Das Unglück nahm am Bahnhof von Baar seinen Lauf. Simon Gerber war damals Postbote und wollte bei einer Gepäcktüre eines Zugs eine Express-Sendung ausladen, als es passierte. Gerbers Arm wurde in der Türe eingeklemmt, das Sicherheitssystem versagte, der Zug fuhr los. 

Drei lange Kilometer wurde der Freiämter über den Schotter geschleift. «Ich hatte das Glück», erinnert sich Gerber gegenüber dem Regionalsender Tele M1, «dass ich mich irgendwie zusammenziehen konnte, so dass ich genug hoch gehangen bin». Dennoch schleifen seine Füsse bei hoher Geschwindigkeit über den Schotter, so dass Gerber an einem Fuss alle seine Zehen verliert. 

Drei Wochen Spital, vier Monate Reha

Bis zum nächsten Halt in Zug bleibt Gerber in seiner misslichen Lage gefangen. Er erinnert sich:  «Als der Zug hielt und die Türfreigabe kam, konnte ich selbst auf den Knopf drücken und fiel wie ein Mehlsack herunter.» Drei Wochen lang lag Gerber im Spital, vier Monate lang dauerte schliesslich seine Reha.

Heute arbeitet er wieder. Als Buschauffeur in Luzern hat er eine neue Anstellung gefunden. Für Gerber ein absoluter Traumjob. Nur eines nervt ihn an seinem Job: Fahrgäste, die sich noch schnell durch die Türe quetschen. Ihnen möchte Gerber sagen: «Der Bus fährt nicht los, er wartet bis alle eingestiegen sind.» (luk)