Unteres Bünztal
Standortpflege als Königsmacherin ‒ Regionale Zusammenarbeit wird immer wichtiger

Am Mittwochabend fand in Dottikon die Abgeordnetenversammlung des Regionalplanungsverbands Unteres Bünztal statt. Zentrales Thema war das Standortmarketing, dass es in der Region so noch gar nicht gibt.

Pascal Bruhin
Drucken
Teilen
Der Bahnhof Dottikon-Dintikon steht auf Villmerger Boden.

Der Bahnhof Dottikon-Dintikon steht auf Villmerger Boden.

Pascal Bruhin (2020)

Hätten Sie gewusst, dass Dottikon neben Wohlen ein bedeutsames Zentrum der Freiämter Strohindustrie war? Oder dass der Bahnhof Dottikon-Dintikon weder auf Dottiker noch auf Dintiker, sondern auf Villmerger Boden steht?

Dottikon spielte zwar am Mittwochabend nicht die Hauptrolle, dennoch hatte Gastgeber und Gemeindeammann Roland Polentarutti zur Eröffnung der Abgeordnetenversammlung des Regionalplanungsverbands (Repla) Unteres Bünztal im Schulzentrum Risi einiges Geschichtliches und Kurioses über seine Gemeinde zu berichten.

Dottikons Gemeindeammann Roland Polentarutti stellte seine Gemeinde vor.

Dottikons Gemeindeammann Roland Polentarutti stellte seine Gemeinde vor.

Pascal Bruhin

Wirtschaft und Wohnraum machen guten Standort aus

Eindrücklich schilderte er, wie die Bevölkerung Dottikons in den letzten Jahren angewachsen ist. Mittlerweile zählt die Gemeinde exakt 3999 Einwohner. Schmunzelnd meint Polentarutti:

«Wir losen noch aus, wer dann der Viertausendste sein darf.»

Zu verdanken hat Dottikon sein Wachstum unter anderem der Dottikon Exclusive Synthesis AG von Blocher-Sohn Markus, die in den letzten Jahren massiv an Arbeitsplätzen ausgebaut hat. Andererseits ist in Dottikon mit der Überbauung Engelmoos auch attraktiver Wohnraum entstanden.

Die Firma Dottikon ES sorgt in Dottikon für viele Arbeitsplätze.

Die Firma Dottikon ES sorgt in Dottikon für viele Arbeitsplätze.

Toni Widmer (2020)

Das Standortmarketing funktioniert offenbar im Dorf an der Bünz. Das konstatierte auch Urs Rothlin. Der Projektleiter Standortmarketing bei Aargau Services und Birmenstorfer Gemeinderat hielt in seinem Referat fest, dass dabei nicht nur das Marketing, sondern auch die Standortpflege von zentraler Bedeutung sind. Er erläuterte:

«Dieses Prinzip kennt man aus der Wirtschaft: Die Kunden, die man hat, sind die wertvollsten.»

Der Experte für regionales Flächen- und Arealmanagement vom kantonalen Departement Volkswirtschaft und Inneres betonte dabei: «Heute kann eine Gemeinde nicht mehr nur auf ihre eigenen Grenzen ausgerichtet sein. Sie muss regional denken.» Für die Unternehmen sei es von grosser Bedeutung, dass sie bei Bedarf schnell neue Ausbauflächen möglichst in der Nähe des aktuellen Standorts finden.

Urs Rothlin vom kantonalen Departement für Volkswirtschaft und Inneres referierte über die Wichtigkeit des Standortmarketings.

Urs Rothlin vom kantonalen Departement für Volkswirtschaft und Inneres referierte über die Wichtigkeit des Standortmarketings.

Pascal Bruhin

Beim Standortmarketing gäbe es noch Entwicklungsbedarf

Dabei hilft der Kanton mit seinem Standortförderungsprogramm. «Im Vergleich zu anderen Replas haben wir noch Entwicklungspotenzial», hielt Präsident und Wohler Gemeindeammann Arsène Perroud fest. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Verbänden oder grossen Gemeinden hat die Repla Unteres Bünztal keinen Standortmarketing-Verantwortlichen. Da ortet der Gemeindeammann noch Handlungsbedarf.

Dass die Pandemie die Arbeit der einzelnen Arbeitsgruppen nahezu blockiert hatte, zeigten sie in ihren Jahresberichten deutlich auf. Roland Polentarutti sagte etwa für die Arbeitsgruppe Landschaft und Umwelt:

«Es lief nicht alles so voran, wie wir es wollten.»

So lief etwa die Aktion Klimabaum nur schleppend voran. Lediglich in Sarmenstorf, Villmergen und Wohlen konnten ein paar Bäume gepflanzt werden.

Erstmals stellte Reto Widmer als Präsident den Jahresbericht der Kommission ÖV vor. «Wir konnten entscheidende Eckpfeiler einschlagen», bekräftigte er. Mit der Einführung des Regio-Express nach Arth-Goldau habe das Freiamt eine massive Aufwertung erfahren. Weiter berichtete er über die Vorstösse, die seine Kommission in den nächsten Tagen beim Kanton für die Fahrplanvernehmlassung einreichen wird.

Hausärztemangel zeichnet sich in den nächsten Jahren ab

Vor grossen Anstrengungen steht die Arbeitsgruppe Gesundheitsversorgung. «Sehr viele Hausärzte werden in den nächsten vier bis fünf Jahren pensioniert», stellte Paul Huwiler, Gemeinderat von Wohlen, fest.

«Das wird eine riesige Herausforderung für die ärztliche Grundversorgung.»

Mit der Vision 2025 will die Repla deshalb die ambulante Pflege zum Hauptthema machen und Wohnformen stärken, die es wenig pflegebedürftigen Menschen erlaubt, möglichst lange selbstständig zu leben.

Die Rechnung 2020 der Repla schloss mit einem Ertragsüberschuss von über 50'000 Franken und wurde einstimmig genehmigt. Ebenso das Budget 2021, das einen Überschuss von rund 10'000 Franken vorsieht.

Rechnung 2020 und Budget 2021 wurden einstimmig genehmigt.

Rechnung 2020 und Budget 2021 wurden einstimmig genehmigt.

Pascal Bruhin

Weil coronabedingt auf einen Apéro verzichtet wurde, durften sich die Abgeordneten jeweils eine Flasche Dottiker Weisswein samt Gläsli mit auf den Nachhauseweg nehmen. Zum Wohl!

Aktuelle Nachrichten