Rottenschwil

Warum eine tonnenschwere Kröte plötzlich vor dem Zieglerhaus sitzt

Die Holzkröte beim Zieglerhaus der Stiftung Reusstal in Rottenschwil

Die Holzkröte beim Zieglerhaus der Stiftung Reusstal

Die Holzkröte beim Zieglerhaus der Stiftung Reusstal in Rottenschwil

Die Stiftung Reusstal wertet ihren Stützpunkt in Rottenschwil mit einer Holzskulptur und Informations-Stele auf. Und bietet ab August wieder ihr Programm mit Führungen und Exkusionen an.

Sie ist wahrlich nicht zu übersehen, die grosse Erdkröte vor dem Zieglerhaus an der Hauptstrasse, dem Stützpunkt der Stiftung Reusstal in Rottenschwil. Kreiert hat die Holzskulptur der Bildhauer Alex Schaufelbühl in seinem Atelier im Gnadenthal (Niederwil).

Der Rohstoff für die neue Figur stammt übrigens von einer 200 Jahre alten Solitäreiche. Sie stand im Gebiet Niederwinkel in Rottenschwil. Dieser geschützte Einzelbaum bildete dort nicht nur ein wichtiges Landschaftselement, sondern bot auch Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Anfang 2018 bereitete der Sturm Burglind der Eiche jedoch ein vorzeitiges Ende. Aus dem Stamm schuf Schaufelbühl die überdimensionale Erdkröte, die für Rücksichtnahme auf Lebewesen wirbt, die meist von neugierigen Blicken versteckt kreuchen und fleuchen.

Der Künstler holte mit seiner Figur, die eine Tonne wiegt, die Erdkröte aus ihrem Schattendasein ins Rampenlicht. Denn es ist seiner Ansicht nach wichtig, zu sehen, was es zu schützen gilt. So wird die mächtige Skulptur beim Eingang zum Zieglerhaus wahrgenommen. Manch einer hat bereits in seiner Freizeit dem Stützpunkt der Stiftung Reusstal einen Besuch abgestattet, um die grosse, hölzerne Figur von nahem zu betrachten.

Gegenüber des Zieglerhauses, auf der anderen Strassenseite, befindet sich das Naturschutzgebiet Stille Reuss, wo unzählige dieser Tiere leben. Dort laicht die Erdkröte, die ebenso zu den bedrohten Arten gehört, wie die Kreuzkröte, der Laubfrosch oder der Teich- und Kammmolch. Während die Erdkröte die Kleinweiher und Tümpel gerne den anderen Amphibien überlässt, bevorzugt sie selber das eigentliche Altwasser.

Nach der Corona-Pause wieder Exkursionen

Mit der Holzskulptur und der neuen Informations-Stele beim Eingang soll das Reusstaler Naturschutz-Informationszentrum besser erkannt und seine vielfältigen Aufgaben bekannter gemacht werden. Doch bisher mussten in diesem Jahr wegen der Pandemie diverse Exkursionen und Führungen abgesagt werden. Auch die Dauerausstellung im Zieglerhaus blieb geschlossen; sie ist voraussichtlich am 9. August erstmals wieder zugänglich. Mit neuem Elan startet das Team der Stiftung Reusstal in die Nach-Corona-Zeit und setzt das Programmangebot 2020/2021 nach Angaben von Niklaus Peyer vom Team Zieglerhaus am 16. August fort mit einem Info-Stand über Reptilien im Naturschutzgebiet und einer öffentlichen Veranstaltung am 22. August unter dem Titel "Eine Igel-Ersatzmutter erzählt..."

"Unsere Aktivitäten laufen wieder an", stellte der Biologe Peyer fest. "Für Gruppenanlässe stellt uns die Gemeinde Rottenschwil einen grösseren Raum zur Verfügung, damit die wegen der Seuche geltenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können." Die Stiftung Reusstal werde sich auch in Zukunft vom Zieglerhaus aus mit viel Einsatz für den Erhalt der einzigartigen Natur und Landschaft im Reusstal bemühen.

Dabei sah es anfänglich ganz und gar nicht danach aus, weil dem im Jahr 1793 erbauten Zieglerhaus 1977 das Ende drohte. Doch das baufällige Gebäude konnte vor dem Abbruch bewahrt und 1981 renoviert werden. Seitdem steht dieses markante Freiämter Haus unter Denkmalschutz und beherbergt die Geschäftsstelle der Stiftung Reusstal sowie das Naturschutz-Informationszentrum.

Es wurden Freilandterrarien für Reptilien und Amphibien erstellt und ein Weiher angelegt. Die Informationstafeln auf dem Areal des Zieglerhauses zu Themen der Biodiversität und Landschaftsgeschichte sind ebenfalls öffentlich zugänglich. Ein weiterer Höhepunkt folgte voriges Jahr mit der Eröffnung der Ausstellung im Zieglerhaus, die noch mehr Leute für die Natur sensibilisieren soll.

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