Villmergen/Wohlen
Übergriffe und Prügeleien: Aargauer Gemeinde will Eritreer die Sozialhilfe streichen

Tätlichkeiten und sexuelle Belästigungen von Asylbewerbern in der Region beschäftigen Polizei und Behörden. In Villmergen erwägt der Gemeinderat nun Sanktionen.

Toni Widmer
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Im Linienbus Wohlen–Meisterschwanden und in der «Ochsen»-Bar in Villmergen (rechts) wurden am Wochenende Frauen belästigt. to

Im Linienbus Wohlen–Meisterschwanden und in der «Ochsen»-Bar in Villmergen (rechts) wurden am Wochenende Frauen belästigt. to

Toni Widmer

Der Fall sorgte national für Schlagzeilen: Am Bahnhof Wohlen kam es in der Nacht auf Sonntag, 3. April, kurz nach 24 Uhr zu einer Auseinandersetzung, in die mehrere Asylbewerber verwickelt waren.

Der Polizei wurde gemeldet, diese hätten Leute mit Steinen beworfen und teilweise spitalreif geprügelt. Eine Person sei von den Angreifern sogar auf das Bahngleis geschleudert worden.

Der Vorfall ist, offenbar aufgrund übertriebener Schilderungen von Zeugen, in den Medien überzeichnet worden: «Es hat sich nicht alles so zugetragen, wie berichtet worden ist», sagt Roland Pfister, Medienverantwortlicher bei der Kantonspolizei.

Nach den bisherigen Erkenntnissen sei niemand spitalreif geprügelt und auch keine Person auf das Bahngleis geworfen worden. «Die Opfer haben leichtere Verletzungen wie Prellungen erlitten», sagte Pfister.

Gemeinderat Villmergen handelt

Kurz nach dem Vorfall wurden in Villmergen drei Asylbewerber von der Polizei festgenommen und auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in Haft gesetzt.

Sie werden verdächtigt, an der tätlichen Auseinandersetzung auf dem Bahnhof Wohlen beteiligt gewesen zu sein. Mittlerweile sind die drei Eritreer wieder freigelassen worden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen.

Zwei der Männer kommen nicht aus der Region, einer wohnt in Villmergen in einer privaten Wohnung. Und er bezieht von der Gemeinde auch Sozialhilfe. Das hat den Gemeinderat zum Handeln veranlasst, wie Gemeindeammann Ueli Lütolf der az auf Anfrage bestätigt.

Wenn sich der Vorfall so abgespielt habe und der in Villmergen wohnhafte Asylbewerber daran beteiligt sei, habe er das Gastrecht aufs Gröbste missbraucht.

Das werde man in Villmergen nicht dulden, erklärt Lütolf: «Wir sind uns bewusst, dass vorerst die Unschuldsvermutung gilt. Sollte sich jedoch herausstellen, dass sich der Mann strafbar gemacht hat, würde als mögliche Massnahme die Sozialhilfe neu beurteilt und wenn möglich sogar aufgehoben», sagt Lütolf weiter.

Der mutmassliche Täter sei von ihm bereits zu einem Gespräch geladen worden: «Dabei wird dem Mann klar und unmissverständlich aufgezeigt, dass dies in Villmergen und damit auch schweizweit nicht toleriert und alles unternommen wird, um solche Übergriffe zu verhindern», hält der Gemeindeammann fest.

Die Einwohnerinnen und Einwohner sollten sich in der Gemeinde wohlfühlen und sich absolut frei bewegen können, sagte Lütolf und schiebt nach: «Der Gemeinderat wird alle gesetzlich zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um Übergriffe auf unsere Bürger möglichst verhindern zu können.»

Zwei weitere Vorfälle

Lütolfs Votum steht im Kontext mit zwei anderen Fällen vom Wochenende, die dem Gemeinderat bekannt, bisher aber nicht öffentlich geworden sind.

Am Freitagabend ist in der «Ochsen»-Bar in Villmergen eine Frau von einem Eritreer sexuell belästigt worden. Laut Auskunft von Polizeisprecher Pfister hat er sie an den Po gefasst und ihr Geld für Sex geboten.

Die Frau hat leider erst zwei Tage später Anzeige erstattet, der Mann konnte dennoch bereits ermittelt werden.

Unter Tatverdacht steht ein Asylbewerber, der im Kanton Bern wohnt und offenbar am Wochenende in Villmergen bei Kollegen zu Besuch war. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Am Sonntag sind zudem zwei junge Frauen im Bus zwischen Wohlen und Villmergen von einem Asylbewerber belästigt worden. Der Mann stürzte neben einer der Frauen und griff ihr offenbar beim Aufstehen in den Schritt. Danach habe er sich bei ihr entschuldigt und sei in Villmergen aus dem Bus gestiegen. Die Frauen haben Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt gegen unbekannt.

Solche Vorfälle hat es bisher in der Region kaum gegeben. Die Polizei, erklärte Roland Pfister, habe in den vergangenen Tagen vermehrt mit ihnen zu tun: «Es sind meist kleinere Delikte wie Pöbeleien und Belästigungen unter Alkoholeinfluss, die eine polizeiliche Intervention erfordern», erklärte er. Sexuelle Übergriffe im gröberen Rahmen hätten bisher aber nicht verzeichnet werden müssen.

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