Bezirksgericht Bremgarten

Urteil im «Casa-Loca»-Fall: Ehepaar muss ins Gefängnis und die Schweiz verlassen - wegen Brandstiftung

Villmergen: Brand zerstört das Restaurant «Mi Casa Loca» vollständig

Villmergen: Brand zerstört das Restaurant «Mi Casa Loca» vollständig

Im Restaurant «Mi Casa Loca» ist wohl für längere Zeit ausgekocht. Im Gebäude brach am späten Montagabend ein Feuer aus, welches die Immobilie vollkommen zerstört hat. Verletzt wurde niemand.

Das Bezirksgericht Bremgarten hat das Wirte-Ehepaar wegen Brandstiftung beziehungsweise Gehilfenschaft zur Brandstiftung schuldig gesprochen. Als Tatmotiv sei ein Versicherungsbetrug anzunehmen. Beide müssen mehrere Jahre ins Gefängnis.

Am 4. Juni mussten sich Piero und seine Frau (alle Namen geändert) vor dem Bezirksgericht Bremgarten verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Wirtepaar vor, etwas mit dem Brand ihres Restaurants «Casa Loca» im Februar 2019 zu tun zu haben. Piero, ein gebürtiger Italiener, soll in seinem Heimatland zwei Landsleute angeheuert haben, das Lokal in Villmergen anzuzünden.

Die Polizei kam schon kurz nach dem Brand zum Schluss, dass es Brandstiftung war. Schnell fiel der Verdacht auf das Wirtepaar. Von einigen wichtigen Details hat die Staatsanwaltschaft allerdings nur Kenntnis, weil Piero selber sehr gesprächig war. Er hatte seinem Zellengenossen in Untersuchungshaft im Detail geschildert, wie er vorgegangen war und dass er sein Restaurant anzünden liess, um die Versicherung zu betrügen. Der Plan des Ehepaars war es, die Schweiz mit dem Geld der Versicherung in Richtung Kalabrien oder Santo Domingo zu verlassen. Der Zellengenosse behielt die Beichte nicht für sich, sondern erzählte alles der Staatsanwaltschaft. Piero und seine Frau mussten aufgrund der neuen Erkenntnisse erneut in Untersuchungshaft.

Verteidiger forderten Freisprüche

Die Staatsanwaltschaft wollte Piero acht und seine Frau sechs Jahre ins Gefängnis stecken, gefolgt von einem jeweils 15-jährigen Landesverweis. Die beiden Verteidiger hingegen verlangten einen Freispruch. Sie stellten die Aussagen des Zellengenossen infrage.

Inzwischen hat das Gericht ein Urteil gefällt. Eine Mehrheit der Richterinnen und Richter ist überzeugt, dass das Ehepaar in die Brandlegung verwickelt war. Das Gericht stützt sich im Wesentlichen auf die belastenden Aussagen des Zellengenossen. Die Aussagen seien «glaubhaft und in sich stimmig». Sie zeichneten sich durch einen grossen Detailreichtum aus. Es könne ausgeschlossen werden, dass der Zeuge sein Wissen allein aus den Untersuchungsakten habe, die er von Piero zum Lesen erhalten hatte. Zudem gebe es Indizien. Insbesondere zwei am Tatort sichergestellte Kanister mit Spuren von Benzin, auf denen DNA-Spuren von Piero nachgewiesen werden konnten.

Die beiden bleiben in Sicherheitshaft

Die Richterinnen und Richter gehen davon aus, dass Piero die treibende Kraft hinter der Tat war. Seine Frau habe zwar von Anfang an Bescheid gewusst, ihr Tatbeitrag sei aber nur von untergeordneter Bedeutung gewesen. Piero muss wegen Brandstiftung, versuchten Betrugs und Irreführung der Rechtspflege vier Jahre ins Gefängnis und wird zehn Jahre des Landes verwiesen. Seine Frau wurde wegen Gehilfenschaft zur Brandstiftung, Betrugs und versuchten Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 2½ Jahren verurteilt. Die Hälfte der Strafe muss sie absitzen. Auch sie muss die Schweiz anschliessend für sieben Jahre verlassen.

Das Bezirksgericht hat weiter beschlossen, dass das Ehepaar wegen Fluchtgefahr einstweilen in Sicherheitshaft bleibt. Das Urteil kann ans Obergericht weitergezogen werden.

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