So ungewöhnlich es klingen mag: Verena Schütz «malt» ihre Bilder mit der Nähmaschine. Dabei ist kaum etwas, was der Künstlerin im Alltag in die Finger kommt, vor ihr sicher: Kassenzettel, Kafirahmdeckeli, Wollfäden, Postkarten, Löschblätter, Stroh, Lampionpapier, sogar Haare verarbeitet sie unter Einbezug ihrer Nähmaschine zu Kunst. Sie schichtet um, schneidet, perforiert, fügt neu zusammen – so lange, bis die verwendeten Dinge kaum mehr erkennbar sind. Dafür entstehen neue Muster: Farbgeflechte und Gespinste aus Fäden und Papier.

«Mir kam plötzlich meine Nähmaschine in den Sinn» 

Schütz, die eine Ausbildung zur Primarlehrerin machte, als Körpertherapeutin eine Praxis eröffnete und ein Psychologiestudium absolvierte, entdeckte ihre kreative Seite erst vor ein paar Jahren. Aber warum näht sie ihre Bilder mit der Nähmaschine, während andere Künstler zu Pinsel und Leinwand greifen? Diese Frage beantwortet sie, nach kurzem Zögern, folgendermassen: «Ich weiss es selber nicht so genau – der Besuch einer Art-Brut-Ausstellung in St. Gallen hat mich sehr tief berührt.» Das war im Jahr 2013. «Mir kam plötzlich meine Nähmaschine in den Sinn, die ich seit Jahren nicht mehr benutzt hatte.» Seither näht die Wohlerin ihre Bilder fast wie im Rausch.

Im Schlössli stellt Verena Schütz ab dem 22. März erstmals ihre Werke aus der Reihe «Bernina» im Rahmen einer Einzelausstellung aus. «Ich empfinde das als etwas sehr Grosses», sagt sie. «Hier ist mein Wohnort, hier kennen mich die Leute. Da ist die Anspannung schon beträchtlich.» (AZ)