Aussicht

Strommasten verschwinden: Bald gibt es freie Sicht aufs Kloster Hermetschwil

Diese Ansicht des Klosters Hermetschwil wird spätestens ab Frühsommer 2021 keine Stromleitung mehr trüben.

Diese Ansicht des Klosters Hermetschwil wird spätestens ab Frühsommer 2021 keine Stromleitung mehr trüben.

Die Strom-Freileitungen und die Masten beim Kloster Hermetschwil werden rückgebaut und verkabelt. Das freut die Hermetschwiler.

Die Ansicht des Klosters Hermetschwil oberhalb der Reuss gelegen wirkt vom Dominolochsteg aus wie eine Postkartenidylle. Zig Wanderer und Spaziergänger haben unterwegs schon ihre Handykameras gezückt, um abzudrücken – und sich wohl über die störenden Stromleitungen und die Masten genervt. Damit ist nun bald Schluss, sie verschwinden aus dem Blickfeld.

Die AEW Energie AG und die Axpo Grid AG verlegen die Leitungen im Zuge eines gemeinsamen Projekts, das auch die Spannungsumstellung von 50 kV auf 110 kV umfasst, in den Boden. Das entsprechende Verkabelungsprojekt betrifft den Abschnitt vom Unterwerk Bremgarten bis kurz nach dem Kloster Hermetschwil im Bereich Bockhölzli und lag im letzten Jahr öffentlich auf. Insgesamt werden 2750 Meter Freileitung zurückgebaut und 18 Betonmasten demontiert.

«Es ist auf alle Fälle eine optische Aufwertung»

Statt oberirdisch zweimal über die Reuss, durch den Wald beim Zopfhau und dem Kloster entlang verläuft die neue Kabelleitung in Zukunft ab Emaus dem Waldrand entlang auf Zufiker Boden und unterquert die Reuss südlich des Dominolochstegs, ehe sie wieder an die existierende Freileitung anknüpft. Mit dem Projekt wollen die Elektrizitätsgesellschaften die Versorgungssicherheit erhöhen.

Freude an der zukünftig besseren Sicht aufs Kloster hat Harald Ronge, Präsident des Forum Hermetschwil-Staffeln. Er meint: «Es ist auf alle Fälle eine optische Aufwertung des Bildes für alle. Gerade an Sonntagen beobachte ich immer viele Leute, die dort vorbeispazieren. Positiv ist auch, dass die Schneise mit den Masten durch den Wald wegfällt und dieser wieder aufgeforstet werden kann. Allerdings ist es ja nur eine kleine Leitung. Schön wär’s, wenn auch die grössere im oberen Teil in den Boden käme.» Allerdings werden nicht alle Freileitungen im Waldbereich über den Zopfhau zurückgebaut. Eine der beiden bleibt stehen.

Ronge spricht seinerseits mit der grösseren Leitung die geplante Starkstromleitung (380 kV) zwischen Niederwil und Obfelden an, die durch Hermetschwil führen soll und als Freileitung und nicht als Erdverkabelung vorgesehen ist. «Das Forum setzt sich nach wie vor für die Verkabelung ein», sagt Ronge. Bis diesbezüglich das letzte Wort gesprochen ist, dauert es voraussichtlich noch einige Zeit.

Deutlich fortgeschritten ist das laufende Projekt. Die Bauarbeiten zur unterirdischen Reussquerung haben Anfang April begonnen. Ausgeführt werden sie im Spülbohrungsverfahren durch die Firma Schenk. Es ist eine Bohrung unter der Reuss vorgesehen sowie eine zweite vom westlichen Reussufer zu den Endmasten im Bockhölzli wegen einer Obstbaumplantage.

Gemäss Auskunft der AEW ist geplant, die Kabelleitungen im November in Betrieb zu nehmen und anschliessend den Abbruch der Freileitungen zu starten. Spätestens bis im Sommer 2021 sollte der Freileitungsabschnitt komplett rückgebaut sein – und damit keine Strom-«Wäscheleinen» die Sicht mehr beeinträchtigen.

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