Widen

Zero-Waste: Ein Jahr ohne Verpackung

© Andrea Weibel

Pfünderli und Tofurei Engel feiern heute ihr einjähriges Bestehen in Widen mit einem Sommerfest.

Teigwaren im Plastiksäckli, Sonnenblumenöl in der zerdrückbaren Flasche und die Erdbeeren in ihrer Plastikschachtel doppelt eingeschweisst – all das kann man im Pfünderli vergessen. Hier wird auf alles Überflüssige verzichtet. Dafür zählen Frische, Ökologie und Regionalität. Und zwar schon seit einem Jahr.

Am Samstag feiern das gemütliche kleine Café samt Zero-Waste-Laden wie auch die angegliederte Tofurei Engel ihr einjähriges Bestehen nahe des Sportzentrums Burkertsmatt in Widen. Ein Fest ist genau das Richtige, denn immer mehr Menschen – auch auf dem Mutschellen – finden Gefallen an der Idee des Zero-Waste, wo man Reis, Teigwaren, Nüsse, aber auch Öle und vieles mehr in mitgebrachte Tupperwares oder Glasflaschen abfüllen kann.

Mit dem Sommerfest wollen sich die Initianten bei ihren Kunden bedanken, denn am Anfang brauchte die moderne, ökologische Art des Einkaufens schon Überzeugungsarbeit. «Heute sind es viele Leute aus dem Dorf, die zu uns kommen. Das freut uns sehr, denn wir wollen ja nicht nur Veganer ansprechen, sondern einfach Leute von hier», sagt Pfünderli-Mitgründer Michele Pizzera.

Am Anfang stand die Tofurei

Die Tofurei Engel gibt es seit 1981. Damals wurde sie in Zürich gegründet, war zwischenzeitlich in Ottenbach und Zwillikon beheimatet und hatte am Ende schlicht zu wenig Platz. Die Brüder Michele und Mirco Pizzera aus Zufikon, die beide dort arbeiteten, halfen bei der Suche nach einem neuen Standort.

«Weil wir als kleine Genossenschaft nicht die Mittel hatten, entschieden unsere Eltern, ein Gebäude für die Tofurei zu bauen und diese als Mieter aufzunehmen. Dabei hatte die Genossenschaft grosses Mitspracherecht, was die Räume betraf.» Zwei Jahre lang haben die Mitglieder der Tofurei hauptsächlich im Bremgarter Kuzeb geplant.

Bald kam die Idee, auch einen kleinen Verkaufsladen samt Bistro zu eröffnen. «Es war von Anfang an klar, dass nur ein Zero-Waste-Laden infrage kommt, sonst hätten wir gar nicht erst angefangen», erinnert sich Pizzera. Die Idee des Pfünderli war geboren.

Doch nicht nur im Laden, sondern im ganzen Gebäude ist der ökologische Grundgedanke spürbar: Auf dem Dach liefern Solaranlagen Strom, eine Wärmepumpe wärmt das Haus und auch die Abwärme der Kühllager und Lüftung werden zurückgewonnen. Trotz all der modernen Technik strahlt das Café mit den zusammengewürfelten Tischen und Stühlen und den goldenen Lichtern einen einladenden Charme aus. «Gebaut hat das Gebäude der vor wenigen Wochen verstorbene Wider Architekt Peter Studer. Es ist sehr schade, dass er unser Fest nicht mehr miterleben kann», so Pizzera.

Engel-Tofu neu auch bei Tibits

Am 7. Juli 2017 konnte das Pfünderli eröffnen, am 1. August die Tofurei. Mittlerweile arbeiten im Pfünderli sieben Teilzeitangestellte, in der Tofurei 16, das sind vier mehr als vor einem Jahr. «2011 waren es noch sechs Mitarbeiter, die an drei Tagen pro Woche gearbeitet haben», berichtet Noemi Kündig, Co-Geschäftsleiterin der Tofurei Engel.

Pro Woche werden heute zwischen 700 und 900 Kilo Tofu zubereitet, und zwar so schonend wie möglich, was bedeutet, dass fast alles in Handarbeit gemacht wird, vom Rühren übers Befüllen der Formen und Portionieren bis zum Verpacken. «Da können pro Tag gut 500 Stück verpackt werden», rechnet Kündig vor.

Verkauft wird vor allem an Biopartner, der Bioläden in der ganzen Schweiz beliefert, aber auch an Gastronomiekunden wie das Lima Limón in Bremgarten. «Diesen Sommer können wir die Produktion sogar deutlich steigern, wir konnten das Tibits als Kunden gewinnen», freut sie sich.

Am heutigen Sommerfest wird die Tofurei auf Führungen gezeigt. «Wir feiern unser Einjähriges auf dem Mutschellen, aber wir möchten auch Peter Rippstein feiern, der 25 Jahre Mitarbeiter der Tofurei war und sich als Geschäftsleiter nun selber in den Ruhestand entlässt. Ausserdem wird Michele nach fünf Jahren in der Tofurei und einem im Pfünderli zurück auf seinen gelernten Beruf als Sozialarbeiter wechseln und nur noch im Hintergrund für uns tätig sein», sagt Kündig. «Wir sind natürlich traurig darüber, wollen die beiden aber auch gebührend feiern.»

Sommerfest ab 13 Uhr mit Duo Bruno (16.30 Uhr), Poetry-Slam, Kinderprogramm und viel
Verpflegung bei Pfünderli und Tofurei Engel, Allmend 3, Widen

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