Bremgarten
Sechste Eigeninszenierung im Kellertheater mit vier jungen Schauspielern

Das Bremgarter Kellertheater präsentiert seine neueste Eigeninszenierung: Bei «Vrenelis Gärtli» von Tim Krohn geht es um Sagenfiguren und Bergmythen. Aber es geht auch um Aktuelles.

Susanna Vanek
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Jungschauspielerin Fabiana Koller (links) spielt die Hauptrolle in «Vrenelis Gärtli». Dominique Schmitz/ZVG

Jungschauspielerin Fabiana Koller (links) spielt die Hauptrolle in «Vrenelis Gärtli». Dominique Schmitz/ZVG

«Vrenelis Gärtli» heisst der neueste Wurf des Kellertheaters Bremgarten. Es ist bereits die sechste Eigeninszenierung des Kellertheaters, die vom viel beachteten Regisseur Klaus Henner Russius geleitet wird. Das Stück, das auf dem preisgekrönten Roman von Tim Krohn basiert, entführt das Publikum in eine Geschichte voller Sagenfiguren und Bergmythen und weist doch auch viele aktuellen Themen auf. Am Samstag, 2. März, wird die Premiere gefeiert.

Sagen und moderne Themen

Der Name «Vrenelis Gärtli» ist Programm: Vielen ist der 2900 Meter hohe Berg Vrenelisgärtli ob Schwanden in den Glarner Alpen mit seinem hell leuchtenden Schneefeld ein Begriff, und auch die Sage der hochmütigen Jungfer ist bekannt. In seinem Roman «Vrenelis Gärtli» spielt der Autor Tim Krohn mit schweizerischen und insbesondere Glarner Alpensagen, setzt sie in der Geschichte indes neu zusammen.

Das Vreneli von Krohn, das in einem abgeschiedenen Glarner Tal zur Welt kommt, ist nicht wie andere Kinder, kaum auf der Welt stemmt es sich auf alle viere und sucht das Weite. Die Menschen in diesem von Hexen und Zauberern bevölkerten Tal sehnen sich nach Ordnung und kommen sich doch immer wieder selbst in die Quere. So ergeht es auch dem Vreneli, das ruhelos umher jagt und sich doch nur wünscht, dass das Leben ein hübsches Ganzes ergebe.

Der 2007 erschienene Roman fand schnell internationale Beachtung. Anita Augustin und Jonas Knecht schufen aus dem Romanstoff eine Theaterfassung, die 2010 in Chur und Berlin aufgeführt wurde.

Magie und Glaubwürdigkeit

Die Programmverantwortlichen des Kellertheaters Bremgarten haben für die aktuelle Eigeninszenierung also ein sehr modernes Theaterstück gewählt. Es ist zwar in einer scheinbar vergangenen Welt der Märchen und Sagen angesiedelt, ist dabei aber gleichzeitig ganz real, sehr plastisch, politisch und vollkommen modern. Genau das ist es, was den Regisseur der Eigeninszenierung, Klaus Henner Russius, fasziniert. Dem Autor und den Dramaturgen der Theaterfassung sei es gelungen, das scheinbar Ferne und Fremde, Pop und moderne Malerei, Gott und Tod fassbar zu machen, Mythos und Realität so zu verwischen, dass absolute Glaubwürdigkeit entstehe, schwärmt er.

Er, der im Umfeld des Zürcher «Sogar Theaters» viel beachtete Regiearbeiten schuf, näherte sich diesem vielschichtigen Stoff sehr behutsam an, liess das Ensemble das Stück vorlesen, hörte zu, bis die Inhalte klar vor ihm standen. Wichtig ist ihm, der Fantasie des Publikums Bilder zu vermitteln. Dies gelingt ihm einerseits mithilfe der Sprache. Krohn schuf für seinen Roman eine Kunstsprache aus Schriftdeutsch und Dialekt. Russius setzt bei seiner Inszenierung auf die Macht dieser sehr suggestiven und musikalischen Ausdrucksweise. Stellt das für die Schauspielerinnen und Schauspieler des Kellertheaters, die ihre Stücke sonst in Dialekt aufführen, nicht eine grosse Herausforderung dar? «Sie haben sie bravourös bewältigt», lacht Russius. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Musik, die Hans Gläser und Willy Müller während der Proben entwickelten. «Es handelt sich um eine Art Geräuschkulisse, die Räume öffnet, Orte, Zeiten und Empfindungen assoziiert, akzentuiert und präzisiert – einfach toll», ist der Regisseur begeistert.

Vier junge Talente

Nicht einfach präsentierte sich die Rollenbesetzung, denn sie verlangte nach vier jungen Schauspielern und Schauspielerinnen in wichtigen Rollen, die eine intensive Probearbeit voraussetzten. Fabiana Koller war bereit, die Hauptrolle, die des Vrenelis, zu übernehmen. Sie sammelte in der Eigeninszenierung «Infiziert» des Jugendtheaters Bremgarten Theatererfahrungen und machte ein Theaterstück zum Thema ihrer Maturarbeit. Barbara Schmid, Martin Enzler und Fabienne Meier waren beim Hilfiker Freilichttheater des letzten Sommers mit von der Partie und spielen jetzt in der Eigeninszenierung des Kellertheaters Bremgarten mit. Ihnen zur Seite stehen erfahrene Ensemblemitglieder wie Erich Borner, Mireille Brack, Nik Meyer, Daniel Betschart, Franky Weber, Susi Russenberger und Dieter Schmitz. Das Bühnenbild stammt wie gewohnt von Pe Spalinger.

Intensive Probearbeit

Am kommenden Wochenende steht dem Ensemble ein intensives Probeweekend bevor. Weil die Hauptdarstellerin Fabiana Koller an Scharlach erkrankte, konnte in den letzten Tagen nicht geprobt werden, das soll nachgeholt werden. Russius lobt: «Das Team hat ausgezeichnet gearbeitet, es ist trotz der krankheitsbedingten Probeausfälle schon bereit für die Aufführungen.» Die Premiere findet am 2. März um 20.15 Uhr im Kellertheater statt.

Weitere Vorstellungen: vom 8. März bis 20. April jeweils Freitag/Samstag, 20.15 Uhr. Vorverkauf: Cartouche & Emma, Marktgasse 25, 5620 Bremgarten (056 633 44 22), Online-Reservation und Infos: www.kellertheater-bremgarten.ch

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