Freiamt

Spitex-Mitarbeitende stehen zunehmend unter Zeitdruck

Am Spitex-Tag wird gezeigt wie es geht. Auch dem AZ-Reporter.

Am Spitex-Tag wird gezeigt wie es geht. Auch dem AZ-Reporter.

Im Rahmen des Nationalen Spitex-Tages können Interessierte in Niederwil/Fischbach-Göslikon Einblicke in die Arbeit und Angebote erlangen. Ein zentrales Thema ist der drohende Finanzierungsengpass.

Die Frau in der grünen Bluse begrüsst die Patientin mit einem freundlichen: «Wie gehts?» Die 86-Jährige leidet unter einer Schwäche. Sie ist erleichtert, dass ihr die Spitex-Mitarbeiterin am Morgen bei der Körperpflege hilft und den Beinverband wechselt. Und gerne erzählt sie der Spitex-Vertrauensperson von ihren Sorgen und Nöten. Die Patientin wird von der Pflegefachfrau noch darauf hingewiesen, dass am Nachmittag die Haushalthilfe der Spitex für den Wochenkehr vorbei kommen wird.

«Hören und Zuhören» am nationalen Spitex-Tag

Das Motto des Nationalen Spitex-Tages von morgen Samstag, an dem sich auch die Spitex Niederwil/Fischbach-Göslikon mit einem Tag der offenen Tür beteiligt, lautet denn auch «Hören und Zuhören».

Von 8 bis 11 Uhr hat die Bevölkerung Gelegenheit, sich im Spitex-Stützpunkt an der Hauptstrasse 25 in Niederwil über das vielseitige Dienstleistungsangebot zu informieren und Blutdruck und Blutzucker messen zu lassen. «Wir geben gerne Einblick in unsere Tätigkeit», sagt Stützpunktleiterin Monika Wehrli.

Die Spitex-Fachfrauen begegnen ihren Patientinnen und Patienten täglich und hören ihnen zu. «Insbesondere für den Aufbau einer sich oft über Monate, Jahre und Jahrzehnte erstreckenden Beziehung ist neben guter Pflege das persönliche Gespräch von ganz grosser Bedeutung», bestätigt Monika Wehrli.

Dass die Pflegeperson auf ihr Gegenüber eingeht, ist auch deshalb wichtig, um den Grad der Autonomie der Patienten einzuschätzen und sie in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen. Schliesslich verfolgt die Spitex den Grundsatz: Hilfe zur Selbsthilfe.

Viele ältere Leute, die von der Spitex gepflegt werden, leiden unter Hörschwierigkeiten, die ihren Alltag beeinträchtigen. Akustische Einschränkungen können zu Rückzug und schliesslich zu sozialer Isolation führen. Gespräche mit Mitmenschen werden zu anstrengend, sodass Missverständnisse entstehen können. Hören bedeutet indes, sozial eingebunden zu sein und möglichst selbstständig zu leben.

Die Spitex gerät immer mehr unter Kostendruck

Nach Angaben der Stützpunktleiterin gerät die Spitex immer mehr unter Kostendruck. So vergüten die Krankenkassen seit dem 1. Januar 2018 keine zusätzlichen Beiträge mehr an die Kosten für Material, das von den Spitexmitarbeiterinnen für die Pflege, Untersuchung oder Behandlung der Patienten verwendet wird.

«Es wird für uns immer schwieriger, mit den Deckungslücken in der Pflegefinanzierung zurechtzukommen. Es besteht die Gefahr, dass das Zwischenmenschliche bei der Betreuung auf der Strecke bleibt», so Monika Wehrli, die seit 22 Jahren bei der Spitex in Niederwil tätig ist. Sie erinnert sich: «Das waren noch Zeiten, als wir pro Morgen lediglich drei Patienten zu versorgen hatten. Am Sonntag blieb sogar Zeit zum ‹Käfele›. Heute reicht es noch knapp für die Pflegeaufgaben.»

Die Spitex in Niederwil hiess bei der Gründung 1956 noch Familienhilfe- und Krankenpflegeverein. Heute nennt sich der Verein Spitex Niederwil/Fischbach-Göslikon und zählt rund 430 Mitglieder. Dem Spitex-Team gehören 14 Mitarbeiterinnen an, die alle Teilzeit arbeiten. Sie sind täglich ab 7 Uhr zu ihren Patientinnen und Patienten unterwegs und das 365 Tage im Jahr.

Sie setzen sich ein für die Unterstützung und die Erhaltung der häuslichen Lebensqualität von Menschen jeden Alters bei Krankheit, Behinderung, Altersbeschwerden, Rekonvaleszenz, Mutterschaft und Unfall.

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