Es gibt sie tatsächlich, die Wasserdiebe. Leute, die Hydranten aufschrauben, ein paar Kubikmeter Wasser herauslassen, die Hydranten schnell wieder zuschrauben, und weg sind die Diebe. Oft sind die Zuständigen der Gemeindewerke innert Minuten vor Ort. Doch bisher haben sie noch niemanden erwischt. Darum wollen sie jetzt die Spaziergänger, Anwohner und alle anderen Leute in der Gemeinde sensibilisieren. «Seit Jahren nimmt die Zahl der Wasserdiebstähle im Frühling immer zu. Im Winter wird kaum ohne Bewilligung Wasser abgezapft», hält Martin Hössli, der Geschäftsleiter der Gemeindewerke Villmergen, auf Anfrage fest.

In diesem Frühling sei es bereits wieder fünf- oder sechsmal vorgekommen, dass das Leitsystem kurzzeitige, unbewilligte Spitzen bei Hydranten angezeigt habe. «Wir rücken dann natürlich sofort aus. Doch wenn wir innert 10 bis 15 Minuten vor Ort sind, sind die Diebe schon wieder weg.» Wichtig ist Hössli: «Ich will niemanden pauschal verurteilen, denn ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wer die 2 bis 3 Kubikmeter Wasser stehlen würde und wozu.» Bisher hat die Gemeinde noch niemanden auf frischer Tat ertappen können. Nun müsse etwas gehen.

Leitungsbrüche sind das Schlimme

In einer Meldung hält die Gemeindekanzlei fest: «Das bezogene Wasser muss, ebenso wie das rechtmässig verbrauchte Wasser, produziert oder eingekauft, gefördert und gespeichert werden. Die Kosten dafür zahlen alle Kunden.» Doch das sei noch nicht einmal das Schlimmste daran, ergänzt Hössli. «Ein weiteres Problem ist, dass bei unsachgemässer Bedienung der Hydranten dauernd Wasser entweichen kann, was zu grossen Wasserverlusten führt, auch dies zulasten der Allgemeinheit», heisst es weiter in der Mitteilung.

Genau das sei auch das Tragische an den Wasserdiebstählen.«Die Hydranten kann man mit handelsüblichen Vierkantschlüsseln öffnen, das ist heute kein Problem mehr. Aber wenn sie zu schnell auf- oder zugeschraubt werden, kann es zu Druckschäden kommen, die wiederum zu Leitungsbrüchen führen, die wir dann beheben müssen.» Die 334 Villmerger Hydranten, die alle am rund 45,5 Kilometer langen Hauptwasserleitungsnetz der Gemeinde hängen, müssen von Gesetzes wegen mindestens einmal jährlich geprüft und gewartet werden. «Wenn ein Hydrant nicht richtig zugeschraubt wurde und ständig Wasser entweicht, kann es Monate dauern, bis wir das merken, weil es zu wenig ist, um es im System zu erkennen», so Hössli. «Wasser ist ein kostbares Gut, da ist es mehr als schade, wenn es einfach aus dem Hydranten ausläuft und in den Boden sickert.»

Leute sollen Augen offen halten

Deshalb wollen Gemeindewerke undVerwaltung die Bevölkerung nun sensibilisieren. «Uns ist wichtig, dass die Villmergerinnen und Villmerger darüber Bescheid wissen, dass solche Dinge passieren. Wir möchten alle dazu auffordern, aufmerksam zu sein und uns zu melden, falls sie etwas sehen», sagt der Geschäftsleiter der Gemeindewerke Villmergen. Darum publizierten sie den Aufruf in den Gemeinderatsnachrichten. Von Frühling bis Herbst komme es jährlich rund 20-mal vor, dass Wasser direkt ab Hydranten gestohlen werde. «An den Hotspots haben wir mittlerweile Plastikplomben angebracht, die man zerstören muss, um den Hydranten zu öffnen. Jedes Mal, wenn das Leitsystem einen Spitzenwert bei einem der Hydranten anzeigte, war die entsprechende Plombe auch zerstört. Daher wissen wir, dass es kein Versehen gewesen sein kann.» Das soll nun Konsequenzen haben: «Falls es wieder vorkommt, werden wir die Polizei einschalten und Anzeige gegen unbekannt erstatten», macht Hössli klar.

So soll der Wasserdiebstahl hoffentlich bald aufhören. Wer Beobachtungen im Zusammenhang mit Wasserbezügen ab Hydrant machen kann, die nicht von der Feuerwehr oder Mitarbeitenden der Gemeindewerke durchgeführt werden, soll sich unter 056 619 70 19 melden. Ausserdem erarbeitet die Gemeinde aktuell ein Merkblatt, das zeigt, wie Wasser legal vom Hydranten abgeleitet werden darf.