Sie wussten, dass sie einen soliden, guten Song im Gepäck hatten. Sie wussten auch, dass sie ein grosses Publikum begeistern können. Aber als sie am Sonntagabend im Fernsehstudio in Zürich sassen und auf die letzte Punktevergabe warteten, da konnte man ihnen die Anspannung und die quälende Ungewissheit deutlich vom Gesicht ablesen.

Für Co und Stee Gfeller, die vor zehn Jahren beschlossen, als ZiBBZ (von Englisch: siblings, Geschwister) die Popwelt zu erobern, ging ein grosser Traum in Erfüllung: Sie werden die Schweiz am Eurovision Song Contest (ESC) in Portugal vertreten. «Wir haben schon immer mit dem ESC geliebäugelt», verriet Co im AZ-Interview, nun haben sie es geschafft.

Unterwegs mit ZiBBZ am Tag nach dem Sieg:

Unterwegs mit ZiBBZ am Tag nach dem Sieg in der ESC-Vorausscheidung

Vor kurzem noch unbekannt, jetzt darf das Geschwister-Paar für die Schweiz nach Lissabon fahren. Ihr Medien-Marathon hat bereits begonnen.

«Mehr Freude als Stolz»

Für die beiden Geschwister, die in Waltenschwil und Boswil aufgewachsen sind und da auch ihre ersten musikalischen Erfolge feiern durften, ist der Sieg an der Schweizer ESC-Ausscheidung eine weitere Bestätigung für ihre konsequente und kompromisslose Arbeit mit und an der eigenen Musik. Ihr Vater, Reto Gfeller, selber auch begeisterter Musiker und Gitarrist bei Wilhelm Toll, freut sich über den Erfolg seiner Kinder: «Ja, es ist mehr Freude als Stolz. Stolz dürfen vor allem sie auf sich sein, denn sie haben das alles selber geschafft. Dafür haben sie auf viel verzichtet und mussten auch viele Jahre sehr knapp durch.»

Dass Corinne und Stefan Gfeller eines Tages als Musiker durchstarten würden, das war allerdings schon früh zu erahnen. «Co hat schon als ganz kleines Mädchen immer getanzt und gesungen», erinnert sich Vater Reto. «Sie kam dann auch schon bald mit der Idee, die Ausbildung als Musicaldarstellerin zu machen.» Gesagt, getan. Mit gerade mal 16 Jahren flog Co nach London und absolvierte die Ausbildung an der Laine Theatre Arts in Gesang, Tanz und Schauspiel. Am Telefon zwischen London und Boswil komponierte sie damals, kurz nach der Jahrtausendwende, mit ihrem Bruder die ersten gemeinsamen Lieder. «Ich spielte ihr ein paar Akkorde am Klavier vor und fragte sie, was sie davon halte», erzählt Stee. «Sie ergänzte dann die Gesangslinie und schrieb den Text.»

ZiBBZ: Aus dem tiefen Aargau an den ESC

Co und Stee Gfeller besuchen in ihrer alten Heimat Waltenschwil den Kindergarten – da kommt so einiges zum Vorschein.

Das Schlagzeug-Hämmerchen

Während so die ersten Songs der Geschwister Gfeller entstanden, begann auch Stee seine professionelle Ausbildung als Schlagzeuger am Winterthurer Institut für aktuelle Musik (WIAM). Sein Rhythmusgefühl und seine Liebe zu allem, was sich mit Schlagzeugschlägeln bearbeiten lässt, zeigte sich schon bei Klein-Stefan eindrücklich: «Wir haben ihm mal zu Weihnachten einen Chlötzlikasten geschenkt», erinnert sich sein Vater. «Da konnte man verschieden geformte Klötzchen mit einem Hämmerchen auf eine Unterlage nageln. Aber was hat unser Kleiner gemacht? Er hat aus Mutters Töpfen und Pfannendeckeln ein Schlagzeug gebaut und hat mit dem Hämmerchen darauf herumgespielt. Er hat nie auch nur einen Nagel mit dem Hämmerchen eingeschlagen.» Diese unstillbare Lust am Rhythmus hat Stefan denn auch seinen Kosenamen eingebracht: «Wir nannten ihn nur noch ‹de Pöpperli›.»

ZiBBZ: Aus dem tiefen Aargau an den ESC

Co und Stee Gfeller besuchen in ihrer alten Heimat Waltenschwil den Kindergarten – da kommt so einiges zum Vorschein.

Wen wunderts, dass auch das Umfeld bald auf die talentierten Kinder der Familie Gfeller aufmerksam wurde. So stand eines Tages der heutige Präsident der Musikgesellschaft Boswil, Hans Hildbrand, vor der Tür und fragte Käthi Gfeller, ob ihr Sohn nicht mal Lust hätte, bei einem Konzert der MG Boswil mitzuwirken. «Sie sagte ‹Ja sicher, er soll das ruhig auch mal erleben›, und wir hatten einen tollen Percussionisten, der später auch noch Schlagzeuglehrer bei uns wurde», freut sich Hildbrand noch heute.

Mit ihren Diplomen in der Tasche und mit viel Erfahrung auf kleinen und grossen Bühnen in der Schweiz machten sich die Geschwister auf nach Los Angeles. Dort haben sie mit enormer Schöpferkraft ihre Musik weiterentwickelt und zur offensichtlich erfolgreichen Marke gemacht.