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Töfffahren, Klettern und und die Enkelkinder - Dölf Nauer sagt nach 32 Jahren: «Jetzt bin ich dran»

Dölf Nauer nimmt sich ab 2021 Zeit für seine Hobbys und seine Familie, den Werkhof überlässt er dann den anderen.

Dölf Nauer nimmt sich ab 2021 Zeit für seine Hobbys und seine Familie, den Werkhof überlässt er dann den anderen.

Warum es für Dölf Nauer, den Leiter des Hägglinger Werkhofes, nach 32 Jahren Zeit ist, Adieu zu sagen.

Er würde es immer wieder tun, sagt er ganz zum Schluss des Gespräches und meint damit die Arbeit, die er 32 Jahre lang gerne gemacht hat. Aber nun ist Schluss, «nun bin ich an der Reihe», betont er mehrmals, und das mit Nachdruck.

Dölf Nauer sitzt in seinem grossen Büro im modernen Werkhof, in dem sich auch die Feuerwehr befindet. Er gehörte der Feuerwehr an, turnte im Turnverein, unternahm mit dem Motoclub am Wochenende Touren und haute mit den Fasnächtlern auf den Putz. Und am nächsten Tag war er wieder auf Hägglingens Strassen unterwegs, schnitt das Gras am Strassenrand oder reparierte kaputte Leitungen.

Wie geht das zusammen? «Ich musste tatsächlich bald einsehen, dass beides nicht geht», erzählt der schlanke Mann mit den wachen Augen. Um nicht ganz vereinnahmt zu werden und auch um sich abzugrenzen, habe er sein Engagement in den Vereinen bald nach seinem Arbeitsantritt im Jahr 1988 reduziert.

Er redet lieber, als den LeutenE-Mailszu schreiben

Leutselig aber ist Dölf Nauer geblieben. Er schätzt den direkten Kontakt zum «Bürger», wie er sagt. Und deshalb schätzt er es gar nicht, wenn sich die Häggliger per E-Mail beschweren. «Ich spreche gerne mit den Menschen, das geht doch viel einfacher als via Computer», kommentiert er.

Die Wertschätzung, so zieht er Bilanz, sei in den vergangenen 32 Jahren auf der Strecke geblieben. Zwar hätten sein Arbeitskollege Adolf Geissmann und er immer mal wieder einen Kuchen oder ein Dankeschön für ihre Arbeit erhalten. Aber im grossen Ganzen werde ihre Arbeit nicht sehr geschätzt. Im Gegenteil, sie werde als selbstverständlich wahrgenommen, als etwas, das man mit den Steuergeldern finanziere. Und als Dienstleistung, die man einfach per E-Mail einfordern könne. Regelmässig habe man ihn auch abgekanzelt, wenn er auf die Pflichten der Hausbesitzer aufmerksam gemacht habe.

Dennoch: Vergrämt ist Dölf Nauer keineswegs. «Die Arbeit war nie das Problem», bestätigt er. Als der gelernte Maurer sich für den Jobwechsel entschied, war es, weil er gerne selbstständig arbeitet. «Mir ist das Wetter egal, Hauptsache draussen», nennt er einen zusätzlichen Grund für seine Zufriedenheit.

Vor elf Jahren wurde mit Adolf Geissmann ein zweiter Bauamtsmitarbeiter eingestellt. Geissmann arbeitete zuvor als Forstwart in Hägglingen und unterstützte Nauer bei Arbeiten, die er aus eigener Kraft nicht schaffte. «Wir sind ein gutes Team», bestätigt er und fügt schmunzelnd an: «Wir waren beide Mitglied im Dölf-Verein, jedenfalls, solange es diesen noch gab.»

Töfffahren, Klettern und die lieben Enkelkinder

Überhaupt habe er in all den Jahren immer wieder auf die Mitarbeit von Landwirten oder eben der Forstwarte zählen können, lobt er. Ohne diesen Einsatz hätte er die viele Arbeit – «es Födle voll», wie er präzisiert – nicht leisten können. Dass er sich nun ein Jahr vor seiner regulären Pensionierung zurückzieht, sei nicht dem grossen Arbeitspensum geschuldet. Es sei vielmehr Resultat langer Überlegungen. «Ich weiss um den Zustand praktisch jeder Drainage auf dem Gemeindegebiet», erzählt er. Und obendrein kenne er annähernd jeden Einwohner inklusive seiner Marotten. Deshalb sei es an der Zeit, Abschied zu nehmen und sich den Hobbys zu widmen.

Die da wären: Töfffahren, Klettern und Zeit mit seiner Familie, insbesondere den Enkelkindern zu verbringen. Das Arbeiten aber, das wird er nicht ganz lassen. Der 64-Jährige wird dort Hand anlegen, wo es ihn braucht. Ansonsten aber gelte ab dem 31. Dezember: «Jetzt bin ich dran», sagt er und repariert den kaputten Rasentrimmer.

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