Wohlen

«Wir ziehen jetzt besser die Notbremse»: Circus Monti sagt Tournee 2020 ab

Schweren Herzens musste Zirkusdirektor Johannes Muntwyler die Reissleine ziehen. Doch das ist nicht das Ende für Monti.

So viele Medienvertreter waren wohl noch nie gleichzeitig im Proberaum des Circus Monti. Alle wollten  an der Medienkonferenz wissen, ob der beliebte Wohler Zirkus, dessen Zelt als eines der wenigen noch regelmässig ausverkauft ist, im August in seine 36. Tournee startet oder nicht.

Monti-Direktor Johannes Muntwyler fiel es sichtlich schwer, als er sagte: «Es ist definitiv, die Monti-Tournee 2020 findet nicht statt.» Und das, obwohl am Tag zuvor vom Bundesrat weitere Lockerungen des Corona-Lockdowns beschlossen worden waren. «Grundsätzlich dürften wir die Tournee durchführen», hielt Muntwyler fest. «Aber unter diesen Bedingungen könnten wir entweder nicht für den Schutz unserer Gäste und Mitarbeiter garantieren. Oder wir würden etwas durchstieren, was überhaupt nicht dem Circus Monti entspricht. Beides wollen wir auf keinen Fall.»

Circus Monti sagt Tournee zum ersten Mal in seiner Geschichte ab

Circus Monti sagt Tournee zum ersten Mal in seiner Geschichte ab

Die Auswirkungen der Coronakrise zeigen sich auch beim Wohler Traditionszirkus. Der Circus Monti sagt alle Vorführungen für das Jahr 2020 ab. Zum ersten Mal überhaupt muss eine Tournee abgesagt werden.

Artisten und Regisseurin können gar nicht einreisen

Dass ihre Saison nur noch vier Monate dauert und erst im August Premiere feiert, hätte dem Monti zugutekommen können. Viele andere Zirkusse sitzen auf ihren Programmen und können nicht auftreten. «Bei uns hätten die Proben erst Mitte Juni begonnen. In den zwei Monaten vor der Premiere wäre das Programm erst richtig entstanden», so Johannes Muntwyler. «Denn die Gruppennummern, die hier, im Winterquartier in Wohlen, entstehen, gehören ja mit zum Charme des Circus Monti.»

Allein die zweimonatige Probephase birgt aber zwei grosse Probleme: Einerseits hätten die Abstandsregeln und die Maskenpflicht bei den Proben im heissen Juni und Juli nicht eingehalten werden können. «Andererseits können viele Artisten im Moment aber auch gar nicht einreisen. Ebenso die Regisseurin, die aus Kanada kommt.»

Zirkusbesuch soll rundum schönes Erlebnis sein

Doch selbst wenn das geklappt hätte, hätte natürlich auch im Innern des Zirkuszeltes der Abstand eingehalten werden müssen. «Der Bundesrat schreibt momentan eine maximale Kapazität von 300 Personen vor, die an Konzerten oder in Theatern zugelassen sind», hält der Monti-Direktor fest. «Das wäre für uns rein finanziell nicht tragbar, denn wir haben normalerweise einen Besucherdurchschnitt von 500 Leuten.»

Ausserdem hätten sich Muntwyler und sein Team überlegen müssen, wie sie die Zuschauer auf den Bänken dazu bringen könnten, Abstand zu halten. «Mit Absperrbändern oder Plexiglas? Da wäre ein richtiges Zirkuserlebnis doch gar nicht mehr möglich.» Dazu kann auch beim Einlass und am Buffet, an dem man sich vor und nach der Vorstellung oder in der Pause mit Popcorn, Zuckerwatte und Getränken versorgen kann, der Abstand unmöglich eingehalten werden.

Johannes Muntwyler fasst kopfschüttelnd zusammen: «Nein, wir wollen, dass die Leute sich bei uns rundum wohlfühlen. Ein Zirkusbesuch ist ein emotionales Erlebnis. Da gehören nicht nur die Artisten dazu, sondern auch das ganze Ambiente, die Zuckerwatte, das ungezwungene Beisammensein. Da ziehen wir jetzt besser die Notbremse und freuen uns dafür aufs Variété und die 36. Saison im 2021.»

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