Wohlen
Das Lese-Tandem nimmt Fahrt auf: Wie Sophia lernt, flüssig zu lesen

Drei ehrenamtlich arbeitende Mentorinnen treffen sich wöchentlich in der Gemeindebibliothek Wohlen mit Primarschülern und lesen gemeinsam mit ihnen. Das Angebot ist begehrt, mehr als 30 Kindern musste abgesagt werden. Im neuen Schuljahr soll es zusätzliche Plätze geben.

Nathalie Wolgensinger
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Christine Hornung ist die Lesementorin von Sophia. Sie treffen sich einmal pro Woche in der Gemeindebibliothek und lesen eine halbe Stunde lang.

Christine Hornung ist die Lesementorin von Sophia. Sie treffen sich einmal pro Woche in der Gemeindebibliothek und lesen eine halbe Stunde lang.

Nathalie Wolgensinger

Sophia schiebt ihr Lesezeichen von Zeile zu Zeile. Das hilft ihr, dass sie nicht zwischen den Zeilen verrutscht. Ihre Lesementorin Christine Hornung liest leise mit. Drei Seiten, das haben die beiden vorher vereinbart, wollen sie heute im «Magischen Baumhaus» lesen.

Lesen gehört nicht zu Sophias Steckenpferden. Die Neunjährige treibt viel lieber Sport oder trifft sich mit Freundinnen. Damit sie lernt, flüssiger zu lesen, trifft sie sich einmal in der Woche mit Christine Hornung im Obergeschoss der Gemeindebibliothek.

Hornung ist eine von drei ehrenamtlich mitarbeitenden Frauen, die sich seit März dieses Jahres für die Mitarbeit beim Lese-Tandem zur Verfügung stellen. Carine Büscher, die das Projekt im Auftrag der Gemeindebibliothek betreut, erzählt:

«Wir haben mehr als dreissig Anmeldungen erhalten. Derzeit sind es vier Kinder, die mitmachen können. Im neuen Schuljahr können wir zusätzliche Plätze anbieten.»

Die Nachfrage ist gross. Zu gross. Carine Büscher sagt: «Uns fehlt der Platz. Wir können zwar die Räume im oberen Stockwerk der Bibliothek benutzen, das reicht aber nicht, um die grosse Nachfrage zu bewältigen.» Und auch die zusätzlichen Helferinnen, die auf das kommende Schuljahr engagiert werden konnten, können die grosse Nachfrage nicht gänzlich auffangen.

Die Sprach- und Leseförderung soll die Primarschüler nicht nur kurzfristig zum Lesen motivieren, sondern ihre Freude daran stärken und im besten Fall zu einer Gewohnheit machen. Das Angebot wird von der Bibliotheksförderung des Kantons Aargau koordiniert.

Da ist ein eingespieltes Team am Werk

Sophia hat die drei Seiten fertiggelesen. Christine Hornung fordert sie auf, sich etwas zu bewegen. Die Augen der Schülerin beginnen zu leuchten. Sie juckt auf und springt von einem Bein aufs andere, reisst die Arme in die Höhe und lacht. Man merkt, da ist ein eingespieltes Team am Werk.

Auf den Würfeln sind verschiedene Sujets aufgedruckt, dazu erfindet Sophia eine fantasievolle Geschichte.

Auf den Würfeln sind verschiedene Sujets aufgedruckt, dazu erfindet Sophia eine fantasievolle Geschichte.

Nathalie Wolgensinger

Nun geht Sophia wieder konzentriert an die Arbeit. Christine Hornung schlägt ein Spiel vor. Sophia darf würfeln und sich eine Geschichte zu den Sujets auf den Würfeln einfallen lassen. Flink reiht sie Würfel an Würfel und fabuliert dabei wild vor sich hin.

Nicht nur Sophia profitiert von den Treffen mit ihrer Lesementorin. Christine Hornung erzählt:

«Sophia hat seit März ganz tolle Fortschritte gemacht, das freut mich sehr. »

Hornung ist Mutter zweier Mädchen, die im ähnlichen Alter sind wie Sophia. Das Lese-Tandem sei für sie ein Hobby, das ihr viel Freude bereite, erzählt sie begeistert.

Perlen am Lesezeichen zeigen den Erfolg

Auch Susi Schneeberger, die zwei Knaben betreut, freut sich über die erzielten Fortschritte. Die pensionierte Kindergärtnerin zeigt auf ein Blatt Papier, auf dem einer ihrer Schüler etwas notiert hat und kommentiert: «Noch vor wenigen Wochen sah das nicht so sauber und leserlich aus. Das haben wir gemeinsam erreicht.»

Die halbe Stunde ist im Nu vorbei. Bevor die neunjährige Sophia geht, darf sie eine weitere Perle auf den Bändel an ihrem Lesezeichen aufziehen. Ein sichtbares Zeichen für die Arbeit, die sie gemeinsam mit Christine Hornung geleistet hat. Bevor sie losspringt, verrät die Drittklässlerin noch:

«Ich lese immer noch nicht so gerne. Aber mit Frau Hornung macht es mir viel Spass.»

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