Wohlen
Schüler-Simulation: Spielerisch zu mehr Wirtschaftsverständnis

In der Wirtschaftswoche simulierten Kantischüler einen fünfjährigen Wirtschaftskreislauf. Sie wird an verschiedenen Schulen durchgeführt und ist ein gemeinsames Angebot der Aargauischen Industrie- und Handelskammer und der Ernst-Schmidheiny-Stiftung.

Dominic Kobelt
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Vier Generalversammlungen in anderthalb Stunden, alle Firmen hatten sich auf ein anderes Kundensegment konzentriert. Dominic Kobelt

Vier Generalversammlungen in anderthalb Stunden, alle Firmen hatten sich auf ein anderes Kundensegment konzentriert. Dominic Kobelt

Vier Generalversammlungen in anderthalb Stunden – was nach einer Tortur klingt, gestalte sich an der Kantonsschule Wohlen recht spannend. Die Schüler mussten in der Wirtschaftswoche ein virtuelles Unternehmen führen, Entscheidungen treffen und an der Generalversammlung ihre Strategie vor den Aktionären rechtfertigen.

Je nach dem, ob die Unternehmensleitung mehr Wert auf eine hohe Dividende, auf Ökologie oder auf ein qualitativ hochwertiges Produkt legte, entwickelte sich die Firma anders. Eine hochkomplexe Software rechnete jeweils die neuen Zahlen aus. Für das erste Jahr standen acht Entscheide an, für das fünfte dann 37. Dabei wird auch berücksichtigt, was die Konkurrenz in dieser Zeit gemacht hat.

«Es ist wie in der echten Wirtschaft. Wenn jemand nach dem Effekt von 1000 Franken im Marketing fragt, kann man das nicht pauschal beantworten. Es hängt von vielen Faktoren ab», erklärt Philippe Widmer, Geschäftsführer der Wizol AG in Sarmenstorf. Er ist einer der Fachlehrer, von dem die Schüler profitieren konnten.

Originelle Uhren

Alle Unternehmen produzierten spezielle Uhren. Ob eine Sportuhr mit Pulsmesser und Kilometerzähler oder eine elegante Uhr für den Geschäftsmann von heute, die per Knopfdruck in eine andere Zeitzone umstellt, jede hatte ihre Originalität. Die Schüler standen hinter ihrem Produkt und wussten den Aktionären die Investition schmackhaft zu machen. «Wir mussten in den fünf Jahren keinen einzigen Mitarbeiter entlassen, uns ist soziale Verantwortung wichtig», so die einen. «Wir hatten nie einen Verlust» oder «unser Produktionspersonal ist optimal ausgelastet», unterstrichen andere. Auch ein kurzer Werbefilm durfte bei keiner Unternehmung fehlen.

An der Generalversammlung warfen die Fachlehrer Fragen ein, die die Geschäftsleitungen aber in keiner Weise aus der Fassung bringen konnten. «Ich bin der Vertreter einer Pensionskasse, wir haben viel investiert und wollen Rendite. Wäre es nicht sinnvoller, wenn Sie Ihr Produkt zuerst besser in der Schweiz vermarkten, bevor Sie nach China expandieren?» Zeitweise fühlte man sich wie an einer echten Generalversammlung.

Was die Schüler an Theorie lernten und im Spiel umzusetzen versuchten, durften sie dann auch in der «echten» Wirtschaft miterleben. Bei einer Betriebsbesichtigung der Mammut Sports Group in Seon lernten sie den Betrieb kennen. «Wir sahen zum Beispiel Maschinen verschiedener Generationen und dass es für die neueren weniger Arbeitskräfte braucht, die sie bedienen – das ist im Spiel auch so», erzählt die Schülerin Larissa Brechbühl.

Auch Spass ist wichtig

Die Wirtschaftswoche wird an verschiedenen Schulen durchgeführt. Im Aargau ist sie ein gemeinsames Angebot der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) und der Ernst-Schmidheiny-Stiftung. Es gehe darum, die Begeisterung an der Wirtschaft zu wecken und die Abläufe kennen zu lernen, so Peter Lüscher, Geschäftsleiter der AIHK. «Ich war von den Präsentationen beeindruckt. Die Schüler haben verstanden, wie die Wirtschaft tickt, aber auch ihren Spass gehabt, und das ist unser Ziel.»

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