Wohlen
Jugendarbeit soll endlich mehr Geld erhalten — doch auch dann bleibt Wohlen noch Schlusslicht bei der Jugendförderung

Seit 1990 leistet der Verein für Jugend und Freizeit (VJF) in Wohlen Jugendarbeit. Vieles hat sich in den bald 22 Jahren verändert. Nicht aber die Entlöhnung für den VJF. Nun soll sich das ändern. Der Gemeinderat beantragt eine Erhöhung um 52'500 Franken jährlich.

Pascal Bruhin
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Die «Respect Patrol» in der Wohler Badi ist nur eines der vielen Projekte der Offenen Jugendarbeit Wohlen. Sozialarbeiter Luca Baldelli bespricht hier gerade mit einer Gruppe Jugendlicher, wie sie Abfallsünder auf ihr Verfehlen aufmerksam machen sollen.

Die «Respect Patrol» in der Wohler Badi ist nur eines der vielen Projekte der Offenen Jugendarbeit Wohlen. Sozialarbeiter Luca Baldelli bespricht hier gerade mit einer Gruppe Jugendlicher, wie sie Abfallsünder auf ihr Verfehlen aufmerksam machen sollen.

Pascal Bruhin
(5. Juli 2021)

Die «Respect Patrol» war ein voller Erfolg. Das Pilotprojekt der Offenen Jugendarbeit Wohlen, bei dem Jugendliche in der Wohler Badi für Anstand und Ordnung sorgen, zauberte nicht nur dem Schüwo-Park-Geschäftsführer Christian Meier ein Lächeln ins Gesicht. Alle Jugendlichen wollen nächstes Jahr wieder mitmachen.

Ob es so weit kommt, bleibt allerdings fraglich. Denn der Einsatz der «Respect Patrol» war nur möglich, weil das Angebot der «Offenen Turnhalle» coronabedingt nicht stattfand. Beides gleichzeitig durchzuführen, ginge nicht, denn es fehlt der Jugendarbeit an Geld und dadurch auch an Personal.

Beitrag der Gemeinde wurde niemals erhöht

Seit 1990 leistet der Verein für Jugend und Freizeit (VJF) in Wohlen offene Jugendarbeit. Geändert haben sich in den bald 22 Jahren Modetrends, Musikstile und Vokabular der Jugendlichen. Nicht aber die Entlöhnung für die Arbeit ihrer Betreuer. 180'000 Franken jährlich erhält der VJF seit 1994 unverändert von der Gemeinde. Nun soll sich das ändern. Der Gemeinderat beantragt dem Einwohnerrat eine Erhöhung auf insgesamt 232'500 Franken jährlich.

Dass das dringend nötig ist, zeigt ein Blick zurück. Bei der Volksabstimmung 1993 über die definitive Einführung der Offenen Jugendarbeit nach der Pilotphase wurde ein Stellenpensum von 210 Prozent festgelegt. Schon 2002 mussten die Pensen gekürzt werden. Ab 2019 mussten sie gar nochmals von 195 auf heute 180 Prozent reduziert werden.

Der Hauptsitz der Offenen Jugendarbeit Wohlen am Sorenbühlweg.

Der Hauptsitz der Offenen Jugendarbeit Wohlen am Sorenbühlweg.

Andrea Weibel

Ein Grund dafür ist die Teuerung, die in all den Jahren nie ausgeglichen wurde. Seit 1994 sind die Konsumentenpreise um 15 Prozent gestiegen. Ein weiterer Grund: das Bevölkerungswachstum. 2021 gibt es rund 4300 Wohlerinnen und Wohler mehr als bei der Einführung der Offenen Jugendarbeit. Das entspricht einem Anstieg von 34 Prozent – und der schlägt sich auch in der Zahl der zu betreuenden Kinder und Jugendlichen nieder.

Gemeinderat wollte schon 2013 erhöhen

Bekannt ist das Problem schon lange. Schon 2013 wollte der Gemeinderat den jährlichen Beitrag der Gemeinde auf 225'000 Franken erhöhen. Der Einwohnerrat lehnte eine Budgeterhöhung aber ab. Seither hat sich nichts mehr getan.

Nun folgt also ein neuer Anlauf. Der Gemeinderat betont in seinem aktuellen Bericht und Antrag:

«Für die Gemeinde sind die Leistungen der Jugendarbeit wichtig für die positive Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Die Leistungen, die der VJF in den vergangenen Jahren erbracht hat, sind erwiesenermassen gross.»

Er beantragt — «im Bewusstsein, nicht über unbeschränkte finanzielle Mittel zu verfügen» — eine teuerungsbedingte Erhöhung um 27'000 Franken sowie eine Pensenanpassung auf 200 Prozent im Betrag von 25'500 Franken. Was nach relativ viel Geld klingt, ist in der Tat nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

340 Stellenprozente wären eigentlich nötig

Der Dachverband für Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz empfiehlt 200 Stellenprozente pro 10'000 Einwohner. Benötigt würden demnach in Wohlen mit seinen rund 17'000 Einwohnenden 340 Stellenprozente. Das wird auch nach der beantragten Erhöhung bei weitem nicht der Fall sein.

Auch im Vergleich mit den anderen grossen Aargauer Gemeinden (Aarau, Wettingen, Baden) steht die Jugendarbeit Wohlen schlecht da. Und selbst verglichen mit anderen Freiämter Gemeinden (Bremgarten, Muri, Villmergen) rangiert Wohlen abgeschlagen auf dem letzten Rang.

Jugendarbeit – Vergleich der Aargauer Gemeinden

Aarau
Baden
Muri
Bremgarten
Wettingen
Villmergen
Wohlen
Ausgaben pro Einwohner in CHF/Jahr01020304050

Der Gemeinderat kommt zum Schluss:

«Keine der verglichenen Gemeinden gibt weniger Mittel für die Offene Jugendarbeit aus als Wohlen.»

Eine Erhöhung des Beitrags sei daher angesichts der vielfältigen und heterogenen Bevölkerungsstruktur und der grossen Vielfalt an jugendrelevanten Themen unumgänglich. Der Gemeinderat mahnt aber: «Mit dieser Erhöhung liegt Wohlen nach wie vor am Schluss der Rangliste.»

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