Freiamt

Wermuth will Reichen das Geld wegnehmen

Cédric Wermuth: «800000 Leute in der Schweiz leiden unter Armut.»th

Cédric Wermuth: «800000 Leute in der Schweiz leiden unter Armut.»th

Herzstück der SP-Generalversammlung im Freiamt bildete ein Referat von Jung-Nationalrat Cédric Wermuth, in dem er vor allem auf die Anliegen der 1:12-Inititative aufmerksam machte.

Sein Vortrag trug den Titel «Nehmt den Reichen das Geld weg!». Ein Missverständnis? Keineswegs. «Es ist genau so gemeint, wie es hier steht», klärte Wermuth. In 40 Minuten führte er aus, was er damit meint und weshalb er dies fordert.

«Das Brutto-Inlandsprodukt ist in den letzten Jahrzehnten praktisch immer gestiegen – nur die Löhne blieben gleich», stellte der 27-Jährige fest, «der wirtschaftliche Fortschritt kommt nicht in den Portemonnaies der Leute an».

Zudem würden die Lebenskosten stetig steigen. Für ihn sei es somit wenig überraschend, wenn die Leute in die Armut abrutschten . Rund 800 000 Menschen seien gemäss Caritas in unserem Land von Armut betroffen.

Wermuth trumpfte mit fast zahllosen Argumenten und Fakten auf, auch mit einem seiner Lieblingssätze: «Ein Prozent der Menschen in der Schweiz besitzt mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen.»

Wermuth war penibel darauf bedacht, keine linkslastigen Quellen zu benutzen, sondern von Reporten der Credit Suisse oder aus einem Bericht der Wirtschaftszeitung «Bilanz» – «und keine Angaben aus linksextremen Erzeugnissen.»

Märchen der Leistungsgesellschaft

Wermuths Fernziel war klar: den Leuten die 1:12-Initiative schmackhaft machen. Konkret fordert die Vorlage Folgendes: Der höchste Lohn in einem Unternehmen darf den tiefsten nicht mehr als um das Zwölffache übersteigen.

Der ehemalige Vize-Präsident der SP Schweiz hält es nämlich für ein Märchen, dass es jedermann an die Spitze eines Unternehmens schaffen könne. «Die gerechte Leistungsgesellschaft gibt es nicht. Nicht die Fleissigsten sitzen in den Chefetagen, sondern die Korruptesten und Ruchlosesten», wetterte er. Darum hält er die Deckelung der Löhne für absolut notwendig.

Am stärksten betroffen wäre momentan die Credit Suisse, bei der das Verhältnis zwischen tiefstem und höchstem Lohn 1:1820 beträgt. Wermuth illustriert weiter, dass in einer Firma mit einem Mindestlohn von 4000 Franken der Chef nach der Annahme der Initiative noch immer jährlich 624 000 Franken kassieren könne. «Leute, denen das nicht genügt – die wahren Abzocker – , will ich in unserem Land eigentlich gar nicht», resümiert er.

Nach dem Referat diskutierten die Genossinnen und Genossen darüber, ob die Abzockerinitiative der 1:12-Vorlage den Wind aus den Segeln genommen oder ihr Aufschwung verliehen hat. Auf jeden Fall steht den Sozialdemokraten in diesem Jahr eine zähe Abstimmungskampagne ins Haus.

«Gegen Populismus gewehrt»

In der Folge ratterten die Delegierten schnell die Traktandenliste ab, ohne dabei bahnbrechende Beschlüsse zu fassen. Im Jahresrückblick freute sich Präsident Stefan Dietrich nochmals über das Engagement der SP in der Bremgarter Asyldebatte, in der sie sich «gegen populistische Stimmungsmache gewehrt» habe.

Der Ausblick ernüchternder: Für die bevorstehenden Gemeindewahlen in Bremgarten und Zufikon wird die Ortspartei tief in die Taschen, die nicht eben prall gefüllt sind, greifen müssen.

Gleichzeitig beabsichtigt sie, die schleppende Jugendpolitik im Reussstädtchen, die seit 20 Jahren kaum vom Fleck komme, voranzutreiben. An Arbeit fehlt es den Sozialdemokraten jedenfalls nicht.

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