Bremgarten

Überquillende Abfallhaufen erregen Gemüter – «Nimm deinen Güsel mit!»

In Bremgarten sorgt verbreitetes Littering in diesen Coronazeiten für Gesprächsstoff.

Wer letzten Montagmorgen in Bremgarten spazieren ging, stiess auf einen stossenden Anblick. Überall türmten sich Abfallhaufen neben restlos überfüllten Abfallkübeln. Ob im Wald, entlang dem Reussufer, beim Casino oder am Obertorplatz.

Der Frust der Bremgarter Bevölkerung darüber zeigt sich im Facebook-Beitrag mit entsprechenden Bildern, der über hundert Mal geteilt wurde. Beinahe 100 Kommentare und wütende Reaktionen zeugen ebenfalls davon. Ein User meint: „Hier geht es schlicht und einfach um Anstand. Ich hätte mich nicht nach Hause getraut, wenn ich sowas hinterlassen hätte. Egal, ob der Kübel voll ist, es gibt immer den nächsten oder den Abfall zu Hause!“

Leidtragende sind die Mitarbeiter des Bremgarter Bauamts, die den Dreck einsammeln müssen und sich so in Coronazeiten zusätzlichen gesundheitlichen Risiken aussetzen müssen. Bauamt-Leiter David Nietlispach und sein Team haben in den letzten Wochen seit dem Lockdownbeginn einen markanten Anstieg des Abfallproblems verzeichnet. „Ich schätze, die Abfallmenge hat zwischen 30 und 50 Prozent Prozent zugenommen. Man hat gemerkt, dass die Leute nicht mehr in die Restaurants oder Beizen gehen konnten, um zu essen oder zu trinken. Speziell nach einem schönen Wochenende wars jeweils schlimm“, sagt Nietlispach auf Anfrage der AZ.

Stadt stellte sogar zusätzliche Abfallkübel auf

Geleert werden die Abfallkübel übrigens auch am Samstag, dennoch scheint es schwierig, das Problem in den Griff zu bekommen. Und dies obwohl die Stadt Bremgarten reagiert hat. „Wir haben an verschiedenen Stellen zusätzliche temporäre Abfallbehälter aufgestellt, die wir sonst bei den Märkten oder anderen Veranstaltungen verwenden. Aber auch diese sind rasch voll“, sagt Nietlispach.

Genervt über die Verschandelung hat sich auch Heinz Widmer, Präsident der Vereinigung Aktiver Aargauer Senioren. Er appelliert: „Sollten wir uns nicht gerade in dieser Zeit der Besinnung noch bewusster darüber werden, wie wichtig die Natur für uns ist und sorgfältiger mit Abfall umgehen, vor allem aber unseren eigenen Dreck selber wegräumen?“

Auf Facebook spricht ein User in seinem Kommentar den Abfall-Sündern direkt ins Gewissen: „Die Stadtverwaltung ist nicht dein Mami und nicht da, deinen Abfall vom Wochenende zu entsorgen. Die aufgestellten Mülleimer sind für kleine Gegenstände – nicht für ganze Gelage inkl. Einmalgrill, Pizzakartons, Getränkedosen und Glasflaschen! Nimm deinen Güsel mit nach Hause und entsorge ihn sachgemäss.“

Polizei könnte mit 300 Franken büssen

Einige Kommentatoren fordern auch, die Sünder hart anzupacken. Seit Jahresbeginn besitzt der Kanton Aargau theoretisch zwar ein Littering-Gesetz, das Verstösse mit 300 Franken bestraft. Bussen verteilen kann jedoch nur die Polizei, die selten jemanden in flagranti erwischen kann.

Trotz allem Übel hält Bauamt-Leiter Nietlispach fest, dass die Leute ihren Abfall wenigstens bei den Kübeln deponieren und nicht sonst achtlos liegenlassen würden. Man darf gespannt sein, wie sich die Lage nach diesem Wochenende präsentiert, wenn die Gaststätten wieder offen haben.

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