Islisberg

Seine Ziele: Noch eine Schraube, die WM und Olympia 2022

Nicolas’ Bruder Gianluca ist zu seiner Unterstützung extra nach Pyeongchang gereist. Mit seinen Eltern feuerte er Nicolas vom Schanzenrand aus an.

Nicolas’ Bruder Gianluca ist zu seiner Unterstützung extra nach Pyeongchang gereist. Mit seinen Eltern feuerte er Nicolas vom Schanzenrand aus an.

Seinen Traum vom Finaleinzug hat der 22-jährige Nicolas Gygax aus Islisberg nicht erreicht, an sein erstes Mal Olympia erinnert sich der Freiämter trotzdem gerne

Morgen sind die Olympischen Winterspiele offiziell vorbei. Höchste Zeit also, nachzufragen, wie es der Freiämter Vertretung in Südkorea ergangen ist: Nicolas Gygax ist im Freestyle Aerial Ski angetreten. Das ist die Disziplin, bei der die Sportler auf eine vier Meter hohe Schanze zufahren und dabei die Hände hochhalten. In der Luft wirbeln sie dann herum und landen mehr oder weniger stabil wieder auf ihren Ski. Nicht ganz ungefährlich das Ganze.

Das merkte auch Gygax: Als 23. beendete er den Wettkampf. Der Grund: Die Landung wollte einfach nicht hinhauen. «Sieg und Niederlage liegen in diesem Sport sehr nahe beieinander», erklärt der Islisberger. Mit seinen Sprüngen sei er aber zufrieden. «Meine Eltern, die mich neben der Schanze anfeuerten, haben mich noch nie einen Dreifachsalto springen sehen, das war toll.»

Nicolas Gygax beendet seinen ersten olympischen Wettkampf auf dem 23. Rang. Bis zur WM nächstes Jahr will er einen neuen Trick lernen und an der Landung arbeiten.

Nicolas Gygax beendet seinen ersten olympischen Wettkampf auf dem 23. Rang. Bis zur WM nächstes Jahr will er einen neuen Trick lernen und an der Landung arbeiten.

Der Sprung reiche ohne saubere Landung aber nicht für einen Finaleinzug. Das Niveau sei extrem hoch gewesen: «14 Sportler hatten einen Punktestand von 120 und mehr. Im Weltcup reichen 120 Punkte oft schon fürs Podest.»

Und noch eine Schraube

Zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Pyeongchang empfängt Gygax die AZ gut gelaunt bei sich zu Hause. Gleich beim Hereinkommen fällt die dicke, rote Jacke mit aufgedrucktem Schweizer Kreuz in der Garderobe auf, wie man sie unter anderem aus der Eröffnungszeremonie kennt. «Die ist echt cool, oder?», fragt Gygax mit leuchtenden Augen. Die Erinnerung an die Winterspiele zeichnet dem Freiämter ein Lächeln ins Gesicht. «Es war wirklich ein tolles Erlebnis. Normalerweise hält sich das Interesse an meinem Sport in Grenzen. An Olympia vertrat ich die Schweiz gemeinsam mit den ganz Grossen des Wintersports. Das war ein grossartiges Gefühl.»

Aerials Freestyle Ski: Nicolas Gygax springt

Aerials Freestyle Ski: Nicolas Gygax springt (vor den Olympischen Winterspielen 2018)

  

Realisiert habe er das zum ersten Mal beim Einlaufen ins Stadion. 35 000 Zuschauer schauten am 9. Februar live unter anderem den Schweizern beim Einmarschieren zu. «Für eine kurze Zeit dachten wir zwar, das Stadion sei leer.» Neben jedem Sitz war ein Licht für die Eröffnungsshow installiert. Die Zuschauer seien deswegen zum Teil kaum zu sehen gewesen.

Keine Woche später, am 15. Januar, feierte der nun 22-Jährige seinen Geburtstag bei einem Nachtessen im Olympia-Dorf mit seiner Familie. Vor dem Wettkampf werde nie tief ins Glas geschaut. «Das haben wir später nachgeholt», erzählt der sympathische Olympionike schmunzelnd. Beim Feiern habe er zu seiner Freude den vierfachen Olympiasieger im Skispringen, Simon Ammann, getroffen. «Im Vergleich zu mir ist er echt klein, dafür umso cooler und sympathischer», stellt der 1,88 Meter grosse Sportler fest.

Zurück in der Heimat, gibt es eine Woche Verschnaufpause. Und was macht ein Freestyle-Aerial-Skier in seiner freien Woche? «Ich glaube, ich geh Skifahren.» Er sei zwar während der Saison oft auf den Ski, aber Zeit, um einfach ein bisschen zu fahren, habe er dabei kaum.
Mitte März geht es weiter mit der Schweizer Meisterschaft in Airolo, danach fliegt er für drei Wochen nach Malaysia, bevor er im Sommer den Rest seiner Sport-RS absolvieren wird.

«Man darf den Koffer einfach nie zu fest auspacken», sagt er lächelnd. Seine nächsten Ziele sind klar definiert: «Nächstes Jahr ist die WM in den USA, bis dahin will ich den Dreifach-Salto mit vier Schrauben beherrschen.» Weiter wolle er an den nächsten Olympischen Spielen 2022 in Peking erneut antreten. «Bis dann klappt es hoffentlich auch mit der Landung», sagt er grinsend.

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