Villmergen / Wohlen

Start zum 26-Millionen-Projekt: Zuerst muss das Grundwasser sinken – dank eines preiswerten Verfahrens

Thomas Meile (Projektleiter BVU), Max Schödler (Bauingenieur) und André Mathis (Bauführer, v. l.) bei der Wellpoint-Anlage.

Thomas Meile (Projektleiter BVU), Max Schödler (Bauingenieur) und André Mathis (Bauführer, v. l.) bei der Wellpoint-Anlage.

Bei der Nutzenbachstrasse zwischen Wohlen und Villmergen kommt das spezielle Wellpoint-Verfahren zum Einsatz. Dieses sei besonders bei feinkörnigem Boden geeignet.

Seit rund einem Monat laufen die Bauarbeiten an der Nutzenbach- und Anglikerstrasse zwischen Wohlen und Villmergen. Die Konzentration gilt in dieser ersten Bauphase vor allem dem Abschnitt der Kantonsstrasse im Bereich der SBB-Brücke. Der Start ins 26-Millionen-Franken-Projekt ist geglückt. Thomas Meile, Projektleiter des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, sagt: «Wir sind als Bauherr zufrieden. Die Arbeitsgemeinschaft ist am Werk und es läuft alles wie geplant.»

Die beteiligte ARGE bilden die Firmen Notter Tiefbau AG (Wohlen), Gebrüder Brun AG (Emmen) und Hans Renggli Bau AG (Malters). Das Gebiet rund um die SBB-Brücke ist schon nach so kurzer Zeit fast nicht mehr zu erkennen. Auf den ersten Blick ist es eine typische Baustelle geworden.

Strasse unter SBB-Brücke wird tiefer gelegt

Auffallend ist jedoch die spezielle Rohrkonstruktion im umgegrabenen Ackerland auf beiden Seiten der Brücke. Hier kommt das sogenannte Wellpoint-Verfahren zur Anwendung. Was hat es damit auf sich? Die Lösung liegt nicht auf der Hand, sondern im Grundwasserspiegel.

Dieser befindet sich in jenem Bereich nur etwa eineinhalb Meter unter der Oberfläche. Das ist zu wenig, weil die Strasse unter der zukünftigen Brücke tiefer gelegt sowie der bisher eingedolte Krebsbach ersetzt und umgelegt wird. Bauführer André Mathis (Brun AG) erklärt: «In kurzen Abständen werden Filter in den Boden eingebracht und die einzelnen Filter an die Saugleitung angeschlossen. Mit einer Vakuumpumpe wird das Wasser langsam aus dem Boden gesaugt.» Der Hohlraum rund um den Saugschlauch wird mit Split aufgefüllt. Das abgesaugte Wasser sammelt sich in einem separaten Becken, wo sich Schwebestoffe absetzen. Nachher kann das Wasser in den Bach geleitet werden.

Leitungen bis 380 Meter lang

«Das Wellpoint-Verfahren ist ideal bei feinkörnigem Boden. Zudem ist es sehr effizient und preiswert», erklärt Bauleiter Max Schödler von der Firma Gerber und Partner. Wichtig ist, dass das Vakuum nie unterbrochen wird. Die Anlage steht deshalb unter 24-stündiger Überwachung, damit zum Beispiel bei einem Stromausfall schnell reagiert werden kann und die Pumpe in Betrieb bleibt.

Rund zwei Wochen dauert es an der Nutzenbachstrasse, bis der Grundwasserspiegel vorübergehend auf das gewünschte Niveau für die Bauarbeiten gesenkt ist. Auf der östlichen Seite sind die Wellpoint-Leitungen 380 Meter lang, im westlichen Teil rund 150 Meter.

In Spitzenzeiten bis zu 20 Arbeiter am Werk

Zurzeit sind auf der ganzen Baustelle rund zehn Arbeiter beschäftigt, die einige Arbeiten auch an den Wochenenden ausführen. Nächstes Jahr dürften es dann in Spitzenzeiten bis zu 20 Arbeiter gleichzeitig sein, wenn die SBB-Brücke ersetzt wird.

Bis dahin sollte sich auch die zu Beginn chaotische Verkehrslage in und um Wohlen nach der Totalsperrung der Nutzenbachstrasse beruhigt haben. Thomas Meile ist zuversichtlich: «Die Autofahrer haben sich mittlerweile an die Umstellung gewöhnt und andere Routen gesucht. Kritischer ist es nur noch am Abend.» Bis die ganze Strasse aber wieder durchgehend befahrbar sein wird, dauert es noch gut zwei Jahre.

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