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Warum sich viele Bremgarter die Altstadt der Kindheit zurücksehnen

Die Bremgarter Altstadt war einst geprägt von Autolärm und Abgasen und ist heute vom Durchgangsverkehr befreit.

Die Bremgarter Altstadt war einst geprägt von Autolärm und Abgasen und ist heute vom Durchgangsverkehr befreit.

Die Altstadt-Nostalgie bleibe ein unlösbarbes Paradox, schreibt Mittelschullehrer Georges Hartmeier in den Bremgarter Neujahrsblätter, die die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Altstadt beleuchten.

Zwischen einer langen Vergangenheit, die es zu bewahren gilt, und einer nahen Zukunft, für die sie offen sein müssen, leben die Leute in der Kleinstadt Bremgarten. Der Ortskern soll für viele Bewohnerinnen und Bewohner die überschaubare Mischung von Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Treffen, Ausgehen und kulturellem Leben sein. «Doch diese Mischung gehört der Vergangenheit an», hält der Mittelschullehrer Georges Hartmeier fest, der zum Redaktionsteam der Bremgarter Neujahrsblätter gehört.

Schliesslich werde die zukünftige Bremgarter Altstadt durch die aktuelle Lebensweise geformt. Trotzdem sehne man sich oft nach der Altstadt der Kindheit zurück. «Diese Altstadt-Nostalgie bleibt jedoch ein unlösbares Paradox.» Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Altstadt bilden das Schwerpunktthema der Bremgarter Neujahrsblätter 2020.

Detailhandel mit Läden in kleinteiliger Struktur

Dass man so sehr an der Altstadt hänge, sei nicht nur den persönlichen Erinnerungen geschuldet, sondern Teil einer neuen Nostalgie, führt Hartmeier weiter aus. Dabei hätten doch erst die Arbeitsteilung, der wirtschaftliche und soziale Aufstieg, Bildung und freie Bürgerschaft über Jahrhunderte das Prestige und die Anziehungskraft der Stadt ausgemacht. Bremgarten sei eher eine Handels- als eine Handwerkerstadt gewesen, wobei unter anderem Märkte die Lebensgrundlage der Bürgerschaft gebildet hätten. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Detailhandelsstadt, die durch Ladengeschäfte in kleinteiliger Struktur gekennzeichnet war. Daraus entstand die Einkaufsstadt.

Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts reihte sich am Bogen, also zwischen Holzbrücke und Marktgasse, Fachgeschäft an Fachgeschäft. Und nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es in der Unterstadt ein halbes Dutzend Kolonialwarenläden. «Heute findet man dort keine Lebensmittelgeschäfte mehr, sondern Coiffeure, einige Gesundheitspraxen und Kunstateliers. Das heisst, es gibt immer mehr Para-Läden.

Verkaufseinrichtungen, die mit gemischten Betriebsmodellen operieren, wo Produktion, Versandhandel, Kunsthandwerk, Gastronomie und Beratung neue Mischungen bieten», schreibt Hartmeier. Er meint, dass im Vergleich zu den damaligen Lädeli und Handlungen die Para-Läden wenig in den Alltag der Leute eingebunden sind und die Gassen nicht in gleicher Weise beleben würden. Somit werden die Altstadtliegenschaften in Bremgarten nach Ansicht des Autors weder für das Arbeiten noch für das Wohnen so intensiv genutzt, wie vor 100 Jahren. Es leben vergleichsweise weniger Menschen in einem Haus als früher. Nicht zuletzt, weil mehr und mehr Wohnungen renoviert und zeitgemäss umgebaut wurden.

Was sagt die Politik zur aktuellen Situation in der Bremgarter Altstadt? Dazu Vizeammann Doris Stöckli: «Wer einmal in Bremgarten und seiner Altstadt war, kommt gerne wieder. Die Altstadt wirkt einladend mit ihren Nebengassen und der unverkennbaren Marktgasse, den historischen Bauten, den Teilen der erhaltenen Stadtmauer und der malerischen Reussfront.» Die Stadträtin ist überzeugt: «Bremgarten mit seiner Altstadt hat viel zu bieten. Trotz der streng regulierenden Vorgaben in baulicher und baurechtlicher Hinsicht soll auch in Zukunft eine intakte und lebendige Altstadt gewahrt bleiben.»

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