Hägglingen

Stägeli uf, Stägeli ab auch in Zukunft – neuer Verein will «Maiengrünturm» unterhalten

Der 1929 erbaute Maiengrün-Turm ist bis heute eine Touristenattraktion im Freiamt.

Der 1929 erbaute Maiengrün-Turm ist bis heute eine Touristenattraktion im Freiamt.

Das Unternehmen «Maiengrün-Turm» ist gestartet. Auch in Zukunft sollen die Besucherinnen und Besucher vom obersten Podium des Freiämter Wahrzeichens aus die sagenhafte Rundumsicht über das Freiamt und das Aaretal bis hin zum Jura und zur Alpenkette geniessen können.

Dafür macht sich der soeben gegründete «Verein Maiengrünturm» stark. Bis im Juni will er mit verschiedenen Sponsoring-Aktionen genügend Geld sammeln, damit das 36 Meter hohe Bauwerk nicht nur umfassend saniert, sondern über die nächsten Jahrzehnte auch unterhalten werden kann.

Halbe Million für Sanierung

Rund eine halbe Million Franken braucht es, laut einem Gutachten, um den Turm sicherheitstechnisch den strenger gewordenen gesetzlichen Auflagen anzupassen, ihn wo nötig zu sanieren und mit einem neuen Korrosionsschutz zu versehen. «Wir wissen, das Vorhaben ist ehrgeizig. Doch wir sind davon überzeugt, dass wir es mit vereinten Kräften schaffen werden, notfalls können wir das Projekt auch etappieren», sagt Gemeindeammann Urs Bosisio, der das Präsidium des Vereins übernommen hat.

Einsitz im Verein hat auch einer seiner Amtsvorgänger: Alt Gemeindeammann und CVP-Grossrat Marcel Geissmann ist Vertreter der Besitzerfamilie, die den Turm den Hägglinger Ortsbürgern schenken möchte. Diese haben das Geschenk im Juni dieses Jahres nur mit der Auflage angenommen, dass die Finanzierung des Projekts privat geregelt wird.

Nie Geld von der Öffentlichkeit

Schon in den vergangenen 89 Jahren – so alt ist das Wahrzeichen in seiner heutigen Konstruktion – hat die Öffentlichkeit nie Geld in den Maiengrünturm gesteckt. Gebaut hat ihn Johann Huber, Marcel Geissmanns Grossvater mütterlicherseits. Wie er war auch Huber einst Hägglinger Gemeindeammann und Grossrat.

Einen ersten, 13 Meter hohen Turm hat er schon 1913 aus Holz erstellt, diesen aber schon 1929 durch eine Konstruktion aus Stahl ersetzt, weil das Holz morsch geworden war. Der zweite Turm war 22 Meter hoch und wurde 1936 auf die heutigen 36 Meter ausgebaut.

Marcel Geissmann (links) und Urs Bosisio stellen das geplante Sponsoring-Konzept vor.

Marcel Geissmann (links) und Urs Bosisio stellen das geplante Sponsoring-Konzept vor.

Geld von der Gemeinde oder vom Kanton gab es keines. Im Gegenteil: Der Häggliger Gemeinderat hatte sich mit Händen und Füssen gegen das private Vorhaben gewehrt und sogar beim Kanton wegen angeblicher Baumängel eine Eröffnung verhindern wollen. Der Kanton schickte einen Sachverständigen, der den Turm als sicher beurteilte und Huber konnte das neue Hägglinger Wahrzeichen in Betrieb nehmen.

Ab 1942, als Huber verstarb, sorgten Tochter Marie und Schwiegersohn Gottfried Geissmann-Huber für den Unterhalt des Aussichtsturms und später mit Marcel Geissmann und seiner Schwester Alice Wohler-Geissmann die dritte Generation. «Bis zum heutigen Tag hat unsere Familie den Turm unterhalten und sich stets bemüht, im Sinn und Geist von Johann Huber zu handeln und dafür zu sorgen, dass dieses Wahrzeichen immer und immer wieder für eine grosse Besucherzahl zur Verfügung steht, um die Aussicht zu einem kleinen Preis geniessen zu dürfen», hält Marcel Geissmann fest.

2001 die letzte Sanierung

2001 habe seine Familie die letzte grosse Sanierung in Angriff genommen und finanziert. Doch die Zeiten hätten sich geändert, erklärt Geissmann weiter: «Die Vorschriften für Sicherheit haben ein Mass erreicht, das für meine Schwester und für mich in finanzieller Hinsicht untragbar geworden ist. Wir sind aber stolz darauf, dass wir zur Überzeugung gekommen sind, dieses einmalige Bauwerk und Kulturgut der Ortsbürgergemeinde Hägglingen schenkungsweise zu überlassen.

Die Gemeinde, der Kanton Aargau und der neu gegründete Verein Maiengrünturm sind bemüht, die Voraussetzungen zu erfüllen, die nötig sind, damit der Turm auch für die Zukunft erhalten und gepflegt werden kann und, entsprechend dem Willen unserer Familie, der Öffentlichkeit als Ausflugs- und Erholungsort für ein bescheidenes Entgelt zur Verfügung steht.»

Neben Urs Bosisio und Marcel Geissmann setzt sich der neu gegründete Verein zusammen aus Pirmin Saxer, Franz Schaad, Ruedi Schmid und Susanne Spycher. Zum erweiterten Vorstand gehören Fabienne Fischer, Leo Lüthy und Marco Saxer.

Bereits gibt es auch eine Website: Unter www.maiengruenturm.ch will der Verein regelmässig über seine Aktivitäten und den Stand der Sponsoring-Aktivitäten berichten. «Unser Ziel ist es, den Turm im Laufe des nächsten Jahres sanieren zu können. So könnten wird im Verlauf von 2019 nicht nur die Neueröffnung, sondern auch gleich den 90. Geburtstag des Bauwerks feiern.»

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