Besenbüren

Schulpfleger scheitern an falschen Vorstellungen

Schulpflegebesuch in einem Kindergarten in Untersiggenthal.

Schulpflegebesuch in einem Kindergarten in Untersiggenthal.

In der Schulpflege ist ein Sitz frei. Die Ersatzwahl geht in die 2. Runde, aber niemand stellt sich zur Verfügung. Warum will niemand Schulpfleger werden?

Der Aufruf des Gemeinderates an die Bevölkerung von Besenbüren lässt aufhorchen. In den gestern veröffentlichten Gemeindenachrichten steht zu lesen: «Zum ersten Mal seit Jahren stellt sich kein Besenbürer und keine Besenbürerin für ein frei werdendes Amt in der Gemeinde zur Verfügung. Das stellt unser Zusammenleben als unabhängige Gemeinde infrage. Neben finanziellen Aspekten ist die Besetzung der öffentlichen Ämter die grösste Herausforderung und der häufigste Grund, wieso Gemeinden ihre Eigenständigkeit aufgeben müssen. Der Gemeinderat bittet Sie, liebe Besenbürer, sich mit diesem Gedanken auseinanderzusetzen. Wer ist bereit, sich für unsere Gemeinschaft zu engagieren und sich zugunsten unserer Schule zu verpflichten? Nur eine/r muss es sein. Aber nicht immer ist es ein/e andere/r.»

Diesen Aufruf hat Besenbürens Vizeammann, Alex Lötscher, im Namen des Gemeinderates verfasst. «Ich will damit nicht sagen: Hilfe, wir gehen unter! Aber ich will, dass sich die Leute im Dorf Gedanken machen und sich jeder und jede Einzelne überlegt, ob diesmal nicht er oder sie an der Reihe wäre.»

«Ich bin ratlos»

Auf die Demission von Schulpflegerin Caroline Bourgau im Juni, sollte am 23. September für den Rest der Amtsperiode 2018/2021 ein neues Mitglied in die Schulpflege der Kreisschule Bünz gewählt werden. Es kam keine Wahl zustande. Für die zweite Wahl, am 25. November, sind keine Anmeldungen eingegangen. Nun sucht der Gemeinderat von Besenbüren im Auftrag der Schulpflege nach valablen Kandidaten, die sich für die Wahl vom 10. Februar 2019 zur Verfügung stellen.

«Ich bin ratlos», sagt Schulpflegepräsident Thomas Furrer, befragt nach den möglichen Gründen für das offensichtliche Desinteresse an diesem Amt. «Bisher hatten wir nie Probleme. Wir haben sonst immer im Gremium beraten, wen wir in diesem Amt sähen und sind dann persönlich vorbeigegangen, um die Kandidaten für die Aufgabe zu gewinnen.» Diesmal kassierte die Schulpflege aber nur Absagen. Darum wandte sie sich an den Gemeinderat, der den eingangs zitierten Text amtlich publizierte.

Schon wieder zwölf weg

Die schwierige Suche nach Schulpflegern und die hohe Personalfluktuation in diesen Ämtern ist auch ausserhalb Besenbürens bekannt. Die AZ berichtete im März 2015 schon einmal über dieses Phänomen. Allein im Freiamt demissionierte jeder sechste Schulpfleger noch vor Ablauf der laufenden Amtsperiode. Die Lage hat sich seither nicht verbessert. Seit dem 1. Januar sind im Kanton bereits wieder 51 Schulpfleger zurückgetreten. Im Freiamt zwölf.

Victor Brun, Leiter der Sektion Organisation bei der Abteilung Volksschule im Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau, vermutet: «Es liegt wohl am Auseinanderklaffen von Vorstellungen und Realität. Oft lassen sich Leute in die Schulpflege wählen, die noch Kinder in der Schule haben und sie auf diese Weise begleiten wollen. Wenn sie dann merken, wie Komplex die Aufgaben in diesem Amt sind, dann wird ihnen ihre Überforderung bewusst.»

Erfahrung in strategischer Führung und Finanzen

Die zeitliche Belastung für einen Schulpfleger sei nicht zu unterschätzen. Ausserdem brauche es in diesem Amt auch Erfahrung in den Bereichen strategische Führung und Finanzen. «Gerade in kleineren Gemeinden ist es schwierig, Leute zu finden, die allen Anforderungen gerecht werden.» Deshalb ist Brun ein grosser Befürworter der Vorlage «Führungsstrukturen der Aargauer Volksschule», die aktuell in der Vernehmlassung ist. Ziel der Vorlage ist es, die Steuerung der Volksschule zu vereinfachen, die Aufgabenteilung zwischen den verschiedenen Gremien zu klären sowie die Schulleitungspensen anzupassen.

Gegen diese Vorlage kämpft vehement Franco Corsiglia, selbst Schulleiter, Präsident der Schulpflege Wohlen und der Vereinigung aargauischer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten. Er bestätigt zwar die hohen Anforderungen an das Amt, sieht darin aber keinen Hinderungsgrund: «Jeder kann sich zur Verfügung stellen.»

Zudem sei die Schulpflege vom Volk gewählt, der Auftrag in der Verfassung verankert. «Die Fluktuationen sind gemeindeabhängig», sagt Corsiglia. «Es ist nicht schwieriger, Schulpfleger zu finden als andere Leute in unserem Milizsystem.» Viele politische Laufbahnen hätten mit diesem Amt erst begonnen.

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