Zweites Amt

Ungewöhnlicher Schritt: Drei Gemeinderäte kandidieren in Oberwil-Lieli für Schulpflege – auch der Ammann

Die Aargauer Gemeinde Oberwil-Lieli.

Die Aargauer Gemeinde Oberwil-Lieli.

Der vorgesehene Abstimmungs- und Wahltermin am 17. Mai in Oberwil-Lieli hätte leicht groteske Züge gehabt. Nebst der kantonalen Abstimmung über die Abschaffung der Schulpflege hätte die Gemeinde gleichentags ihre komplette Schulpflege neu gewählt.

Wegen der Coronakrise kommt es jetzt aber erst später zu diesem seltsamen Abstimmungs- und Wahltag in Oberwil-Lieli. Das genaue Datum steht noch nicht fest und ist abhängig von der weiteren Entwicklung. 

Nach Kollektivrücktritt sprang Gemeinderat ein

Fest steht, dass bis dann weiterhin drei Gemeinderäte die Schulpflege interimistisch leiten werden: Ammann Ilias Läber, Gemeinderätin Gabriela Bader und Gemeinderat Stefan Strebel. Dieser Schritt sei mit dem Kanton besprochen und von diesem auch gutgeheissen worden, teilt Ilias Läber mit. Diese interimistische Lösung wurde Anfang Februar eingesetzt, und zwar aufgrund des gleichzeitigen Rücktritts aller drei bisherigen Mitglieder der Schulpflege als Folge auf die Wintergmeind. Man hätte eine kritische und nicht vertrauensvolle Haltung gegenüber ihrer Arbeit und Fachkompetenz gespürt, teilte die Schulpflege damals in einer Mitteilung mit. Gleichzeitig reichte Schulleiterin Alexandra Köchli ihre Kündigung auf Ende des Schuljahrs ein.

«Ich habe das Gefühl, wir haben unsere neuen Aufgaben gut im Griff», zieht Läber ein positives Zwischenfazit. Die Schulpflege ad interim hat mit Beatrice Bissig per 1. August eine neue Schulleiterin gefunden und sich zudem für einen einschneidenden Strategiewechsel entschieden. Bislang wurden in Oberwil-Lieli die Klassen teils gemischt geführt. Ab dem kommenden Schuljahr wird wieder jede Klasse einzeln unterrichtet, was zur Folge hat, dass es künftig zehn statt neun Klassen geben wird.

Der viel direktere Einfluss auf die Schule scheint dem Gemeinderat zu gefallen. Denn die drei Schulpfleger ad interim wollen es auch nach den Ersatzwahlen bleiben. «Wir werden für die Schulpflege kandidieren», sagt Läber. Vorausgesetzt, die Schulpflege wird per 2022 sowieso abgesetzt, mache dieser Schritt für ihn Sinn und sorge für Kontinuität. «Damit verhindern wir, dass eine Schulpflege eingearbeitet werden muss und kurz darauf wieder abgesetzt wird.»

Gemeindeammann sieht keine Interessenskonflikte

Die Gefahr von möglichen Interessenskonflikten sieht Läber nicht. Im Gegenteil: «Früher hat sich die Schulpflege teilweise beim Gemeinderat die Zähne ausgebissen, wenn es um Investitionen ging. Jetzt sind wir viel näher dran, sehen viel besser, warum etwas notwendig ist.» Dass ein Gemeinderat sich auch in die Schulpflege wählen lässt, gibt es hin und wieder. Dass die gesamte Schulpflege aus Gemeinderäten besteht, ist hingegen ungewöhnlich. Oberwil-Lieli sei damit die Versuchsanlage für die Abschaffung der Schulpflege, so Läber, der verspricht: Falls die Stimmbürger die Abschaffung der Schulpflege ablehnen, werde sich der Gemeinderat wieder aus der Schulpflege zurückziehen. «Dann gilt es, den Volkswillen, dass die Schulpflege ein separates Gremium sein soll, zu respektieren», führt Läber aus.

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

Meistgesehen

Artboard 1