Wohlen
Er ist der Grossvater des Motocross: 91-Jähriger wird für 70 Jahre Vereinstreue geehrt

An der 74. Generalversammlung des Motorsportclubs Wohlen wurden unter anderem langjährige Mitglieder geehrt. Mit 70 Jahren Vereinstreue überflügelt Lieni Strebel dabei alle. Doch auch die 60-jährige Vereinsmitgliedschaft von Leo Hegglin ist nahezu unvorstellbar und wurde natürlich ebenfalls geehrt.

Alessia Fontana
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Leo Hegglin (links) wurde für 60 Jahre im MSCW geehrt. Lieni Strebel (neben ihm seine Frau Lisa) sogar für deren 70.

Leo Hegglin (links) wurde für 60 Jahre im MSCW geehrt. Lieni Strebel (neben ihm seine Frau Lisa) sogar für deren 70.

zvg

«Motocross war damals für alle etwas Neues und Einzigartiges», betont Lieni Strebel. Er erinnert sich noch gut an das Jahr 1956, dann nämlich wurde das allererste Motocrossrennen in Hilfikon durchgeführt. Und der heute 91-Jährige war dabei. «Da hat alles begonnen», sagt Lieni, den auf dem Crossgelände fast alle mit Vornamen kennen. Ausserdem duzt man sich am Motocross generell. Dann versinkt er in Gedanken in jener lange zurückliegenden Zeit.

Für Lieni war das erste Motocross aber enttäuschend, denn er konnte lediglich die parkierten Motocrosstöffs bestaunen. Grund dafür war, dass er damals dem Motorradpark zugeteilt wurde, wo er den ganzen Tag Aufsicht hatte. Eins war für ihn sicher: «Das war mein letztes Jahr im Motorradpark.»

So kam es auch: Im Jahr darauf war er Streckenwärter und konnte das Spektakel hautnah vom Streckenrand aus mitverfolgen. Ab damals deckte Lieni die ganze Bandbreite der verschiedenen Ämter ab. Vom stellvertretenden Streckenchef über den erweiterten Vorstand und Bauamtschef bis hin zum eifrigen Festwirtschaftshelfer.

Das Organisationskomitee des Motocross in Hilfikon von 1958. Ganz links steht der junge Lieni Strebel.

Das Organisationskomitee des Motocross in Hilfikon von 1958. Ganz links steht der junge Lieni Strebel.

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Heute steht Lieni zusammen mit seiner Frau Lisa noch immer in der Küche und versorgt die hungrigen Motocrossbesucher. Während Lieni erzählt, ergänzt Lisa strahlend:

«Wir frittieren und schöpfen, bis der Allerletzte seine Portion Pommes frites gekriegt hat.»

Es brauchte zwei Dinge: Einen Fahrausweis und ein Motorrad

Doch wie kam Lieni dazu? War er schon immer angefressener Töfffahrer gewesen? Nein. Die Reise begann vor 72 Jahren, als der Motorsportclub Wohlen 1949 gegründet wurde – damals noch unter dem Namen Velo-Motorsportclub Wohlen.

Lieni Strebel lebte damals in einem Zweifamilienhaus an der Unteren Haldenstrasse in Wohlen. Wie es der Zufall so wollte, war Lienis Mieter Mitglied des frischgebackenen Velo-Motosportclubs. Der junge Lieni durfte sich bei den Sonntagsausfahrten gelegentlich hinten auf den Töff setzen und den kühlen Fahrtwind geniessen.

Lieni und Lisa Strebel neben der Auszeichnung für 70 Jahre Mitgliedschaft im MSC Wohlen.

Lieni und Lisa Strebel neben der Auszeichnung für 70 Jahre Mitgliedschaft im MSC Wohlen.

Alessia Fontana

Für eine Mitgliedschaft galt es, zwei Hürden zu überwinden: Man brauchte einen Fahrausweis und ein Motorrad. Das galt damals natürlich nur für Männer, Frauen waren noch nicht im Verein zugelassen. Nachdem er 1950 die Fahrprüfung bestanden hatte, tat sich Lieni mit seinem Bruder zusammen. Die beiden kauften sich einen Töff. Nun stand der Mitgliedschaft nichts mehr im Weg und Lieni wurde an der Generalversammlung 1951 – zwei Jahre nach der Gründung – in den Verein aufgenommen.

«Dann tue ich es eben selbst» – die lustige Geschichte um einen Stein

Das Einzige, was Lieni Strebel in all den Jahren nie an einem Motocross gemacht hat, war, selber als Fahrer an den Start zu gehen. Die gemeinsamen Sonntagsausfahrten auf dem Motorrad waren für ihn bereits das Grösste. Im Laufe der Jahre gewann das Motocross allerdings immer mehr an Bedeutung und die Sonntagsausfahrten wurden immer seltener. Dies verkraftete Lieni aber gut, sagt er, da er mit vier Töchtern alle Hände voll zu tun hatte.

Das Motocross Wohlen feiert 2015 sein 60-Jahr-Jubiläum. Hier sitzt Lieni Strebel auf dem eigenartigen Stein.

Das Motocross Wohlen feiert 2015 sein 60-Jahr-Jubiläum. Hier sitzt Lieni Strebel auf dem eigenartigen Stein.

Toni Widmer (10.4.2015)

«Die Zeit vergeht und man lebt mit dem Verein mit. Jedes Jahr ist das Motocross wieder etwas Einzigartiges», erinnert er sich. Nach 25 Jahren Mitgliedschaft wurde er Ehrenmitglied. Stets war er bei den Arbeiten auf dem Motocrossgelände mit dabei. So auch in jenem Jahr, wo die Geschichte mit dem Stein passierte.

Damals, daran erinnert sich Lieni noch gut, wurde bei den Aufbauarbeiten ein riesiger Stein gefunden. «Niemand wusste, was das für ein Stein war, geschweige denn, wie er dort hingekommen war.» Lieni wollte, dass ein Klubkollege, der Steinhauer war, die Jahreszahl darauf eingravierte. Dieser weigerte sich jedoch. Lachend erinnert sich Lieni:

«Ich sagte zu ihm: Dann tue ich es eben selbst, auch wenn es unschön rauskommt.»

Nach mehreren Diskussionen liess sich der Steinhauer dann doch erweichen und gravierte «25 Jahre Motocross» in den Stein. Dieser Stein steht heute noch neben der Baracke.

Der «Brätlichef» und der «Fritteusenchef» – die Grossväter des Cross

Leo Hegglin wurde für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Die beiden «Grossväter» des Vereins stehen bereits viele Jahre Seite an Seite in der Festwirtschaft. Leo Hegglin als «Brätlichef» und Lieni als «Fritteusenchef». «Man arbeitet zusammen, redet zusammen, erlebt zusammen», hält Lieni fest.

So kennt man sie: Lieni und Lisa Strebel an der Motocross-Fritteuse.

So kennt man sie: Lieni und Lisa Strebel an der Motocross-Fritteuse.

zvg

Das Miteinander sei sehr wichtig und klappe immer wieder sehr gut. Leo Hegglin wanderte ins Tessin aus und gründete ein Kaminfeger-Geschäft. Nichts konnte ihn jedoch davon abhalten, jedes Jahr im Frühjahr ins Freiamt zurückzukehren, um beim Motocross in der Küche mitzuhelfen, berichtet Lieni.

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