizei Bremgarten hatte keine Kenntnisse von dessen Versand», sagt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Als man vom Brief erfahren habe, habe man sofort mit der Schulleitung von Niederwil Kontakt aufgenommen. «Solche Briefe sind oft gut gemeint, doch man muss aufpassen, dass nicht unnötig Angst geschürt wird», sagt er weiter.

Kapo weiss von einem Fall

Ein einziger Fall sei der Kapo gemeldet worden. Es geht um einen Vorfall in Fischbach-Göslikon. Ein 7-jähriger Knabe habe in der Mittagszeit auf dem Schulweg von einem unbekannten Mann Süssigkeiten bekommen. Der besagte Mann sei danach zurück zum Auto gegangen und davon gefahren. Es habe aber weder ein Gespräch gegeben noch hat der unbekannte Mann den Knaben zu irgendetwas aufgefordert. Die Polizei hat die Meldung bekommen und eine Patrouille losgeschickt. Diese konnte den Mann jedoch nicht mehr finden. «Solche Fälle müssen sofort der Polizei gemeldet werden, damit auch ein Alarm ausgelöst werden kann», sagt Pfister.

«Pro Jahr werden uns gegen 100 Fälle von sogenanntem ‹verdächtigen Ansprechen› gemeldet», sagt Pfister. Dann werden die Daten zum Fall in einem Formular aufgenommen, dieses wird in einer nationalen Datenbank erfasst. Diese Daten seien auch beim Vorfall in Fischbach-Göslikon aufgenommen worden.

«Oft gibt es bei solchen Briefen Missverständnisse, denn es ist ein sehr sensibles Thema», sagt Roland Pfister. Die Tipps an die Eltern sollen jedoch ernst genommen werden, doch Panik zu verbreiten sei der falsche Ansatz.

Ziel: Kinder aufmerksam machen

«Eine Mutter hat uns über den Vorfall mit dem unbekannten Mann informiert», sagt Doris Müller, Schulleiterin der Schule Fischbach-Göslikon. Der Brief sei eine präventive Massnahme gewesen, die Meldung der Mutter sei ernst genommen worden. «Es war jedoch mein Fehler, dass wir nicht vor dem Versand des Briefes bei der Polizei nachgefragt haben», sagt sie. Künftig werde man zuerst mit der Polizei Kontakt aufnehmen. «„Mit dem Brief wollten wir bezwecken, dass die Kinder wissen, wie sie mit diesem Thema umgehen können. Es ging jedoch nicht darum, Ängste zu schüren», sagt die Schulleiterin weiter. Im Brief steht, man wolle keine Panik aufkommen lassen.

Diesen Aussagen schliesst sich auch der Schulleiter von Niederwil, Georg Merki, an: «Es ging im Brief einzig darum, die Kinder darauf aufmerksam zu machen, vorsichtig zu sein.» Die Schule in Niederwil habe Kenntnis vom Vorfall in Fischbach-Göslikon gehabt. Weil man mit den Schulen in der Nachbarschaft eng zusammen arbeite, habe man sich entschieden, auch in Niederwil den Brief zu verschicken. «Wir haben uns entschieden, den Brief zu verschicken, doch man kann es nie allen Recht machen», sagt er. Man wisse nun aber, dass man zuerst mit der Polizei hätte Kontakt aufnehmen sollen.

Die Schule Bremgarten hatte zwar Kenntnisse vom Elternbrief aus Niederwil und Fischbach-Göslikon, hat den Brief selber jedoch nicht verschickt. «Wir haben die Lehrpersonen auf den Brief aufmerksam gemacht, sie angehalten, auf Schüleräusserungen aufmerksam zu sein und umgehend Meldung zu machen, wenn Äusserungen in dieser Hinsicht gemacht werden. Bis heute haben die Lehrpersonen nichts festgestellt», sagt Schulleiter Guido Wirth. «Nach Rücksprache mit der Repol Bremgarten haben wir auch keinen Brief verschickt, wir wollten Panik vermeiden.»

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