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Hündeler am Büelisacherkanal: «Nicht die Hunde müssen an die Leine, sondern die Landwirte und der Gemeinderat»

Der Fussgängerübergang beim Wohler Büelisacherkanal hat sich im Laufe der vergangenen vier Jahre zum Politikum entwickelt. Nun präsentiert die Arbeitsgruppe einen Lösungsvorschlag. Doch dieser trifft bereits auf Widerstand, die Leinenpflicht stösst den Hundehaltern sauer auf.

Nathalie Wolgensinger
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Der Übergang über den Büelisacherkanal soll mit einem Handlauf versehen werden und der Stein durch eine Betonplatte ersetzt werden.

Der Übergang über den Büelisacherkanal soll mit einem Handlauf versehen werden und der Stein durch eine Betonplatte ersetzt werden.

Nathalie Wolgensinger

«Das sind die falschen Massnahmen», sagt Hundehalter Markus Karl Kasper. Er ist regelmässig mit seinem Hund Felix an der Bünz unterwegs. Nun soll er diesen an die Leine nehmen. Das kann der Wohler nicht verstehen. Dabei ist er nicht der einzige. Immer wieder ist die beliebte Hunde-Gassi-Strecke an der Bünz zwischen Wohlen und Waltenschwil Gesprächsthema im Dorf. Aber nicht nur wegen der neuen Leinenpflicht.

Es geht darum: Vor vier Jahren wurde der Hochwasserschutzdamm in Wohlen eröffnet. Seither lassen sich die Wohlerinnen und Wohler in Leserbriefen darüber aus. Und zwar vor allem über den Fussgängerübergang auf der westlichen Seite des Bauwerks.

Fussgänger sollten auf den Damm gelenkt werden

Für Menschen mit physischer Beeinträchtigung oder Personen mit Kinderwagen ist die kleine Treppe entlang der Böschung unpassierbar. Hinzu kommt, dass der Übergang über den Büelisacherkanal bei höherem Wasserstand überspült wird.

Der Hochwasserdamm von Waltenschwil aus gesehen, links die Treppe, die zum Spazierweg führt.

Der Hochwasserdamm von Waltenschwil aus gesehen, links die Treppe, die zum Spazierweg führt.

Nathalie Wolgensinger

Dass die Passage über den Kanal als Trampelpfad angelegt wurde, geschah in der Absicht, die Fussgänger auf den ausgebauten und befestigten Weg auf der Dammseite zu lenken. Die Arbeitsgruppe, die sich während der Planungsphase mit den Anliegen der verschiedenen Nutzungsgruppen befasste, befand, dass auf der westlichen Seite die Interessen von Naturschutz und Landwirtschaft höher zu gewichten sind und ein einfacher Trampelpfad über den Kanal genügt.

Dies stiess auf grossen Widerstand. Hundehalter bevorzugen für ihren Spaziergang die Bünzseite ohne Veloverkehr. Dort können sie ihre Tiere frei laufen lassen, ohne dass diese einem Fahrradfahrenden in die Quere kommen. Die Kritik am Trampelpfad riss auch nach vier Jahren nicht ab. So erklärte sich der Kanton, der Eigentümer der Anlage ist, bereit, sich der Sache nochmals anzunehmen.

Übergang kostet 124'000 Franken

Nun präsentiert der Gemeinderat den Antrag, der für einen neuen Übergang Kosten von 124000 Franken vorsieht. Wobei Wohlen den Löwenanteil von 74400 Franken stemmen muss, der Kanton bezahlt 49600 Franken.

Die Treppe ist nicht viel mehr als ein Trampelpfad, der von Menschen mit einer Gehbehinderung nicht bewältigt werden kann.

Die Treppe ist nicht viel mehr als ein Trampelpfad, der von Menschen mit einer Gehbehinderung nicht bewältigt werden kann.

Nathalie Wolgensinger

Genauer sieht das Projekt vor, dass der Treppenabgang mit einem Handlauf versehen und ein Steg aus Beton eingesetzt werden soll. Der Gemeinderat schreibt allerdings: «Mit der Aufwertung der Wegverbindung steigt der Erholungsdruck auf die Natur und Landwirtschaft.»

Aus diesem Grund werde man mit Infotafeln auf die Anliegen von Naturschutz und Landwirtschaft aufmerksam machen. Für einen Aufschrei bei den Betroffenen sorgt jedoch das eingangs erwähnte Detail: Auf beiden Seiten der Bünz soll Leinenpflicht für Hunde eingeführt werden

Der Hundehalter fordert vernetztes Denken

Hundehalter Kasper sagt: «Man muss die Landwirte und die Gemeinde an die Leine nehmen, nicht die Hunde.» Denn nicht die würden für ein ökologisches Ungleichgewicht und den Rückgang der Biodiversität sorgen, sondern der Einsatz von Dünger, ist er überzeugt.

Er spielt auf den Umgang mit Pestiziden in der Landwirtschaft und die Schliessung der Grundwasserfassung Eichholz an. Das Pumpwerk, das sich in direkter Damm-Nähe befindet, wurde 2019 geschlossen, weil die Grenzwerte der Chlorothalonil-Sulfonsäure überschritten wurden. Er fordert von den Verantwortlichen ein vernetztes Denken. Denn:

«Diese Art der Problemlösung zeugt meiner Ansicht nach von einer verschobenen Wahrnehmung.»

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