Wohlen
Schulraumproblem in Wohlen soll vorerst gelöst werden – für 56 Millionen Franken

Die Gemeinde Wohlen bringt nicht nur den Kreditantrag vor den Einwohnerrat, sondern zeigt durch Visualisierungen auch, wie das neue Primarschulhaus Halde dereinst aussehen soll. In Etappen sollen die Gebäude zwischen 2024 und 2026 bezogen werden können.

Andrea Weibel
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Neues Schulhaus Halde in Wohlen – so soll die Primarschule einmal aussehen.

Neues Schulhaus Halde in Wohlen – so soll die Primarschule einmal aussehen.

Visualisierung/zvg

Dass Wohlen viel zu wenig Schulraum hat, wird seit Jahren immer deutlicher. Jetzt soll das Problem gelöst werden. Und zwar durch das Schulzentrum Halde. Wie bereits bekannt, soll das Bezirksschulhaus teilweise abgerissen und neu gebaut werden. Noch nicht bekannt war, wie das neue Primarschulhaus Halde dereinst aussehen soll.


Das Innere der neuen Primarschule soll lichtdurchflutet werden (links). Ebenso das Dachgeschoss der Bezirksschule. Visualisierung/zvg


Vor knapp einem Jahr wurde klar, dass der bis dahin berechnete Kreditrahmen von 30 Mio. Franken nicht ausreichen würde. Die neue Zahl betrug 53,4 Mio. Franken. Dies erklärte Gemeinderat Thomas Burkard damals so, dass nicht mehr nur zwei Neubauten, sondern total fünf Einzelprojekte im Raum stehen.

«Wir haben mit dem Wietlisbach-Schulhaus sowie der Primarschule und der Bezirksschule Halde drei Altbauten, die umfassend saniert werden müssen. Weiter sprechen wir mit der Primarschule und dem Anbau Bezirksschule von zwei Neubauten.» Die beiden Neubauten summieren sich zusammen auf rund 30 Mio. Franken.

Fünf Einzelprojekte bilden eine Einheit

Im März 2020 genehmigte der Einwohnerrat dann erneut eine Erhöhung von 1,18 Mio. Franken für das Grossprojekt. Nun kommt der Gesamtkredit vor den Einwohnerrat: 55,95 Mio. Franken sollen die fünf Einzelprojekte im Schulzentrum Halde kosten. Diese sind:

  • Primarschule Altbau: Das Primarschulhaus wurde zwischen 1851 und 1854 erbaut. Es wird einer Gesamtinstandsetzung unterzogen. Eine neue Fernwärmeleitung ab der Technikzentrale im Neubau Primarschule versorgt das Gebäude mit Wärme. Hier kommen unter anderem sechs Klassenzimmer, drei Gruppenräume, Spezialunterrichtsräume und Lehrerarbeitsplätze, Lagerräume und Garderoben unter.
  • Primarschule Neubau: Neben dem Bauplatz befindet sich das in den 1830er-Jahren erbaute und kantonal geschützte Wohnhaus an der Bremgarterstrasse 7. Im Kulturgesetz des Kantons ist verankert, dass Neubauten die Wirkung von Schutzobjekten nicht beeinträchtigen dürfen. Darum wurden Platzierung und äussere Erscheinung des Neubaus mit der kantonalen Denkmalpflege entwickelt. Hier kommen 13 Klassenzimmer mit 6 Gruppenräumen, Logopädie, Heilpädagogik, Büro der Schulleitung, Sekretariat, Lehrerzimmer, Lehrerarbeitsplätze, ein Mehrzweckraum, die Heizzentrale für das ganze Schulzentrum Halde und weitere Räume unter.
  • Bezirksschule Altbau: Die heutige Bezirksschule mit Turnhalle ist ein historisch gewachsenes Ensemble. Der älteste Gebäudeteil wurde von 1897 bis 1898 erbaut. Das Objekt ist im Inventar der schützenswerten Bauten. Sein Inneres wurde 1968/71 vollständig modernisiert. Der Bestand wird einer Gesamtinstandsetzung unterzogen. Auf drei Geschossen plus Dachgeschoss sind unter anderem neun Inputzimmer, zwei Lernlandschaften und mehrere Spezialzimmer, beispielsweise für Informatik, bildnerisches Gestalten, Musik oder Schulsozialarbeit geplant. Im Untergeschoss soll ein Musiksaal, ein Schlagzeugraum, Werk- und Technikräume entstehen.
  • Bezirksschule Neubau: Im Zuge der Projektentwicklung wurde klar, dass der bestehende Turnhallentrakt für die schulischen Nutzungen nicht geeignet ist: zu geringe Gebäudetiefe, mangelnde natürliche Belichtung, Einblickproblematik aufgrund der Nähe zur Pilatusstrasse, ungünstiges Kosten-Nutzenverhältnis, mangelnde Nutzungsflexibilität. Um das geforderte Raumprogramm umsetzen zu können, wird der Turnhallentrakt rückgebaut und ein Ersatzanbau erstellt. Hier entstehen auf drei Geschossen vier Lernlandschaften, Büro und Werkstatt des Hauswarts, ein Musikraum, Schülerarbeitsplätze und mehr.
  • Wietlisbachschulhaus: Das ehemalige Negotiantenhaus (Wohn- und Geschäftshaus) wurde 1869 erbaut und ist seit 1913 im Schulbetrieb. Es ist im Inventar der schützenswerten Bauten. Das Gebäude wird einer Gesamtinstandsetzung unterzogen. Hier kann der wachsende Raumbedarf der schulergänzenden Betreuung abgedeckt werden.

Nun legt der Gemeinderat dem Einwohnerrat den Gesamtkredit vor. Darin enthalten sind neben diesen fünf Projekten auch die neuen Veloabstellplätze an der Pilatusstrasse sowie die Aussengestaltung. Letztere soll das Schulzentrum Halde zu einer Einheit formen. Auch ein Vegetationskonzept legt die Gemeinde vor.

Der Pavillon auf dem Grundstück wird abgerissen, sodass der Pausenplatz vergrössert werden kann. In einer Medienmitteilung schreibt der Gemeinderat: «Der Landverbrauch ist dank der Konzentration der Primar-, Bezirks- und Musikschule und der Verdichtung auf dem Areal Halde sehr klein. Zusammen mit dem Neubau der Primarschule, dem Anbau- und der Aufstockung der Bezirksschule bilden die erneuerten Gebäude eine gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Investition für die nächsten Jahrzehnte.» Und: «Die umfassende, grosszyklische Erneuerung inklusive Erdbebenertüchtigung der drei Altbauten behebt den schon seit Jahren bestehenden Sanierungsstau.»

Während Bauarbeiten werden die Klassen ausquartiert

Während der Bauzeit der zu sanierenden Gebäude ist aus Gründen der Sicherheit für die Schüler und Lehrer, des effizienten Bauablaufs sowie der Zumutbarkeit (Lärm und Erschütterungen durch Bauarbeiten) die komplette Räumung der betroffenen Gebäude unumgänglich.

Durch einen Etappierungsplan will der Gemeinderat jedoch auf provisorische Bauten möglichst verzichten. «Dazu werden einerseits die zu sanierenden Altbauten und die abzubrechenden Pavillonbauten so lange wie möglich genutzt, auch wenn dies für einzelne Nutzungen mehr als zwei Umzüge bedeuten kann», heisst es im Konzept weiter.

«Andererseits wird auf bestehende Räumlichkeiten in grösstenteils gemeindeeigenen oder im Einzelfall gemieteten Liegenschaften ausgewichen.» Es sollen aber auch Schulcontainer zum Einsatz kommen. Für den Kostenvoranschlag wurden fabrikneue Container eingerechnet. Sofern es auf dem Markt passende, gebrauchte Schulcontainer gibt, ist vorgesehen, diese anstelle von neuen Schulcontainern zu prüfen.

Läuft alles gut, soll das Schulzentrum 2026 fertig sein

Der Baukredit von 55,95 Mio. Franken wird dem Einwohnerrat voraussichtlich am 22. März vorgelegt. Ist dieser einverstanden, kommt der Kredit am 13. Juni vors Volk. Läuft dann alles gut, könnte der Baubeginn des neuen Schulzentrums Halde bereits im zweiten Quartal 2022 stattfinden. 2024 könnte die Primarschule in Betrieb genommen werden, 2025 das Wietlisbachschulhaus und 2026 das Bezirksschulhaus samt Pausenplatz.

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