Wohlen
Chappelehof soll doch kein Gemeinschaftszentrum werden

Weil Wohlen zu wenig Geld und zu wenig Personal dafür hat, soll der Chappelehof kein Gemeinschaftszentrum werden. Ausserdem ist die Gemeinde nicht Besitzerin des Gebäudes, sondern der Verein St. Leonhard. Der Gemeinderat beantragt, das Postulat von SP-Einwohnerrätin Laura Pascolin nicht zu überweisen.

Nathalie Wolgensinger
Merken
Drucken
Teilen
Eine Begegnungsstätte für Jung und Alt ist der der Chappelehof auch jetzt schon – und das soll er bleiben.

Eine Begegnungsstätte für Jung und Alt ist der der Chappelehof auch jetzt schon – und das soll er bleiben.

Marc Ribolla (3.3.2020)

Eigentlich ist die Idee von SP-Einwohnerrätin Laura Pascolin bestechend: Warum nicht ein Begegnungszentrum für Jung und Alt im Chappelehof einrichten? Gegenüber der Gemeindeverwaltung gelegen, fände unter einem Dach all das Platz, was Jung und Alt zusammenbringt. In ihrem Postulat machte sie denn auch beliebt, dass im Chappelehof sowohl Präventionsarbeit als auch Vereinsangebote und Altersarbeit untergebracht würden. Neues Leben wollte sie dem Gebäude mit Baujahr 1967 einhauchen und es zum Gemeinschaftszentrum weiterentwickeln.

Pascolins Argumente seien nicht von der Hand zu weisen, schreibt der Gemeinderat. Er hält jedoch fest: «Ein Konzept für ein neues Gemeinschaftszentrum mit erweitertem Angebot müsste von Grund auf neu entwickelt werden.» Und:

«Dieser umfangreiche Prozess kann mit den der Gemeinde Wohlen zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen und finanziellen Mitteln zurzeit nicht getragen werden.»

Ausserdem mahnt er, dass man nicht vergessen dürfe, dass der Verein St. Leonhard Besitzer der Liegenschaft sei und andere Absichten verfolge. Der Gemeinderat möchte deshalb prüfen, ob es nach der Sanierung möglich ist, Dienstleistungen der Gemeinde im Chappelehof unterzubringen und damit zur Erhaltung der Liegenschaft beizutragen. Er schreibt:

«Der Verein verspricht sich davon eine zuverlässige Mietpartei, deren langfristiger Charakter bei der Sicherstellung der Fremdfinanzierung eine wichtige Bedeutung erlangt.»

Zudem weist er darauf hin, dass der Chappelehof als Begegnungszentrum heute schon Alterswohnungen, einen Jugendraum, Raum für kulturelle Veranstaltungen, Angebote wie die Mütter- und Väterberatung, die regionale Musikschule sowie Sitzungszimmer für politische Parteien und weitere Organisationen zur Verfügung stellt.

Es mangelt an finanziellen und personellen Ressourcen

Man erkenne zwar das zusätzliche Potenzial einer erweiterten Palette an sozialer, kultureller und soziokultureller Angebote, die zur gesellschaftlichen Teilhabe und Chancengleichheit beitragen. Aber ein solches Konzept müsste von Grund auf neu erarbeitet werden.

Einwohnerrätin Laura Pascolin zeigt sich keineswegs enttäuscht von der Ablehnung. Sie habe damit gerechnet, dass das Postulat abgelehnt werden könnte und sagt:

«Für mich war das Postulat ein Mittel zum Zweck, um auf den Verein St. Leonhard und seine Anliegen aufmerksam zu machen.»

Der Verein St. Leonhard präsentierte im November des vergangenen Jahres sein umfangreiches Projekt der Rundumerneuerung. Die Generalversammlung hiess den Projektierungskredit für die Sanierung in Höhe von 870'000 Franken gut. Dieses Jahr noch soll die Baueingabe erfolgen, 2022 bereits der Spatenstich.

Seit Anbeginn ein Gemeinschaftsprojekt

Das neue Projekt sieht vor, den Chappelehof in seiner Form zu belassen. So sollen auch künftig ein Restaurant und in den oberen Geschossen Büro- und Vereinsräume sowie Alterswohnungen Platz finden. Beibehalten wird auch die Plattform im Untergeschoss, die Kegelbahn und Räume für Jungwacht/Blauring, den Sami­chlausverein, die Mütter- und Väterberatung sowie weitere Institutionen.

Die Sanierungskosten sind happig. Auf rund 12,4 Mio. Franken werden sie geschätzt. Um diese stemmen zu können, ist der Verein auf Zuwendungen von Stiftungen und Privaten angewiesen.

Ein Blick zurück zeigt, dass der Chappelehof schon bei seiner Erstellung ein Gemeinschaftsprojekt war. An der Finanzierung des Gebäudes beteiligten sich nebst der katholischen Kirche auch die Ortsbürgergemeinde, die Einwohnergemeinde sowie Bund und Kanton. Eigentümerin des Gebäudes ist der Verein St. Leonhard. Das Land stellt die katholische Kirche im Baurecht zur Verfügung.