Jugendsession

Wohler Jugend zeigt und fordert gegenseitigen Respekt

Die Plenumsdiskussion ist eröffnet. Jugendrat-Präsidentin Noëmi Ganarin (Mitte) trägt dem Pro-Lager ihre Argumente vor.

Die Plenumsdiskussion ist eröffnet. Jugendrat-Präsidentin Noëmi Ganarin (Mitte) trägt dem Pro-Lager ihre Argumente vor.

35 Oberstufen- und Kantischüler diskutierten lebhaft, kontrovers und konstruktiv über politische Themen. Dem Gemeinderat wurden ein Katalog mit Forderungen und Anregungen übergeben.

Diese Jugendlichen sind aussergewöhnlich. Nicht nur nehmen sie freiwillig an einer politischen Veranstaltung teil, diskutieren gesittet über wichtige Themen und stellen intelligente Fragen, nein, sie trauen sich auch, dem Wohler Gemeindeammann in einer Diskussion offen zu widersprechen. Damit nicht genug: Sie tun dies auch noch in einem Ton, der niemanden brüskiert.

Forderungen an die Regierung

Rund 35 Jugendliche haben sich am Freitag- und am Samstagnachmittag in der Aula des Berufsbildungszentrums zusammengefunden. Unter der Leitung von Claudia Weber vom Verein für Jugend und Freizeit VJF – und mit tatkräftiger Unterstützung durch Gemeinderat Paul Huwiler – haben sie Schwerpunktthemen festgelegt, in Kleingruppen ausführlich darüber debattiert und schliesslich Forderungen und Angebote an den Gemeinderat daraus abgeleitet, die sie der Regierung am Samstag überreicht haben (siehe Box).

Die Jugend fordert mehr gegenseitigen Respekt, eine Begegnungszone, ein jährliches Jugendfest und eine bessere Ausleuchtung einiger Strassen durch neue Lampen.

Grüsst uns bitte, wenn wir grüssen

Soweit die Resultate; mindestens genauso reif (nicht: erwachsen) war auch die Debattenkultur, die die Jugendlichen an den Tag gelegt haben. Keiner fiel dem anderen ins Wort, niemand wurde für seine Meinung angefeindet und jeder durfte etwas sagen. Erstaunlicherweise hatten die meisten Jugendlichen tatsächlich etwas zu sagen zum selbst gesetzten Thema «Gemeinsam für unser Wohl(en)».

Die absichtlich provokativ formulierten Streitthemen für die Plenumsdiskussion forderten dies heraus: «Thema 1 – Wohlen ist hässlich», sagte Moderatorin Samara. «Alle, die das finden, gehen nach links, die anderen nach rechts. Wir diskutieren zehn Minuten, dann kommt das nächste Thema.» Nachdem die ersten Punkte à la Lärm, Abgase, Kreiselschmuck und Sprayereien genannt waren, entwickelte sich eine Debatte, an deren Ende Gemeindeammann Walter Dubler spontan Applaus zollte. Eine Vertreterin des Jugendrates hatte nicht minder spontan ein kleines Plädoyer auf das Dorf Wohlen gehalten: «Es ist noch ländlich hier und nicht so ein Riesenstress. Ich bin gern in Wohlen.»

Das grössere Thema aber war das Grüssen. Rund ein Drittel der Diskussionszeit widmeten die Teilnehmer dem «Grüezi» auf der Strasse. Von «die Leute gehen gut um miteinander» bis zu «auf der Strasse werde ich kaum noch gegrüsst, das tut mir weh» war alles zu hören. Im Postulat an den Gemeinderat steht: «Es irritiert die Jugendlichen, wenn sie auf der Strasse nicht zurückgegrüsst werden.» Der Respekt beginnt für Jugendliche beim Grüssen, auch das ist allemal aussergewöhnlich.

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