Wohlen

Traktor-Konvoi sorgt für Knatsch – Gemeinderat nervt sich

In Reih und Glied, zwar etwas waghalsig, standen die Traktoren der Landmaschinenmechaniker vor dem Berufsbildungszentrum Freiamt (bbz).

In Reih und Glied, zwar etwas waghalsig, standen die Traktoren der Landmaschinenmechaniker vor dem Berufsbildungszentrum Freiamt (bbz).

Der Wohler Gemeinderat Bruno Breitschmid kritisiert den traditionellen Umzug der Landmaschinenmechaniker.

Um den letzten Schultag gebührend zu feiern, fuhren die Bau- und Landmaschinenmechaniker am Montagmorgen mit ihren Traktoren, Baggern und Mähdreschern quer durch Wohlen. Der Konvoi aus geschmückten Fahrzeugen, die laut hupend die Zentralstrasse entlang fuhren, ist seit Jahrzehnten Tradition.

Auf der Facebookseite der az wurde das Video des Umzugs bis Freitag über 14 500 Mal aufgerufen, 270 Mal mit «Gefällt mir» markiert und 60 Mal kommentiert. Die einen entdeckten ihre Freunde und Familienmitglieder im Video, andere fachsimpelten über Auspuffrohre, erinnerten sich an ihre eigene Lehrzeit oder bezeichneten den Konvoi als «cooli Sach».

Gar nicht «cool» findet der Wohler FDP-Gemeinderat Bruno Breitschmid den Konvoi. In seinem Facebook-Kommentar schreibt er, dass die Traktoren den Verkehr behindern und sich die Lenker durch das Hupkonzert und das Zuparken von Strassen widerrechtlich verhalten würden. Er kritisiert ausserdem, dass der Konvoi am gleichen Tag wie der Frühlingsmarkt stattfand, wenn der Verkehr ohnehin schon eingeschränkt gewesen sei. Und: «Da heisst es doch immer, die Jungen engagieren sich für Umweltschutz, dieses Beispiel ist jedoch das Gegenteil.»

Einmal ein Auge zudrücken

Philipp Dössegger ist im vierten Lehrjahr und einer der Konvoi-Fahrer. Er kann Breitschmids Kritik nicht nachvollziehen: «Unser Lehrer meinte, dass der Umzug schon seit rund 30 Jahren veranstaltet wird. Es ist eine schöne Tradition.» Sie hätten bei der Planung der Route festgestellt, dass der Frühlingsmarkt am gleichen Tag stattfindet. «Aber wir können uns das Datum von unserem letzten Schultag nicht aussuchen.» Zuvor seien die Lehrlinge auch immer bemüht gewesen, die Route möglichst kurz zu halten und nicht der Zentralstrasse entlang zu fahren.

Alfred Suter ist Lehrlingsobmann an der Berufsschule. Er nimmt die Bau- und Landmaschinenmechaniker in Schutz: «Der Konvoi findet nur einmal im Jahr statt und das im Anschluss an eine intensive, vierjährige Ausbildung. Da kann man doch ein Auge zudrücken.» Die Lehrlinge seien sich der Verkehrsregeln bewusst, und auch die Schulleitung sei über den Ablauf des Umzugs informiert gewesen.

Die grossen Maschinen machen Wohlen unsicher.

Die grossen Maschinen machen Wohlen unsicher.

Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau, nimmt Stellung zum Punkt Umweltverschmutzung: «Die Traktoren besitzen Partikelfilter. Ob die Lehrlinge nun mit Auto oder Traktor zur Schule fahren, spielt kaum eine Rolle.»

Grund liegt 35 Jahre zurück

Bruno Breitschmid war zu Fuss unterwegs, als der Konvoi seinen Weg kreuzte. Die Lenker der Maschinen seien mit zu engem Abstand in den Bärenkreisel gefahren und verursachten unnötig Lärm, hätten aber immerhin beim Zebrastreifen schön angehalten. «Wenn ich einen Kollegen sehe, auf die Hupe drücke und mich dann die Polizei erwischt, werde ich wegen ‹unberechtigten Hupens› angehalten», sagt Breitschmid. Matthias Schatzmann, stellvertretender Leiter der Regionalpolizei Wohlen, hält auf Anfrage fest: «Bei der Polizei sind keine Lärmbeschwerden eingegangen. Sollten wir bei dem Landmaschinenkonvoi das Hupen abstrafen, müssten wir jede Hochzeit kontrollieren.»

Bruno Breitschmids Kommentar auf Facebook

Bruno Breitschmids Kommentar auf Facebook

Trotzdem griff die Polizei am Montagmorgen ein: «Die Lehrlinge haben ihre Traktoren unglücklich geparkt, was wir zufälligerweise gesehen haben. Sie haben die Maschinen daraufhin umparkiert.»

Breitschmid betont, dass er den Kommentar als Privatperson geschrieben habe und das Anliegen nicht im Gemeinderat thematisieren wird. Denn der wahre Grund dafür, dass er sich über den Konvoi aufregt, liegt wohl mehr als 35 Jahre zurück: «Damals wollten wir mit dem Verein Jugendgruppe KV mit etwa 20 Autos einen Umzug durchs Dorf veranstalten. Wir haben gefragt, ob wir eine Bewilligung bräuchten und keine bekommen. Die Lehrlinge haben auch keine Bewilligung.» Polizist Schatzmann: «Wenn ein Konvoi den öffentlichen Raum überbeansprucht, wie beispielsweise eine Demonstration, benötigt man eine Bewilligung. Sonst nicht.» Breitschmids Antwort: «Wir hätten einfach trotzdem durchs Dorf fahren sollen.»

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