Jetzt ruft Pro Lindenberg, der Verein gegen Windkraftanlagen auf dem Lindenberg (LU/AG), die Öffentlichkeit zur Vogelbeobachtungen im Bereich Horben/ Grod/Sonneri und zur fotografischen Dokumentation auf. Die Umweltverträglichkeitsprüfung der Windparkinitianten habe ein falsches Bild von der Vogelwelt auf dem Lindenberg gegeben. «Die Kartierungen der Vogelwelt basierte auf vier Beobachtungstagen der Firma Nateco/Basel, ausgeführt im Auftrag der Windparkinitianten. Wir als Einheimische, tägliche Beobachter/-innen wollen dies richtigstellen und nicht so hinnehmen, wie es bisher dargestellt wurde. Unsere eingesendeten Daten wurden nicht berücksichtigt in der Analyse», heisst es im Aufruf.

In der Sommerzeit seien an Spitzentagen bis zu 80 Weissstörche auf dem Lindenberg gezählt worden. Über 30 Rotmilanpaare hätten in der südlichen Area des Lindenbergs ihre Nester. Wanderfalken und Feldlerchen und andere geschützte Vogelarten hatten ihre Heimat in diesem Naherholungsgebiet. Die geplanten Windkraftanlagen würden mit Sicherheit eine Bedrohung für diese geschützten Vogelarten darstellen, heisst es bei Pro Lindenberg. «Vermutlich werden, wenn dieses Projekt bewilligt wird, keine Greifvögel mehr auf dem Lindenberg sesshaft sein.»

Tatsächlich hat die Vogelwarte Sempach im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt schweizweit die Beeinträchtigung die Vogelwelt durch die Nutzung der Windenergie eingeschätzt und entsprechende Konfliktpotenzialkarten erstellt. Das Konfliktpotenzial für die Brut- und Gastvögel bei einem Windpark Lindenberg wird dabei als gering eingeschätzt. Es würden «eher keine» weiteren sensiblen Arten erwartet als die acht aufgeführten Arten: Weissstorch, Rotmilan, Schwarzmilan, Habicht, Sperber, Mäusebussard, Baumfalke und Feldlerche. Nur der Weissstorch gilt gemäss Roter Liste Schweiz als eine gefährdete Art.

Katzen gegen Windräder

Nach den Untersuchungen der Vogelwarte Sempach 2017 in Peuchapatte (JU) zum Vogelschlag an einem bestehenden Windpark mit drei Windkraftanlagen (82 m Rotordurchmesser, 150 m Gesamthöhe) wird bei den Zugvögeln, unter Berücksichtigung der Verluste durch Raubtiere und nicht gefundener Opfer, davon ausgegangen, dass der Windpark je Windkraftanlage zwischen 15 und 32 Schlagopfer forderte. Dies entspreche 0,004 Prozent bis 0,008 Prozent der Vögel, die über den Windpark zogen. «Die gefundenen Schlagopfer waren keine geschützten Arten und keine Raubvögel.

Raubvögel waren anwesend und wurden in Fotofallen festgehalten (zum Beispiel Rotmilane). Sie verunfallten jedoch im Windpark Peuchapatte nicht», legt Roland Eichenberger von AEW/Windpark Lindenberg in einer entsprechenden Dokumentation dar. Und er macht den Vergleich mit der Hauskatze, von der jedes Exemplar pro Jahr etwas mehr als einen Vogel erwischt. «Die 1,66 Millionen Schweizer Katzen reissen jedes Jahr rund 1,8 Millionen Vögel.»

Fotos mit GPS-Angaben nötig

Pro Lindenberg will mit entsprechenden Fotos beweisen, dass sich die Situation auf dem Lindenberg anders darstellt als geschildert. Dazu ist allerdings notwendig, dass die Fotos – vor allem von Rotmilanen, Störchen, Schwarzmilanen, Falken, Uhus und Feldlerchen, die mit ihrem Brutvorkommen unter Schutz stehen – mit GPS-Kamera-Apps aufgenommen werden. «Wir können nur Fotos mit GPS-Angaben und Datum/Zeitangaben zur rechtlichen Verwertung anwenden», hält Isi Schennach von Pro Lindenberg im neusten Newsletter der Vereinigung fest. «Wir kartieren die Vogelbeobachtungen und senden diese erneut ein. Wir brauchen diese Angaben jetzt, von März bis April/Mai sind die Brutnester besetzt.»