Trockenheit

Villmerger zapfen illegal Wasser aus den Dorfbächen ab – durch tiefen Pegelstand droht Fischen der Tod

Der Erusbach in Villmergen führt noch Wasser – hier entlang der Bachstrasse im Dorf.

Der Erusbach in Villmergen führt noch Wasser – hier entlang der Bachstrasse im Dorf.

Private Anstösser entnehmen regelmässig unerlaubt Wasser aus Villmergens Bächen. Deren Pegelstände sind aufgrund der sommerlichen Trockenheit an sich schon niedrig, die darin lebenden Fische drohen zu sterben. Die Gemeinde appelliert nun an die Vernunft.

Leise plätschert der Erusbach in diesen Tagen entlang seines Bettes durch Villmergen. Die Uferböschung ist üppig bewachsen, ein Paradies für Pflanzen und Tiere. Überaus viel Wasser führt der Erusbach aber nicht mit sich. Das gilt auch für die anderen Villmerger Dorfbäche wie den Hinterbach, den Holzbach oder den Krebsbach. Die sommerliche Trockenheit hat den Abflussmengen und Pegelständen zugesetzt.

Doch nicht nur das. Nebst der Niederschlagsarmut gibt es bei den sehr tiefen Wasserständen auch «einen Nebenschauplatz, der so eigentlich nicht nötig ist», wie es Daniel Seiler, stellvertretender Gemeindeschreiber, gegenüber der «Aargauer Zeitung» ausdrückt. Auch einige Private tragen mit illegalen Wasserentnahmen aus den Dorfbächen ihren Teil bei.

Eine kürzliche Begehung des Villmerger Bachaufsehers Peter Liechti mit dem Fischereiaufseher und einem Vertreter des Kantons hat offenbart, dass mehrere Bachanstösser regelmässig Wasser aus den kleinen Flüsschen abpumpen. Daniel Seiler sagt: «An mindestens vier verschiedenen Orten wurden dabei auch Einrichtungen wie Schläuche und so weiter gesehen, um das Wasser zu entnehmen.»

Abpumpen, um privaten Weiher zu kühlen

Eine solche Wasserentnahme ist verboten. Denn für Wasserbezüge ist eine Bewilligung der Sektion Gewässernutzung des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt notwendig. Zur Zeit sind diese Genehmigungen allerdings selbst bei den Landwirten und Gemüsebauern sistiert. Und während einer Trockenheitsperiode wie aktuell eine herrscht, stellt der Kanton keine neuen Bewilligungen aus.

«In einem Fall konnte ermittelt werden, wer das Wasser entnahm. Der Betroffene gab an, dass er das Wasser abpumpte, um seinen privaten Fischweiher zu kühlen», sagt Daniel Seiler. Mit der Öffentlichmachung der illegalen Wasserentnahmen möchte die Gemeinde einen Nachahmereffekt verhindern.

Der Gemeinderat appelliert an die Vernunft der Bürger. Denn durch den tiefen Pegelstand erwärmt sich das Wasser zu stark, was besonders für die Bachforelle schlimm ist, die unter Umständen qualvoll erstickt. Die ideale Temperatur für den Fisch ist bei rund 18 Grad. «Wir gehen auch an die Öffentlichkeit, weil wir die Situation nicht eskalieren lassen wollen und es zu vielen toten Fischen in den Bächen kommt», erklärt Daniel Seiler. Auch aus Sicht des Naturschutzes seien intakte Bäche für Tiere und Pflanzen sehr wichtig.

Uneinsichtige müssen mit Busse und Anzeige rechnen

Für die Gemeinde Villmergen steht zudem eindeutig fest, dass aus dem normalen Leitungsnetz für das Kühlen von privaten Teichen oder das Wässern von Gärten und Rasen genügend Wasser zur Verfügung steht – zu einem günstigen Preis.

Der Bachaufseher wird in den nächsten Wochen weitere Begehungen zur Kontrolle durchführen. Wer sich uneinsichtig zeigt, muss mit einer Anzeige und einer Busse rechnen. Das Problem dabei: Ein Delinquent muss direkt beim Wasser abpumpen erwischt werden. Nur der Vorsatz und das blosse Einrichten einer Abpumpvorrichtung genügt noch nicht für eine Strafe.

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