Fusionsprojekt

«Zukunft Mutschellen» – Steuerfusserhöhungen sind indiskutabel

Die Arbeitsgruppe «Finanzen und Liegenschaften» leistete im farbenfrohen Handarbeitszimmer der Schule Rudolfstetten-Friedlisberg zahlenintensive Kopfarbeit. cf

Die Arbeitsgruppe «Finanzen und Liegenschaften» leistete im farbenfrohen Handarbeitszimmer der Schule Rudolfstetten-Friedlisberg zahlenintensive Kopfarbeit. cf

«Zukunft Mutschellen» diskutiert bis Frühling 2016 die drei Optionen Zusammenarbeit, Verwaltungsgemeinschaft oder Fusion von Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg und Widen. Am zweiten Workshop zur «Zukunft Mutschellen» standen die Zahlen im Fokus.

«Zukunft Mutschellen» diskutiert bis Frühling 2016 die drei Optionen Zusammenarbeit, Verwaltungsgemeinschaft oder Fusion von Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg und Widen. Nach Ansicht von Projektbegleiter Jean-Claude Kleiner entscheiden drei Faktoren den Ausgang: «Kopf, Herz und Portemonnaie.» Letzteres stand im Zentrum des zweiten Workshops.

Christoph Brunner war Gastreferent. Der Betriebsökonom und diplomierte Treuhandexperte aus St. Gallen hatte in den Wochen zuvor aufgrund der Jahresabschlüsse 2014 von Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg und Widen die finanzielle Ausgangslage analysiert und Perspektiven hinsichtlich eines möglichen Zusammenschlusses der drei Gemeinden am Mutschellen herausgeschält.

Basis ist der tiefste Steuerfuss

Eine Steuerfuss-Erhöhung bringt jedes Gemeinde-Fusionsprojekt zum Scheitern. Im Fall der «Zukunft Mutschellen» wäre der Steuerfuss von Widen mit 86 Prozent Richtschnur und würde für Berikon und Rudolfstetten-Friedlisberg eine Steuerfuss-Senkung von aktuell sechs beziehungsweise fünf Prozent bedeuten. Die durchschnittliche Steuerkraft pro Kopf läge dann bei rund 2970 Franken, deutlich über dem kantonalen Mittel (2650 Franken).

«Dennoch müsste mit einem Steuerausfall von total 1,3 Mio. Franken gerechnet werden» erklärte Christoph Brunner. Am Mutschellen sei letztlich aber nicht das Portemonnaie entscheidend.

Dafür seien die drei Gemeinden zu finanzstark. Das zeige etwa das errechnete Netto-Vermögen pro Kopf, welches bei einem Zusammenschluss von Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg und Widen rund 4730 Franken betragen würde. «Das ist absolut top» begeisterte sich Christoph Brunner.

Wo weniger Geld in die Kasse kommt, muss der Gürtel enger geschnallt werden. Dieser Anspruch lässt sich insbesondere in der Anfangsphase nach einer Gemeindefusion kaum umsetzen.

Darum spricht der Kanton bei einem Zusammenschluss einen Beitrag, der sich aus einer Pauschale, dem Steuerkraft-Ausgleich und der Projektunterstützung zusammensetzt. Am Mutschellen würde er sich auf 1,8 Mio. Franken belaufen. Parallel dazu müssen die Synergien greifen.

Spareffekt kommt bestimmt

Jean-Claude Kleiner: «In der Regel resultieren in den ersten zwei, drei Jahren keine Spareffekte. Danach zeigen sich diese aber vor allem bei den Behörden, der Verwaltung und den Betrieben.»

Das Fazit des Projektbegleiters: «Meiner Ansicht nach sind die finanziellen Voraussetzungen für ein mögliches Zusammengehen der Gemeinden am Mutschellen günstig.»

Gabriel Lüthy, Leiter der Arbeitsgruppe «Finanzen und Liegenschaften», fasste nach dem Workshop den tiefen Blick ins Portemonnaie von Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg und Widen wie folgt zusammen: «Die Analyse der Finanzzahlen zeigt, dass die drei Gemeinden vergleichsweise gesund sind. Keine weist Ende 2014 eine Nettoschuld aus. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich Unterschiede. So ist in Widen die Steuerkraft höher, dafür hat Berikon ein höheres Finanzvermögen und stille Reserven. Synergien sind auf den ersten Blick bei künftigen Investitionen wie beispielsweise bei Schulhausbauten oder den Werkhöfen auszumachen.»

Mit Schwung unterwegs

Dynamisch und gut gelaunt waren auch die anderen am Projekt «Zukunft Mutschellen» beteiligten Themengruppen am zweiten Arbeitsabend unterwegs. Das zeigten deren Präsentationen im Plenum.

So legte Ewald Keller aus der Arbeitsgruppe «Schulwesen» die Plus- und Knackpunkte eines Zusammenzugs des Schulbetriebs am Mutschellen auf. Er nannte als Synergien die flexiblere Zuteilung der Schüler auf die einzelnen Klassen, eine verstärkte, gemeinsame Qualitätsausrichtung, die Intensivierung der Schulsozialarbeit und die Optimierung der Tagesstrukturen.

Nicht überraschend war das Votum aus der Arbeitsgruppe «Ortsbürger, Forst, Landwirtschaft, Naturschutz», wonach aktuell eine eher ablehnende Haltung der Ortsbürger bezüglich einer Gemeindefusion am Mutschellen diagnostiziert wurde.

Durchaus positiv unterwegs mit dem Gedanken eines möglichen Zusammengehens von Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg und Widen war die Arbeitsgruppe «Werkhof, Kehricht, Feuerwehr».

Ohne die Augen vor den Herausforderungen zu verschliessen, erläuterte Stephan Haag die Vorteile: Maschinenpark optimieren; bessere Einkaufsbedingungen durch grösseres Volumen; neues Werkgebäude. Schliesslich wurde auf den Info-Blog www.mutschellen.ch verwiesen, wo der rege Austausch fortgesetzt werden kann.

Meistgesehen

Artboard 1