Sie hätte ebenso gut soziale Arbeit studieren können. Stattdessen hat sich Jennifer Sinha aus Wohlen für das Wirtschaftsingenieur-Studium an der Hochschule Luzern entschieden. Falsch ist sie da überhaupt nicht, den ansonsten eher technischen Themen tut ihre soziale Ader vermutlich ganz gut. Das konnte sie zumindest in ihrer Bachelorarbeit unter Beweis stellen.

So hat die 25-Jährige sich dem Thema Solarstrassenlampen gewidmet und sich umgehört, ob dafür gerade in der Schweiz eine Nachfrage besteht. Das Soziale daran: Die Lampen sollen gleichzeitig ein Projekt finanzieren, das solarbetriebene Handyladestationen in Flüchtlingscamps erstellt. «So unterstützen Dörfer, die ihre Strassenlampen ökologisch umrüsten lassen, gleichzeitig Flüchtlinge in den Camps.»

Jungunternehmer erhielten Preise für soziale Idee

Auf die Idee kam Sinha über eine kleine Firma aus Schottland. Da ihr Interesse an der Verbindung von Innovation, Technik, Design, Wirtschaft und Sozialem bekannt war, setzte sie einer ihrer Dozenten mit seinem Sohn in Verbindung, der an der Uni in Edinburgh eine Start-up-Firma aufgebaut hatte. Die solarbetriebenen Handyladestationen in den Flüchtlingslagern fussten auf der Idee der beiden dortigen Jungunternehmer. «Damit hatten sie grossen Erfolg und gewannen auch Preise», erzählt Sinha. «Nun versuchen sie, Wege zu finden, um auch als eigenständige Firma ohne Unterstützung der Uni oder von Preisgeldern weitermachen zu können.»

Ihre Idee: durch ein ähnliches wirtschaftliches Projekt eine Querfinanzierung des sozialen Projekts aufzubauen. In Griechenland sei die kleine Firma namens Elbissolar bereits erfolgreich und vertreibe erste Solarstrassenlampen. «In meiner Arbeit habe ich mir überlegt, welche Themen im Schweizer Markt sinnvoll wären.»

Als Erstes hat Sinha eine Umfrage gemacht – auf der Strasse, aber auch bei Institutionen und beim Wohler Gemeinderat. «Zu Beginn wollte ich wissen, was sich die Leute vorstellen können.» Ihre erste Idee, an Bushaltestellen oder in der Badi solarbetriebene Handyladestationen zu erstellen, sei ebenfalls gut angekommen, aber die Solarstrassenlampen hätten eindeutig das Rennen gemacht. Auch der Wohler Gemeinderat habe sich sehr aufgeschlossen gezeigt und sei interessiert am Thema.

Gemeinden könnten Strassenlampen mieten

«Ein wichtiger Aspekt der Arbeit sollte Innovation sein. Vielleicht sind meine Überlegungen etwas gar abgespaced, aber ich habe auch die Circular Economy miteinfliessen lassen. Anders ausgedrückt: Ich habe die Idee verfolgt, ob die Firma die Strassenlampen nicht quasi an die Gemeinden vermieten könnte, sodass diese nichts mit der Wartung und so weiter zu tun hätten. Der Vorteil dabei wäre, dass kein Abfall entstünde, sondern alle Teile jeweils von der Firma wiederverwendet würden.»

Genaue Zahlen konnte sie in ihrer Arbeit noch keine einfliessen lassen. «Aber immerhin konnte ich Elpissolar eine Grundlage liefern, mit der sie arbeiten können», sagt die ausgebildete Bankkauffrau zufrieden. Die Arbeit brachte ihr die Note B ein, was einer 5,5 entspricht. Nun ist Jennifer Sinha auf Jobsuche. «Ich würde weiterhin gerne Innovation, Wirtschaft und Soziales verbinden. Aber wo genau es mich hin verschlägt, weiss ich noch nicht.»