Aristau

Test-Kreisel reichen dem Gemeinderat: «Wir brauchen doch keinen Rolls Royce»

Der Aristauer Gemeinderat will zwei Versuchskreisel auf Bremgartenstrasse möglichst lange als Providurien betreiben.

Offiziell heissen die beiden Kreisel ganz einfach «Süd» und «Nord». Für Ortskundige sind die Namen Hauacker- und Kronenkreisel aber vielsagender, denn genau an diesen beiden Verkehrsknotenpunkten in Aristau, Dorfteil Birri, staut sich seit Jahren der Verkehr, und das sorgt für viel Unmut.

Die Kantonsstrasse K261 führt von Muri via Aristau/Birri nach Ottenbach, Zürich. Seit der Eröffnung des Autobahnanschlusses in Affoltern am Albis im November 2009 ist das Verkehrsaufkommen auf dieser Strasse nachweislich auf rund 6500 Fahrzeuge pro Tag angestiegen. Ebenfalls stark befahren wird die Kantonsstrasse K260, die von Bremgarten nach Sins führt. Gut 14'000 Fahrzeuge benutzen diese Nord-Süd-Achse durchs Freiamt täglich.

Vor dem Parkplatz des Gasthauses Krone in Birri stossen die beiden Kantonsstrassen aufeinander. Da muss sich auch das Postauto Nr. 245, von Muri nach Birmensdorf, Zürich, in den Verkehrsstrom einfügen. Während der Stosszeiten ein schieres Ding der Unmöglichkeit. Etwa 100 Meter weiter südlich, auf Höhe der Einfahrt ins Quartier Hauacker, trennen sich die K260 und die K261 wieder in Richtung Sins respektive Zürich. Hier ist der erste der beiden Versuchskreisel bereits eröffnet. Die Einwohnergemeinde hat an ihrer Winterversammlung 2018 dem Verpflichtungskredit von 321'580 Franken für die Realisierung der zwei Kreisel mit deutlichem Mehr zugestimmt. Gemeindeammann René Meier spricht für den ganzen Gemeinderat: «Wir sind glücklich, dass es im November so gut geklappt hat.»

Ganz einfach war es für den Gemeinderat nicht, dieses Geschäft durchzubringen. Vor allem die Begriffe «Versuchskreisel» und «provisorische Kreisel» gaben in der Versammlung Anlass zur Diskussion. Warum man nicht gleich eine definitive Lösung bauen wolle, wurde etwa gefragt, und ob es nicht teurer werde, zuerst zwei provisorische Kreisel zu bauen und zu unterhalten und dann nochmals viel Geld auszugeben für die definitiven Kreisel. Doch der Gemeinderat, der schon seit vielen Jahren mit dem Kanton um eine befriedigende Lösung in Sachen Strassenplanung ringt, war gut gewappnet. «An der Sommergemeinde 2016 hat die Versammlung den Verpflichtungskredit für die Innerortssanierung der K261 von 3 Mio. Franken gutgeheissen», erklärt der Gemeindeammann, «wenn dazu jetzt noch die Kostenbeteiligung von 42 Prozent am Bau von zwei definitiven Kreiseln zu je 1 bis 2 Millionen Franken gekommen wäre, dann hätte das unsere finanziellen Möglichkeiten bei weitem überstiegen.»

Kreiselabmessungen stimmen

Meier war selber überrascht, als das kantonale Departement für Bau, Verkehr und Umwelt im Frühling 2018 ankündigte, in Aristau zwei provisorische Kreisel zu erstellen. «Wir hätten nicht gedacht, dass das so schnell passieren würde. Darum hatten wir uns auch auf die Sanierung der Kantonsstrasse fokussiert. Doch wenn die Gemeindeversammlung zu den Versuchskreiseln Nein gesagt hätte, dann wäre dieses Projekt beim Kanton wieder ganz weit auf der Liste nach hinten gerutscht.»

Normalerweise würde aus einem provisorischen Kreisel innerhalb von ein bis drei Jahren ein definitiver. Aber der Gemeinderat von Aristau verfolgt hierbei und zugunsten seiner Steuerzahler eine viel grosszügigere Zeitrechnung. «Die Versuchskreisel entsprechen in der Abmessung genau den planerischen Vorgaben», beteuert Meier. «Wenn wir damit unser Ziel erreichen, den Verkehr flüssiger zu machen, dann reicht das. Wir brauchen dazu keinen Rolls-Royce-Kreisel. In der Schweiz hat man immer die Tendenz, Luxusvarianten zu bauen. Wir hoffen aber, dass der Kanton erkennt, dass man das Provisorium auch länger stehen lassen kann, wenn es sich einige Jahre gut hält.» Die Arbeiten am Kronenkreisel sind bis spätestens Ende Mai abgeschlossen. Ab dann sollte der Verkehr durch Aristau/Birri buchstäblich rund laufen.

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Autor

Christian Breitschmid

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