Hansjörg Reding war im unteren Freiamt früher bekannt als der langjährige Wirt des Wohler Bahnhofsbuffets, genannt «der Beizer». Irgendwann zog es ihn jedoch weg vom heimischen Freiamt, ins ferne Amerika. Der Gastronomie blieb er jedoch treu: Als Schiffskoch ging seine erste Fahrt von Rotterdam nach New York.

«Die Reise begann am 3. Juni 1953. Die ‹New Amsterdam› hatte rund 2000 Passagiere an Bord, und etwa 700 Angestellte sorgten sich um deren Wohl», so steht es im Freiämter Kalender des Jahres 1999. Reding erzählt, wie bei Sturm die Pfannen in der Küche herumflogen, wie schwierig es war, Heringe zu schälen, weil sie so glitschig waren, und, dass man die Küchenabfälle durch die Gucklöcher ins Meer warf. Auch die Kajütenbetten, für die er mindestens zehn Zentimeter zu gross war, und die man seiner Meinung nach eher Kisten nennen sollte, blieben ihm in Erinnerung.

Diebstahl und Schmuggelei

Eine Geschichte sticht beim Lesen aber besonders heraus: «Man glaubt kaum, wie auf diesem Schiff (und wahrscheinlich auch auf allen anderen) gestohlen und geschmuggelt wurde», schreibt der Freiämter mit Jahrgang 1930. «Ich hatte meinen eigenen Arbeitskoffer an Bord mitgenommen. Nach meiner ersten Reise waren zwei Drittel des Inhaltes gestohlen.»

Es sei aber nicht nur Ware abhandengekommen, in grossen Mengen seien auch Kaffee, Fleisch, Liköre und vor allem Zigaretten geschmuggelt worden. «Einer brachte es sogar fertig, einen Kühlschrank über den Zoll zu schmuggeln und ihn während der Rückreise im Heizraum zu verstecken!» Die Zöllner nannte die Schiffscrew «Mr Blind», erinnert sich Reding. Denn sie hätten gerne ein Auge zugedrückt. Das Wort Bestechung lasse er in diesem Zusammenhang jetzt mal aus, erwähnt der Wohler verschmitzt. So setzte man für Redings Erzählungen auch den Titel: «Mr Blind und die Schmuggler».

Mehr Reisen als Kolumbus

«Nach der Ankunft in New York, nach sehr strenger Kontrolle beim Immigration Office, war ich froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.» Reding war beeindruckt, doch genau so freute er sich, wieder ins Freiamt zu reisen. Er fuhr später noch einige Male nach New York.

Als er nach seiner letzten Atlantiküberquerung in Basel ankam, wurde er bereits von seiner Familie begrüsst. «Am nächsten Abend trainierte ich bereits mit dem FC Wohlen, und am Sonntag bestritt ich das Meisterschaftsspiel des FCW gegen die Luzerner Kickers, welches wir 2:0 gewannen. Das war ein herrliches Gefühl, nach mehreren ‹Weltreisen› wieder in Wohlen Fussball spielen zu dürfen! Und stolz war ich auch», erinnert sich Hansjörg Reding. «Immerhin hatte ich mehr Reisen nach Amerika unternommen als Kolumbus...»