Spielen Guggenmusiker eigentlich extra falsch?», fragte mich meine Mutter, als ich ihr erzählte, dass ich von der Musikgesellschaft Zufikon zu den Sumpfer-Stilzli Kelleramt wechsle. Ich denke an ihre Worte zurück, als ich das erste Mal eine Probe besuche.

Das erste Zusammentreffen findet im August statt, es ist stickig und heiss in der Turnhalle. Lorena liegt auf dem Boden, während sie auf die Blöcke trommelt, andere trinken zwischendurch einen Schluck Mineralwasser zur Abkühlung – nein, kein Bier, nur Mineralwasser. Bier gab es erst ab der zweiten Probe. Nur Patrick, genannt Pado, der hinter mir in voller Lautstärke ins Sousafon pustet und mich damit fast vom Stuhl bläst, sorgt für etwas Abkühlung. «Zum Einstieg spielen wir die Tonleiter», sagt Marco, der die Probe leitet. «C-Dur?», frage ich meinen Kollegen. «Keine Ahnung, die normale halt», meint er schulterzuckend.

Mitspielen kann ich relativ schnell, nur muss ich noch auf die Noten schauen – bis zum Probeweekend im Dezember soll ich acht Stücke auswendig können, so das Ziel. Ob ich die Töne richtig treffe, kann ich kaum sagen, weil nicht nur das Sousafon fortissimo spielt, sondern alle Instrumente – und das praktisch durchgehend. «Bitte nicht so laut, sonst hört man die Klarinetten nicht», sagte der Dirigent in der Musikgesellschaft jeweils. Jetzt bin ich selber die Klarinette.

Viele Musiker sprechen etwas abschätzig über Guggen. Sie mögen Recht haben: Keine komplexen Rhythmus- und Tonartwechsel, die Intonation wird sträflich vernachlässigt, die falschen Töne gehören irgendwie dazu – auch wenn nicht absichtlich falsch gespielt wird, zumindest nicht in unserem Verein. Dass die Lieder ein Fasnachtsflair bekommen, also nicht immer ganz lupenrein tönen, schaffen wir auch so. Ein Grossteil kann nicht mal Noten lesen. Wobei auch einige Berufsmusiker keine Noten lesen können, sie spielen nach Gehör.

Das soll nicht heissen, dass Guggenmusiker unterschätzte Profis sind. Aber eines kann man den Sumpfer-Stilzli nicht streitig machen: Wenn sie auf der Bühne stehen, sogar in den Proben, transportiert ihre Musik Emotionen, regt das Publikum zum Tanzen und Mitgrölen, Pardon, Mitsingen, an. Und ist es nicht das, worum es bei der Musik geht?