Pandemie

«Wie lange wir so noch weitermachen können, weiss niemand»: Situation für Freiämter Taxifahrer spitzt sich zu

Kurt Stutz mit Ehefrau Silvia blickt besorgt in die Zukunft seines Wohler Taxiunternehmens.

Kurt Stutz mit Ehefrau Silvia blickt besorgt in die Zukunft seines Wohler Taxiunternehmens.

Freiämter Taxiunternehmer kämpfen mit massiven Umsatzrückgängen. Der versprochene Erwerbsersatz lässt aber auf sich warten.

«Bleiben Sie zu Hause!», so das Man­tra des Bundesrats in der Coronapandemie. Dass sich die Menschen daran halten, bekommen insbesondere auch die Taxiunternehmer im Freiamt zu spüren. Kaum jemand traut sich noch auf die Strasse. Die Schliessung der Gastronomiebetriebe war da nur das Tüpfelchen auf dem i.

«In der Nacht läuft gar nichts mehr», sagt Kurt Stutz vom gleich­namigen Bahnhoftaxi in Wohlen. Der Geschäftsführer des Familienunternehmens sagte bereits im November gegenüber der AZ: «Das Taxi wird seit Ausbruch der Pandemie fast ausschliesslich für dringende Fahrten gebucht.» Die Situation habe sich seither zugespitzt: «Jetzt ist es noch viel schlimmer als damals», meint er auf Nachfrage. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung im Juli und August seien die Kundenzahlen wieder massiv eingebrochen. Ein Grossteil der rund 40 Fahrer des Unternehmens ist in Kurzarbeit.

Aufträge von Schulen helfen dem Betrieb, zu überleben

Finanziell wird das Loch in der Kasse des 45-jährigen Betriebs aber dennoch immer grösser. Eine Erwerbsersatz­entschädigung hat Stutz nach wie vor nicht erhalten. Lediglich den Notkredit, den der Bund im Frühjahr erteilte, nahm er in Anspruch, will das Geld aber erst im äussersten Notfall ausgeben.

Doch bald könnte es so weit sein: «Wie lange wir so noch weitermachen können, weiss niemand», sagt Stutz nachdenklich. «Wir haben zum Glück noch die Aufträge der Schulen, das ist die einzige Sicherheit, die wir derzeit haben.» Das Unternehmen transportiert Schüler der Heilpädagogischen Schulen Wohlen und Hohenrain sowie Kinder und Erwachsene, die in der St.-Josef-Stiftung in Bremgarten zur Schule gehen und leben. «Solange die Schulen nicht geschlossen werden, können wir einigermassen überleben.»

Das Unternehmen bedient zudem im Auftrag von Postauto den Nachtbus nach Waltenschwil und Hägglingen. Bezahlt wird allerdings nur, wenn tatsächlich Fahrgäste befördert werden. «Momentan kommt es oft vor, dass unsere Fahrer am Bahnhof Wohlen warten und kein einziger Passagier einsteigt», sagt Stutz.

Um bis zu 90 Prozent brechen die Umsätze in der Krise ein

Noch dramatischer sieht die Situation bei Karin Schnyder und ihrer Taxi-Enzian GmbH in Muri aus. «Ich habe mir seit Ende Oktober keinen Rappen Lohn mehr ausbezahlt», sagt sie.

Um 80 bis 90 Prozent seien ihre Umsätze eingebrochen, und das bei gleichbleibenden Fixkosten. Finanzielle Hilfe hat Schnyder dabei bislang lediglich in Form von drei Monaten Kurzarbeitsentschädigung erhalten. Auf die Erwerbsersatzentschädigung wartet sie noch immer. «Uns gibt es einfach nicht», meint sie. «Taxiunternehmen werden komplett vergessen.» Die Rechnung sei dabei eigentlich ganz einfach: Keine Anlässe, geschlossene Bars und Restaurants ergeben unter dem Strich null Fahrten. Sinnbildlich für diese Misere sei der 24. Dezember gewesen: «An Heiligabend sind wir normalerweise pausenlos mit drei Fahrzeugen im Einsatz. In diesem Jahr waren es gerade einmal drei Fahrten.»

Mahnungen und Betreibungen häufen sich. Geblieben seien ihrem Unternehmen lediglich Transporte für Spitäler und Altersheime, wobei auch dort grosse Zurückhaltung herrsche. Schnyder steht vor dem Nichts. Ihre letzte Hoffnung ist die rasche Auszahlung der versprochenen Gelder. Sie wünscht sich, dass Kleinunternehmer wie sie einfacher und schneller an die staatlichen Hilfen kommen. «Ich möchte nicht mehr Geld, sondern endlich das Geld, das mir zusteht.»

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