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Löwen beissen bei den Heuschrecken an – Drei Zufiker Brüder freuen sich über hohe Investition in «Die Höhle der Löwen»

Die drei Zufiker Brüder Adrian, Christoph und Patrik Bertschi versuchten mit ihrem Start-Up «SmartBreed» mit Heuschreckenzuchtboxen, ihr Glück in der 3+-Sendung «Die Höhle der Löwen». So überzeugten sie die Investoren von sich.

Marc Ribolla
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Die drei Zufiker Brüder Adrian, Patrik und Christoph Bertschi (von links) kämpften am Dienstagabend in «Die Höhle der Löwen» um die Investorengunst.

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«Ich sehe Erleichterung bei den Löwen. Wir dachten, wir müssten sie jetzt essen. Nun sind alle froh, dass es Tierfutter ist», witzelte Roland Brack, einer der «Löwen». Er sprach von den Heuschrecken, die sich in den Zuchtboxen auf dem Podium tummelten. Sein Investor-Kollege Tobias Reichmuth wagte es näher ran, griff in eine der Boxen und holte ein paar der langbeinigen Tierchen heraus.

Mitgebracht hatten die Heuschrecken die drei Zufiker Brüder Adrian, Christoph und Patrik Bertschi. Sie sind zwischen 25 und 30 Jahre alt und die Gründer von «SmartBreed». Mit ihrem Start-Up wollten sie in der 3+-TV-Sendung «Die Höhle der Löwen» am Dienstagabend die Investoren von einem Engagement in ihrer Firma überzeugen.

Heuschrecken als Lieferant hochwertiger Proteine

Mit ihren selbstentwickelten, vollautomatischen Heuschreckenzuchtboxen möchten sie gegen die umweltschädliche Herstellung von Soja-Tierfutter ankämpfen. «Heuschrecken eignen sich perfekt, weil sie Agrarnebenprodukte in hochwertige Proteine umwandeln können», sagte Christoph Bertschi.

Die Heuschrecken in einer der Zuchtboxen.

Die Heuschrecken in einer der Zuchtboxen.

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Dank den Boxen können Landwirte oder auch Zoos so ihr eigenes Proteinfuttermittel herstellen. Die Heuschrecken werden dann zum Beispiel an Legehennen verfüttert. Zurzeit ist «SmartBreed» bereits auf sechs Schweizer Bio-Legehennenbetrieben aktiv, und auch der Zoo Basel hat schon 33 Boxen gekauft.

Als Angebot an die fünf «Löwen» Roland Brack, Bettina Hein, Patrick Mollet, Tobias Reichmuth und Jürg Schwarzenbach waren die Bertschi-Brüder bereit, 2 % ihrer Firma für 100'000 Franken abzugeben. Die «Löwen» fühlten den drei Zufikern kritisch auf den Zahn und wollten mehr über ihr Business erfahren.

«Löwe» und Investor Jürg Schwarzenbach (2. von links) steigt mit 300'000 Franken für 10 % Firmenanteil bei «SmartBreed» ein. Die Bertschi-Brüder freuts.

«Löwe» und Investor Jürg Schwarzenbach (2. von links) steigt mit 300'000 Franken für 10 % Firmenanteil bei «SmartBreed» ein. Die Bertschi-Brüder freuts.

zvg

Besonders die finanziellen Umstände interessierten natürlich brennend. Die Bertschis rechnen bei einem 100-prozentigen Marktanteil bei den 2000 Schweizer Bio-Betrieben mit einem Umsatz von 16,5 Millionen Franken. Dabei gehen sie aber nur von einem Ersatz von nur 10 % des Sojafutters aus. «SmartBreed» ist mit rund 15 Franken pro Kilo Heuschrecken deutlich teurer als Sojafutter, das nur etwa 3 Franken pro Kilo kostet.

Schwarzenbach meinte, dass ein hundertprozentiger Marktanteil eher selten und ambitiös sei. «Das ist das Potenzial, das wir sehen», erklärte Christoph Bertschi. Während Reichmuth und Hein auf ein Investmentangebot verzichteten, wollten am Ende drei «Löwen» in «SmartBreed» investieren. Schwarzenbach meinte:

«Ich finde es spannend. Aber ihr müsst mehr Geld haben. Ich biete euch für 10 % der Anteile 300'000 Franken.»

Andere Offerten gaben Brack (200'000 Fr. für 10 %) und Mollet (100'000 Fr. für 3 %) ab. Nach einiger Bedenkzeit entschieden sich die Bertschis für Schwarzenbachs Angebot.

Boxen werden grösser, und bald gibt's auch eine Mehlwurmlösung

«Wir haben verschiedene Faktoren angeschaut und fragten uns, was die Person reinbringen kann. Schwarzenbach hat erkannt, dass wir viel Geld brauchen, und überzeugte uns mit seinen Argumenten», erklärt Christoph Bertschi der AZ. Die Teilnahme habe sich auf alle Fälle gelohnt.

Die Bertschi-Brüder erklären den möglichen Investoren die Funktionsweise ihrer Heuschreckenzuchtboxen.

Die Bertschi-Brüder erklären den möglichen Investoren die Funktionsweise ihrer Heuschreckenzuchtboxen.

zvg

Eine grosse Herausforderung sei gewesen, den Investoren das Unternehmen innert kurzer Zeit zu erklären – umgeben von den Kameras und Scheinwerfern. «Ich kann es aber jedem Start-Up nur empfehlen», sagt Bertschi. Seit der Aufzeichnung im April ist bereits wieder einiges geschehen, wie er ausführt.

«SmartBreed» arbeitet bereits an grösseren Heuschreckenzuchtboxen in Schiffscontainergrösse. Und im Verlauf von 2022 sollte als nächster Schritt eine Mehlwurmlösung reif sein, die sich an Fisch- und Schweinezuchten richtet. «Damit möchten wir einen neuen Markt bewirtschaften», blickt Christoph Bertschi voraus. Ein Grundstein ist mit dem Investment aus der «Höhle der Löwen» gelegt.

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