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Starkstromleitung im Reusstal – Regierungsrat soll Stellung beziehen

Die 220 kV-Hochspannungsleitung im Reusstal soll durch eine  380-kV-Leitung ersetzt werden. Bild: Toni Widmer (2018)

Die 220 kV-Hochspannungsleitung im Reusstal soll durch eine 380-kV-Leitung ersetzt werden. Bild: Toni Widmer (2018)

Freiämter Grossräte wehren sich mit einem Vorstoss gegen die geplante Hochspannungsleitung. Sie sind der Meinung, dass damit den Grundsätzen des kantonalen Richtplans widersprochen wird.

Der Frust im Reusstal ist gross. Auslöser des Unmuts: Das Bundesamt für Energie und die Strombetreiberin Swissgrid, die von Niederwil bis Obfelden eine Starkstromleitung planen, dabei aber so gut wie keine Rücksicht auf die Wünsche der Direktbetroffenen genommen haben. Diese hatten sich im Vorfeld für eine Erdverkabelung eingesetzt, doch auch in den neuesten Plänen der 17 Kilometer langen 380-Kilovolt-Leitung ist in erster Linie eine Freileitung vorgesehen. Die Region beisst jedoch nicht einfach in den sauren Apfel, sondern wehrt sich gegen die Pläne. Aktiv wurde etwa der Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal und mehrere Gemeinden, die beim Bundesamt für Energie ihre Stellungnahme eingereicht haben. Darunter Bremgarten, Niederwil, Besenbüren und Wohlen.

Diese acht Grossräte reichen einen Vorstoss ein

Nun werden auch die Freiämter Grossräte aktiv und bringen die Diskussion auf die kantonale Ebene. Gemeinsam haben Arsène Perroud (SP, Wohlen), Markus Dietschi (Grüne, Widen), Karin Koch (CVP, Bremgarten) Roland Vogt (SVP, Wohlen), Thomas Leitch-Frey (SP, Wohlen), Dominik Peter (GLP, Bremgarten), Harry Lütolf (CVP, Wohlen) und Gabriel Lüthy (FDP, Widen) diese Woche einen Vorstoss im Grossen Rat eingereicht. Darin schreiben sie, dass sich im Rahmen der Vernehmlassung 2017 21 von 26 Gemeinden, Verbänden und Organisationen für eine Erdverkabelung von Niederwil bis Obfelden ausgesprochen haben. Sie lehnten also eine Freileitung ab, die nun dennoch geplant ist. Die Grossräte schreiben: «Mit der vorgesehenen Leitungsführung werden Naturschutzgebiete von kantonaler Bedeutung tangiert, das Siedlungsgebiet massiv beeinträchtigt, Naherholungsgebiete entwertet und mit den bis zu 80 Meter hohen Masten wird massiv in das Landschaftsbild eingegriffen.» Die Freiämter Politiker sind der Meinung, dass mit der derzeit vorgesehenen Korridor- und Freileitungsvariante den Grundsätzen des kantonalen Richtplans widersprochen wird.

Zudem kritisieren die Grossräte, dass die Freileitung mit den tieferen Kosten begründet wird, «obwohl die Kosten nicht transparent ausgewiesen sind und zum wesentlich kleineren Übertragungsverlust einer Erdverkabelung keine Aussage gemacht werden». Und weiter: «Die Kosten für die Übertragungsleistung gibt die Netzgesellschaft Swissgrid auf Ihrer Website mit lediglich fünf Prozent des gesamten Strompreises an. Dies ist ein vergleichsweise kleiner Anteil», schreiben die Grossräte.

Wird sich der Regierungsrat gegen die Pläne wehren?

Die Grossräte wollen mit ihrem Vorstoss erreichen, dass der Aargauer Regierungsrat bezüglich der Starkstromleitung Stellung bezieht. Und so lautet die erste Frage im Vorstoss: «Wie stellt sich der Regierungsrat zum vorgesehenen Korridor und zur fast ausschliesslich überirdischen Leitung?» Die Grossräte wollen vom Regierungsrat weiter wissen, ob er die Mehrbelastung der Bevölkerung und die massiven Eingriffe in die Landschaft gegenüber mutmasslich tieferer Erstellungskosten als verhältnismässig und vertretbar haltet. Ganz zum Schluss kommen die Grossräte zur entscheidenden Frage. Sie wollen wissen, ob der Regierungsrat bereit sei, sich für die Anliegen der betroffenen Gemeinden einzusetzen, «und gegenüber dem Bundesamt für Energie die Vollverkabelung auf dem bestehenden Trassee und den bestehenden Forststrassen zu fordern?»

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