Wohlen
Wegen Schulraumplanung: Die Hobby-Eisenbahner hoffen auf die Zukunft

Der Freiämter Eisenbahn-Amateur-Club lädt am Wochenende zu seiner traditionellen Ausstellung.Die Mitglieder sind zuversichtlich, dass es trotz Kündigung des Vereinslokals in der Bleichi nicht die letzte ist.

Toni Widmer
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Täuschend echt: Ein kleiner Ausschnitt aus der grossen Modelleisenbahnanlage der Freiämter Eisenbahnamateure mit einem detailgetreuen Nachbau desmarkanten Gebäudes am Wohler Kirchenrain und dem «Sternen». Toni Widmer

Täuschend echt: Ein kleiner Ausschnitt aus der grossen Modelleisenbahnanlage der Freiämter Eisenbahnamateure mit einem detailgetreuen Nachbau desmarkanten Gebäudes am Wohler Kirchenrain und dem «Sternen». Toni Widmer

Toni Widmer

Ein Zug fährt in den Bahnhof Wohlen ein, der zweite ist im Abfahren begriffen. Wenige Meter daneben nimmt eine Dampflokomotive mit Zahnrad eine Bergstrecke in Angriff, darüber schwebt eine Seilbahn talwärts. Aus dem Kamin des Zementwerks der Jura Cement in Wildegg steigt Rauch auf, die lange Ofentrommel dreht sich. In ihrem 1984 mit viel Fronarbeit erbauten Klublokal in der Wohler Bleichi, betreibt der Freiämter Eisenbahn-Amateur Club eine Modellanlage, die weit mehr zeigt als fahrende Züge. Es gibt ein Sägewerk und ein Wasserkraftwerk. Es gibt (Modell-)Baustellen, die den richtigen täuschend echt nachempfunden sind, Kräne, die genauso funktionieren wie ihre grossen Vorbilder, und Lastwagen mit Tiefladern, von denen Maschinen genau so abgeladen werden, wie in Wirklichkeit.

Immer wieder etwas Neues

Und fast jedes Jahr gibt es an der traditionellen Ausstellung – die nächste findet am kommenden Wochenende, 1./2. Oktober, statt – etwas Neues zu entdecken. 2015 war es die Seilbahn, die dank einer ausgeklügelten Steuerung ihre Geschwindigkeit bei der Abfahrt langsam beschleunigen und beim Passieren der Zwischenmasten verlangsamen kann. Dieses Jahr ist es ein Teil der privaten Anlage des Wohler Metzgermeisters Ernst Köpfli, die man integrieren durfte, und etwas, das man nicht direkt sieht, aber allenfalls spürt: «Wir haben die gesamte Steuerung überarbeitet und erweitert. Zum Teil können wir Funktionen jetzt sogar über eine spezielle App mit dem Smartphone steuern», erklären die Klubmitglieder Marc Läuffer und Ernst Jäggi. Insgesamt sei die Anlage mit dieser Überarbeitung sicherer geworden: «Es gibt weniger Störungen, und dank den erweiterten Funktionen wird das Erlebnis noch etwas intensiver», sind die beiden überzeugt.

Ausgebaut worden ist in stundenlanger, intensiver Arbeit von verschiedenen Mitgliedern auch die Geräuschkulisse: «Man kann jetzt etwa das Pfeifen vor einer Zugsabfahrt hören oder das typische Schnauben einer Dampflok», erklärten die begeisterten Hobby-Bähnler.

Wie lange noch?

Die Frage ist bloss: «Wie lange noch?» Das Areal, auf dem das Klubhaus mit der grossen Modelleisenbahn-Anlage steht, gehört der Gemeinde Wohlen. Sie hat es dem Freiämter Eisenbahn-Amateur Club im Baurecht vermietet, im Zuge der Schulraumplanung jedoch gekündigt: «Eigentlich müssten wir bis am 31. Oktober 2017 den Platz geräumt haben, dann endet das Pachtverhältnis offiziell. Wenn dem so bleibt, wird die Ausstellung vom Wochenende wohl unsere letzte sein», sagt Marc Läuffer.

Doch es gibt Hoffnung: «Pfadi und Armbrustschützen, die hier ebenfalls ihre Vereinslokale haben, sind in der gleichen Situation wie wir. Nach gemeinsamen Gesprächen mit dem Gemeinderat sind wir zuversichtlich, dass doch noch eine Lösung gefunden wird und wir unsere Lokalitäten doch nicht räumen müssen», erklärt Läuffer weiter.

Einen Plan B gibt es nicht: «Die gesamte Anlage ist so kompakt gebaut, die kann man nicht einfach abbrechen und irgendwo anders wieder aufstellen», erläutert Ernst Jäggi. Somit stelle sich auch die Frage, ob der Verein mit seinem relativ hohen Durchschnittsalter personell und finanziell überhaupt in der Lage wäre, noch einmal von Grund auf neu zu beginnen. «Wohl eher nicht», sagt Jäggi.

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