Es ist doch so, das Leben hält immer wieder neue Überraschungen für uns parat. Es fliesst, irgendwo zwischen Wirrwarr und Ordnung. Arabas Cirque Jeunesse macht mit «Station» in seiner 23. Spielsaison Halt auf einem Bahnhof und lädt ein zum Innehalten und Staunen. Am Samstag war Premiere.

Wir befinden uns mitten in einer grossen Bahnhofshalle. Da gibt es ein kleines Café mit einem Barpianisten samt Band und einer Serviertochter, die ständig mit Kopfhörern unterwegs ist. Dort steht eine Lagerhalle, wo Päckchen ausgeteilt werden und manchmal nachts Mäuse herumwuseln. Da gibt es einen Stationsvorsteher, den Mann von der Security, eine Sprayer-Gang, den Clochard und ganz viele Werkarbeiter mit Bauhelmen und Leuchtwesten. Da hetzen Geschäftsleute im Anzug und Handy am Ohr durch die Gänge und schliesslich ist hier eine graue Masse, die Zeitung lesend in die News des Tages vertieft ist, ohne nach links oder rechts zu schauen. Und schon ist der Zuschauer mittendrin in dieser Bahnhofshalle und darf staunen, denn ihm begegnen die hier schönsten Bilder: Da zeigen junge Akrobatinnen und Akrobaten in wundervollen Kostümen ihr Können auf dem Seil, am Schwungseil, am Vertikaltuch, mit dem Diabolo oder auf dem Einrad.

Fast ein Jahr Training

Was die 46 Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 19 Jahren hier zeigen ist schlicht und einfach ergreifend. Es sind wunderbare Bilder aneinandergereiht und erstmals inszeniert von der jungen Regisseurin Colette Orler, die als freischaffende Künstlerin und Artistin im vergangenen Jahr zwischen dem Glarnerland, wo sie herkommt, England, wo sie regelmässig auftritt, und Zufikon/Bremgarten, wo sie mit den Arabas-Kindern gearbeitet hat, hin- und hergependelt ist.

Sie bringt eine ganz neue Bildersprache in den Zirkus hinein: sinnlich, fast poetisch. Da sind Schauspielszenen zwischen den einzelnen Nummern, die den Umbau auf der Bühne überbrücken, und für einmal kommen die Schauspielkinder ganz ohne Worte aus. Nur mit Mimik.

Es sind kleine Szenen, die den Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Fast ein ganzes Jahr lang haben die Kinder wiederum trainiert und neue Nummern einstudiert.

Eltern arbeiten im Hintergrund mit

Arabas verbindet: Da gibt es Artistinnen und Artisten, die schon zehn oder noch mehr Jahre mit dabei sind. Da entstehen Freundschaften und Vertrauen – nicht nur unter den Kindern auch unter den Eltern. Damit die Kinder auf der Bühne im Zirkuszelt auftreten können, leisten die Eltern ganz viel Arbeit im Hintergrund. Alleine bringt niemand so etwas Grosses zustande – gemeinsam geht es. Arabas ist daher weit mehr, als «nur» einfach ein bisschen Kinderzirkus. Er bringt viele wertvolle Werte mit. Auf allen Ebenen, gerade in dieser schnelllebigen Zeit.

Cirque Jeunesse Arabas «Station»-Aufführungen im blau-roten Zirkuszelt beim Emaus in Zufikon gibt es noch bis zum 9. September: Jeweils Freitags um 19.30, Samstags um 18.30 und Sonntags um 11.00 Uhr. Neu in dieser Saison ist ein grosses Bistrot-Zelt mit erweitertem kulinarischem Angebot. Türöffnung ist jeweils 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn. Das Buffetteam lädt vor und nach den Vorstellungen zum Verweilen ein.